Den Blick fürs Detail braucht der städtische Mitarbeiter Bernhard Eckert, der hier auf einen Weißfäuleerreger an einer Winterlinde in der Fritz-Erler-Straße hinweist. | Foto: Heintzen

„Handeln nicht aus Mordlust“

Fällarbeiten an 62 Bäumen in Bruchsal begonnen

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Das kam gerade noch rechtzeitig vor dem Sturm: Die bereits im Oktober für das Winterhalbjahr angekündigten Baumfällarbeiten im Stadtgebiet von Bruchsal haben am Donnerstag begonnen. Insgesamt ist die Fällung von 62 Bäumen geplant, die abgestorben oder nicht mehr standsicher sind. Entfernte Bäume sollen durch Neupflanzungen von überwiegend heimischen Arten ersetzt werden, informiert der Pressesprecher der Stadt, Bernd Killinger.

Altbäume häufig von Pilzkrankheiten befallen

Die Gründe für die Fällungen sind vielfältig. „Auf der einen Seite haben wir Jungbäume, die nicht richtig Fuß fassen konnten. Und zum anderen viele alte Bäume, die nicht mehr gesund sind“, erklärt Gerhard Hoffmann, Mitarbeiter der Abteilung Tiefbau, Grün und Landschaftspflege der Stadt Bruchsal. Das Hauptproblem stellen für die Altgewächse Pilzkrankheiten dar. In den meisten Fällen dringen diese über die Wurzeln oder über offene Schnittstellen in das Holz ein. Geschwächt und dadurch anfällig für Schädlinge werden die Bäume besonders durch „Wurzelenge“, fehlenden Raum für das Wurzelwerk in stark betonierten Gebieten wie der Fußgängerzone oder an den Hauptverkehrswegen.

Verwaist wird bis zur Neupflanzung der Platz dieses Bergahorns sein, der in der John-Deere-Straße stand. Die Baumfällung übernimmt Martin Heckert.
Verwaist wird bis zur Neupflanzung der Platz dieses Bergahorns sein, der in der Bruchsaler John-Deere-Straße stand. Die Baumfällung übernimmt Martin Heckert. | Foto: Heintzen

Auch bei Frost kann gefällt werden

Die Minusgrade im zweistelligen Bereich der vergangenen Tagen hatten übrigens nichts mit der Verzögerung der schon lange feststehenden Maßnahme zu tun: „Nein, das Wetter war bei der Terminfindung nicht ausschlaggebend, die beauftragte Firma Heckert aus Untergrombach hätte auch bei ordentlichen Minusgraden zu Werke gehen können“, informiert Hoffmann. Gegen Fällmaßnahmen im Laufe der Monate November und Dezember habe für die Mitarbeiter der Stadt gesprochen, dass man die Bürger nicht in der festlichen Vorweihnachtsstimmung stören wollte.
Insgesamt liegt dem Zuständigen für Grünflächen und Landschaftspflege bei der Stadt die Akzeptanz der Bruchsaler für die Fällmaßnahmen sehr am Herzen. Und die sei – so zumindest der Eindruck Hoffmanns – in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen.

Gestiegene Akzeptanz bei den Bürgern

Den Grund dafür sieht er unter anderem in der zunehmenden Zahl von Unwettern und der medialen Berichterstattung über Unfälle mit nicht mehr standfesten Bäumen. „In den 70er und 80er Jahren war das Thema Baumfällungen für viele Menschen noch sehr emotional und negativ besetzt“, erinnert sich Hoffmann zurück. Heute erkennen die meisten Menschen an, dass Fällungen für die Sicherheit im öffentlichen Raum notwendig sind.
Etwaige Diskussionen mit Naturschützern werden für die Baumpfleger inzwischen auch dadurch erleichtert, dass sie sich auf immer genauere Untersuchungsmethoden und -geräte berufen und sich mit den erhobenen Werten absichern können. „Das ist gut, so können wir deutlich machen, dass wir nicht aus Mordlust handeln“, sagt Hoffmann.

Die Lücke, die die Fällung von teilweise über 100 Jahre alten Bäume schlägt, ist tragisch – und schwer wieder zu füllen.

Eher das Gegenteil sei der Fall: Es fiele ihm und Kollegen schwer, wenn ein vor nur wenigen Jahren gepflanzter Baum wieder gefällt werden müsse. Gerade in den ersten Jahren bekommen die Sprösslinge von der Stadt besondere Aufmerksamkeit: Zusätzlich zur regelmäßigen Wässerung werden sie ein Mal im Jahr gedüngt. „Wir sind ständig bemüht, den Grünbestand zu erneuern. Wenn es ein junger Baum trotz baumpflegerischer Maßnahmen nicht schafft, fangen wir an seinem Standort wieder bei Null an. Dann dauert es erneut Jahre, die entstandene Lücke aufzufüllen“, betont Hoffmann. Noch schwerer falle natürlich der Abschied von altbekannten Bäumen, die das Stadtbild über Jahre geprägt haben: „Die Lücke, die die Fällung von teilweise über 100 Jahre alten Bäume schlägt, ist tragisch – und schwer wieder zu füllen.“