Ein Distelfalter: Ursache für das hohe Schmetterlingsaufkommen ist wahrscheinlich das ungewöhnlich trocken-warme Frühjahr.
Zwei Schachbrettfalter: Schmetterlingsexperten hoffen, dass die vielen für Wildbienen angelegten Blütenstreifen mittelfristig auch den Faltern helfen. | Foto: Franz Lechner

Sommer ist klimatisch günstig

„Falterschwemme“ ist nicht überall im Landkreis

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2018 ist ein Schmetterlingsjahr. In vielen Gebieten des Landkreises flattern derzeit auffällig viele von den zarten Schönheiten durch die Wälder, über Wiesen oder in Gärten umher. Die Gartenbesitzerin Erika Weisser aus Stutensee erzählt, dass an den lila Blüten ihres Schmetterlingsstrauches gelegentlich 20 Schmetterlinge gleichzeitig Nektar saufen. „So gut besucht war mein Strauch schon lange nicht mehr“, freut sich die Naturfreundin, und nennt dann die häufigsten Besucher in ihrem Garten: „Tagpfauenaugen, Taubenschwänzchen, Zitronenfalter und Weißlinge.“

Trocken-warmes Frühjahr als eine wahrscheinliche Ursache

Auch in Ubstadt-Weiher ist die Zahl der Tagfalter in diesem Jahr groß, wie die Umweltschutzbeauftragte der Gemeinde, Silke Weber, berichtet. „Vor allem Kaisermäntel, aber auch viele andere Arten, sind in diesem Jahr auffällig viele unterwegs“, sagt Weber. Und schließlich sieht man auch im südlichen Landkreis an vielen Stellen in diesem Jahr relativ viele Schmetterlinge.

Ein Distelfalter: Ursache für das hohe Schmetterlingsaufkommen ist wahrscheinlich das ungewöhnlich trocken-warme Frühjahr.
Ein Distelfalter: Ursache für das hohe Schmetterlingsaufkommen ist wahrscheinlich das ungewöhnlich trocken-warme Frühjahr. | Foto: Franz Lechner

„Im Schwarzwald habe ich beispielsweise ungewöhnlich viele Baumweißlinge beobachten können“, wundert sich der Pfinztaler Landschaftsökologe, Peter Zimmermann. Ursache für das hohe Schmetterlingsaufkommen sei wahrscheinlich das ungewöhnlich trocken-warme Frühjahr, meint Zimmermann, und ergänzt: „An der Tatsache, dass die Hälfte aller heimischen Tagfalter vom Aussterben bedroht ist, ändert das gute Schmetterlingsjahr 2018 allerdings nicht wirklich etwas.“

Gefährdete Arten bleiben selten

Und tatsächlich sind es vor allem die so genannten Ubiquisten unter den Faltern, also die Arten, die keine speziellen Ansprüche an ihre Umwelt stellen, die man häufig sieht. Gefährdete Arten wie der Schwalbenschwanz, Ameisen-Bläulinge oder die verschiedenen Scheckenfalter bleiben auch in diesem klimatisch günstigen Schmetterlingssommer selten. Auch gilt, dass die „Falterschwemme“ nicht überall im Landkreis zu beobachten ist. Gebiete, die durch große, intensiv genutzte landwirtschaftliche Nutzflächen geprägt sind, bleiben auch in diesem Jahr weitgehend frei von Faltern.

Experten setzen auf Blühstreifen

„Ich kann bei mir hier nicht mehr Schmetterlinge beobachten wie in anderen Jahren, also leider immer weniger“, berichtet der Flehinger Schmetterlingsexperte Karl Treffinger. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass die in den vergangenen Jahren in vielen Gemeinden für Wildbienen angelegten Blühstreifen und die blütenreichen Zwischenfruchtfelder der Landwirte mittelfristig auch den Faltern helfen. „So richtig hilfreich sind aber nur die Blühflächen, in denen sich von den Eiern über die Raupen und Puppen der gesamte Entwicklungszyklus eines Schmetterlings vollziehen kann, und das geht nicht auf Flächen, die nach wenigen Wochen oder Monaten umgepflügt oder abgemäht werden“, sagt Treffinger.
Positiv für Schmetterlinge und andere Insekten ist auch, dass Gemeinden wie Kraichtal oder Ubstadt-Weiher die Randstreifen von Wald- oder Feldwegen nicht mehr alle gleichzeitig abmähen lassen. „Auf diese Weise und durch die Streifenmahd auf Wiesen bietet man Schmetterlingen immer ein Nahrungsangebot“, betont Zimmermann.

 

Franz Lechner