Die Tore der Motoball-Arena in Ubstadt-Weiher bleiben geschlossen. Hier hätte am Wochenende die Bundesliga-Saison beginnen sollen. | Foto: Blum

Ungewisse Zukunft

Existenzrisiko Coronavirus: Lokalsportler in der Region Karlsruhe sind besorgt

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Auch im Lokalsport geht so gut wie nichts mehr. In einigen Sportarten ist die Saison bereits abgebrochen. Die Hand- und Fußballer warten die weitere Entwicklung in der Corona-Krise noch ab, doch auch hier stehen unpopuläre Entscheidungen an. Während die Leichtathleten zumindest weiter trainieren können, leiden viele Clubs unter der Zwangspause. Auch finanziell drohen große Einbußen.

Edgar Habitzreither sitzt jetzt auf 250 T-Shirts. Die hätte der Leiter der Faustballabteilung des TSV Karlsdorf am vergangenen Wochenende gerne an die Teilnehmer der deutschen U14-Meisterschaft verteilt.

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Alles war vorbereitet, die Pokale standen bereit, Medaillen waren besorgt, Plakate und Banner gedruckt, Sponsoren gefunden. Dann verschärfte sich die Corona-Krise – nichts ging mehr, auch im Amateursport.
„Das trifft uns schon hart“, sagt Habitzreither.

Auch den für Anfang April geplanten Faustball-Weltcup mit den besten Teams des Landes musste der TSV Karlsdorf absagen. Nicht nur die Auslagen, die unbrauchbar geworden sind – generell sind solche Veranstaltungen die Haupteinnahmequelle vieler Vereine, insbesondere bei den Randsportarten.

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„Ein Nachholtermin ist die einzige Chance, unsere Unkosten zu minimieren“, sagt der TSV-Abteilungsleiter. Die deutsche Meisterschaft der U14 würde er gerne im Spätjahr nachholen, da stellt sich bislang aber der Verband quer. Die Alternative wäre ein Einladungsturnier. Denn zumindest die T-Shirts würde Habitzreither gerne los werden.

Nachholtermine wären wichtig für die Vereine

Wie dem TSV Karlsdorf geht es im Moment vielen anderen Vereinen in der Region. Die Badmintonabteilung des SSV Waghäusel hatte für das kommende Wochenende zum Globus-Top-3.000-Turnier eingeladen. 160 Sportler waren angemeldet, die jetzt zu Hause bleiben müssen.

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Als Ersatztermin wurde der 25. und 26. Juli festgelegt, vorausgesetzt, die Lage normalisiert sich bis dahin wieder. „Wenn das klappen sollte, haben wir zumindest keinen finanziellen Verlust“, sagt Abteilungsleiter Frank Bender. Von einem Gewinn, den das Turnier normalerweise abwirft und mit dem die Jugendarbeit finanziert wird, redet beim SSV Waghäusel keiner mehr.

Für die Motoballer des MSC Ubstadt-Weiher ist die Zwangspause in doppelter Hinsicht ärgerlich. Zum einen musste das gut besetzte Ubl-Turnier am vergangenen Wochenende abgesagt werden, zum anderen hätte am Samstag die Bundesliga-Saison mit einem Heimspiel gegen Taifun Mörsch beginnen sollen, auf die sich das Team akribisch vorbereitet hatte.

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Der Grill und die Motorräder bleiben kalt

Eine voll besetzte Tribüne in der Arena wäre zu erwarten gewesen, nun bleiben die Tore verschlossen. Der Amateursport leidet unter dem unerwarteten Lockout.

„Bei unserem Turnier hätten wir super Wetter gehabt“, sagt Torhüter Jens Kehrer, „da hätten wir mit Einnahmen rechnen können.“ So gingen die bereits besorgten Steaks und Würste unter dem Einkaufspreis an die Mitglieder, der Grill und die Motorräder blieben kalt. Wann es weitergeht ist ungewiss, das bereitet den Vereinen Sorgen.

Ohne Zuschauereinnahmen kann in der Liga kein Verein bestehen.

Jens Kehrer, Torhüter vom MSC Ubstadt-Weiher

Neben dem MSC Ubstadt-Weiher ist aus der Region auch der MSC Philippsburg betroffen. Existenziell würde es allerdings erst dann werden, wenn nicht alle Saisonspiele wie geplant stattfinden können. „Ohne Zuschauereinnahmen kann in der Liga kein Verein bestehen“, sagt Kehrer.

Und ein Teil davon würde eben wegfallen, wenn die Runde aus Zeitmangel verkürzt würde. Denn die Fixkosten, etwa für die Anschaffung und den Unterhalt der Maschinen, sind hoch. So könnte es durchaus sein, dass der Pokal und womöglich auch die EM in diesem Jahr ausfallen.

Darüber diskutieren die Verbände gerade. „Das würde den notwendigen Puffer für die Liga bringen“, sagt Kehrer. Natürlich immer vorausgesetzt, es ist bald wieder Sport möglich.

Komplettabbruch der Saison wäre der Worts Case

Das Schlimmste ist die Ungewissheit – so hört man es von allen Vereinsverantwortlichen, die man in diesen Tagen erreicht. Weil niemand weiß, wie lange die Pause dauert, sind Planungen schwer bis unmöglich. Das trifft vor allem die Mannschaftssportarten wie Fußball und Handball.

Denn während Teile der Ausgaben weiterlaufen, etwa das Gehalt der Trainer oder die Pflege der Vereinsanlage, fehlen Einnahmen aus Kartenverkäufen. Ein Komplettabbruch der Saison würde besonders die Fußballclubs hart treffen, denn hier hatte die Rückrunde gerade erst (Verbands- und Landesliga) oder noch nicht einmal (Kreis Bruchsal und Sinsheim) begonnen.

Von einigen Vereinen ist bereits zu hören, dass die Krise für sie ohne Unterstützung existenziell werden könnte.

Um Planungssicherheit zu schaffen haben einige Verbände die Saison bereits abgebrochen. Dem Beispiel der Volleyballer folgten nun auch die Turner. Hier entschied der Verband, dass es in der laufenden Saison weder Auf- noch Absteiger geben wird und die Ligarunde im nächsten Jahr mit der gleichen Staffeleinteilung wie 2020 beginnt.

Klassenerhalt dank Krise

Für die Vereine des Kraichturngaus Bruchsal hat dies unterschiedliche Auswirkungen: Für die Turnerinnen des TSV Wiesental bedeutet der vorzeitige Abbruch, dass die Schützlinge von Trainerin Nadine Saier auch im nächsten Jahr wieder in der Badischen Oberliga an die Geräte gehen können.

Die Turner des TV Obergrombach, die nach dem Aufstieg in die Verbandsklasse den Klassenverbleib als oberstes Ziel ausgegeben hatten, sind alle Abstiegssorgen los und werden auch 2021 in Badens zweithöchster Liga antreten.

Den Aufstieg in die Verbandsliga hatte die nach zwei Wettkampftagen in der Landesliga noch unbesiegte Riege der TG Kraichgau vor Augen. Dieser Traum von der möglichen Meisterschaft ist nach der Entscheidung des BTB-Präsidiums jedoch ausgeträumt.

In anderen Sportarten, wie beispielsweise im Handball, scheut man eine solche Entscheidung noch – auch weil Ungerechtigkeiten zwangsläufiger Nebeneffekt sind. Dies wäre unabhängig davon der Fall, ob man, wie bei den Turnern, die Saison ganz annulliert oder ob man die aktuellen Tabellenstände für den Auf- und Abstieg zugrunde legt.

Über allem schwebt die Ungewissheit

Je länger der Lockout allerdings dauert, desto höher wird der Druck auf die Verbände, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Ganz andere Sorgen hat Jürgen Gärtner. Er ist nicht nur Vorsitzender des Tennisclubs Blau-Weiß Weiher, sondern auch Geschäftsführer des Gärtner Sportparks, der geschlossen bleiben muss. Dabei wurden die Tennisplätze gerade für den Sommer fitgemacht und wären ab kommender Woche bespielbar gewesen.

In der Halle und im Fitnessstudio ist die Benutzung ohnehin untersagt. „Wir müssen uns auf schwere Zeiten einstellen“, sagt Gärtner, schließlich habe er auch eine Verantwortung für seine Angestellten. „Wichtig ist jetzt, dass man zusammenhält“, findet er. Auch ihm macht die Ungewissheit zu schaffen. Zunächst bleibt bis zum 19. April alles gesperrt – so sieht es die Verordnung des Landes Baden-Württemberg auch „für alle öffentlichen und privaten Sportanlagen und Sportstätten“ vor.

Ob dieser Zeitraum ausreicht, ist aber ungewiss. Seine Tennisplätze werden jedenfalls für eine ganze Weile leer bleiben, obwohl sie weiter gepflegt werden müssen – und obwohl Tennis mit Blick auf die Verbreitung des Coronavirus eigentlich unbedenklich wäre, wie Gärtner findet.

Nur wenige Sportler sind noch aktiv

Im Gegensatz zu den Tennisspielern müssen andere Aktive vorerst nicht auf ihren Sport verzichten. Jonas Friedrich aus Oberderdingen leitet beispielsweise eine Akademie im Trial, bei dem in der Natur rund um Bretten mit einem speziellen Fahrrad Hindernisse und Parcours überquert werden.

Er hält seine Übungsgruppen momentan aber auch kleiner als üblich. Es arbeiten nur noch drei bis vier Sportler zusammen. „Auch wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt er. Im Zweifel muss bald jeder für sich trainieren.

Individualsportarten im Freien, wie das Fahrrad-Trial, sind noch möglich. | Foto: pr

Ähnlich ist es auch bei den Leichtathleten. „Die Sportler haben Trainingspläne von mir bekommen“, sagt Steffen Goller, der Coach bei der TSG Bruchsal ist. Bei den Läufern sei das kein Problem, „in den technischen Disziplinen ist es eher schwierig“, macht der Trainer deutlich.

Gefreut hatte er sich eigentlich schon auf die Bahneröffnung und den Werferpokal, die am 4. April in Bruchsal geplant waren. Speerwerfer Andreas Hofmann und Sprint-Talent Lisa Nippgen hatten ihr Kommen zugesagt. „Das wäre ein schöner Tag geworden“, sagt Goller enttäuscht.

So ist es auch bei den Triathleten. Training – zumindest Laufen und Radfahren – ist möglich, Wettkämpfe im Frühjahr sind aber höchst ungewiss. Abgesagt wurde das geplante Radsportevent rund um Obergrombach am 5. April. Solche Absagen nehmen den Sportlern den Spaß am trainieren. „Man hat nichts, auf das man hinarbeiten kann“, bringt es Goller auf den Punkt.