Guckguck: Auch Hexen zeigen mal ihr wahres Gesicht.
Guckguck: Auch Hexen zeigen mal ihr wahres Gesicht.

Mit Hexen und „Deifel“

Faschingsumzug in Eggenstein

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Von Natalie Nees

Mario Schönleber gibt den Schritt vor – und das nicht nur symbolisch gesehen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes: Der erfahrene Zugmarschall, Ortskartellvorsitzende und verantwortliche Hauptorganisator des Umzugs führt am gestrigen Faschingsdienstag – trotz zeitweise heftiger Regengüsse – profimäßig, bestens gelaunt und das ganze Geschehen fest im Blick behaltend den 1 300 Köpfe zählenden Gaudiwurm durch Eggenstein an. Fesch mit Zylinder – wie sein ganzes Team – ist er weithin sichtbar, direkt dahinter befördert sein Traktor die Honoratioren des Gaudiwurms. Vom Bahnhof am Ortsrand aus geht es direkt hinein in etwa 1,5 Kilometer geschmückte Dorfstraßen, in denen 1 000 Kilo süße Kamellen bald in hohem Bogen in die Menge fliegen.

Hexen und „Deifel“

Aufgereiht wie an einer Perlenkette stehen die Umzugswagen am Eggensteiner Ortsrand in gegenläufiger Richtung: Das hat feste Tradition bei der „Eggstoiner“ Straßenfasnacht, übrigens die 48. Auflage mit 49 Zugnummern. Tradition sind ebenso die vielen Hexenabordnungen, die neben den örtlichen „Alde Bumble“ durch die Menge toben und allerhand Schabernack treiben. Wo die „Hex´“ ist, lassen die „Deifel“ bekanntlich nicht lange auf sich warten, und die begeistern mit atemberaubender Maskerade wie die „Horbachdeifl“ Ettlingen und die Bergsee-Dämonen aus Sinzheim.

Mischung aus Spott, Klamauk und aktuellen Themen

Mit Spannung und Freude erwartet wird die Nummer „34“ des Gaudiwurms, schließlich ist der Arbeitergesangverein (AGV) „Hebebühne“ Eggenstein seit Jahrzehnten bekannt dafür, die richtige Mischung aus Spott, Klamauk und närrischer Aufarbeitung aktueller Themen zu finden, gerne auch über die Ortsgrenzen hinaus. Die Erwartungen werden nicht enttäuscht: Die Aktivisten des Traditionsvereins haben in diesem Jahr die Eggensteiner „Faschingstaufe“ mit einer gigantischen Konstruktion aus Stahl und Blech zum Leben erweckt – inklusive Pastorenbesetzung.

Allerlei optische Brüller

Viel Liebe zum Kostümdetail demonstrieren im Eggensteiner Gaudiwurm unter anderem mit der Zugnummer „27“ die sportiven Gymnastikdamen des Leopoldshafener Fußballvereins mit dem knackigen Motto „Pack’ die Tasche geh zum Sport und leg’ dein Handy fort“.
Ein optischer Brüller ist die höchst attraktive Frauenriege der Eggensteiner Handballerinnen der Turngemeinde (TGE). Als himmlische Flieger angetan verkünden sie „Eggstoi kurbelt den Tourismus an, mit krabb-air Flüge für Jedermann“. So ist die Richtung ab Aschermittwoch glasklar vorgegeben: Nach dem närrischen Treiben in der Heimat geht es hinaus in die weite Welt – bis zum 11. November 2017, wenn landauf und landab die Narrenkappen und Pappnasen für die neue Kampagne wieder aufgesetzt werden.