Völlig erschöpft: Polizisten am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg. Unter den Einsatzkräften waren auch 439 Polizisten der Bereitschaftspolizei aus Bruchsal dabei, die mit zwei Wasserwerfern und einem gepanzerten Fahrzeug anrückten. | Foto: Sebastian Willnow/dpa

Bruchsaler Polizisten bei G-20

„Extrem ausgepowert und erschöpft“

Wenn die Ergebnisse eines Treffens von Spitzenpolitikern wegen Gewaltexzessen und Ausschreitungen in den Hintergrund treten, dann stimmt etwas nicht: Die Bilder von den Krawallen und Ausschreitungen am Rande des G-20-Gipfels waren erschreckend. Noch erschreckender ist die Anzahl der Polizisten, die bei diesem Einsatz verletzt wurden.

Mehr als 1000 Polizisten aus Baden-Württemberg in Hamburg

Aus Baden-Württemberg waren insgesamt mehr als 1 000 Beamte nach Hamburg entsandt worden. 76 Beamte von den Bereitschaftspolizeidirektionen Bruchsal und Göppingen trugen bei dem Einsatz Verletzungen davon. 44 von ihnen kommen von der Bruchsaler Bereitschaftspolizei. „Es handelt sich überwiegend um Prellungen, Schürfwunden und Schnittwunden“, sagt Roland Fleischer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen.

Einsatz an Brennpunkten

Der Einsatz sei außergewöhnlich gewesen, der mit äußerster Brutalität von der Gegenseite geführt wurde. Fleischer berichtet von Attacken mit Holzlatten, Eisenstangen, Pflastersteinen und Brandsätzen. Sogar Gehwegplatten seien von Hausdächern geworfen und Stahlkugeln mit sogenannten Zwillen geschossen worden. „Die Mehrzahl der Beamten ist wieder einsatzfähig“, sagt er. Trotz der guten Schutzausstattung konnten Verletzungen nicht verhindert werden. Alle Kräfte des Polizeipräsidiums Einsatz seien an Brennpunkten eingesetzt gewesen – auch im Schanzenviertel der Hansestadt. Der Einsatz werde auch nachbereitet. „Niemand wird im Stich gelassen“, sagt Fleischer. Dabei baue man auch auf ein Netzwerk, bestehend aus dem einsatzpsychologischen Dienst, Seelsorge und Konfliktberatung.

439 Bereitschaftspolizisten aus Bruchsal eingesetzt

„Die Kollegen sind extrem ausgepowert und erschöpft“, so Dean Rittershofer, Sprecher der Bereitschaftspolizei in Bruchsal. 439 der derzeit ingesamt 723 Bruchsaler Bepo-Beamten waren in Hamburg im Einsatz. Darunter zwei taktische Hundertschaften, eine Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft sowie eine Wasserwerferstaffel. Die Bruchsaler Polizisten waren auch mit zwei Wasserwerfern und einem gepanzerten Fahrzeug in Hamburg.
In dieser Woche hätten die Beamten einige Tage frei, dies sei aber von Einheit zu Einheit unterschiedlich. „Wohlwissend, dass der Einsatz notwendig ist, sind wir geschockt über die Brutalität und die Gewalt, die uns entgegengeschlagen ist“, sagt Rittershofer. In solch einer Dimension hätten die Kollegen Gewalt noch nicht erfahren. Er geht davon aus, dass die verletzten Polizisten nach der Erholungsphase wieder einsatzbereit sind.

Bereitschaftspolizei: Die Bereitschaftspolizeidirektion in Bruchsal bezog das Areal in den Dittmannswiesen im Jahr 1969. Unter dem Dach des Polizeipräsidiums Einsatz mit Sitz in Göppingen befinden sich die beiden gleich großen Bereitschaftspolizeidirektionen Bruchsal und Göppingen, erklärt Dean Rittershofer. Diese haben jeweils drei Einsatzabteilungen. Sie sind untergliedert in die Direktion Spezialeinheiten, die Direktion Hubschrauberstaffel, und die Wasserschutzpolizeidirektion, die ebenfalls in Bruchsal ansässig ist. Polizeibeamte kommen nach ihrer Ausbildung zur Bereitschaftspolizei. Dort erhalten sie ein dreiwöchiges Intensiv- und Tumulttraining und werden dann in die Einsatzabteilungen integriert. Die Verwendungszeit bei der Bereitschaftspolizei läuft von mindestens 18 bis zu 60 Monaten. pat