Von Bruchsal bis Ettlingen: Das Internetportal Airbnb hat auch hier in der Region jede Menge Ferienwohnungen im Angebot. Noch aber stimmt das Verhältnis zwischen Feriendomizilen und Mietwohnungen.
Von Bruchsal bis Ettlingen: Das Internetportal Airbnb hat auch hier in der Region jede Menge Ferienwohnungen im Angebot. Noch aber stimmt das Verhältnis zwischen Feriendomizilen und Mietwohnungen. | Foto: dpa

Airbnb und Co.

Ferienwohnungen werden immer beliebter

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Auch in der Region rund um Karlsruhe haben Portale wie Airbnb inzwischen eine Menge Ferienwohnungen im Angebot. Im Gegensatz zu größeren Städten sehen die Gemeinden darin kein Problem. Noch stimmt das Verhältnis zwischen Feriendomizilen und dem Wohnungsmarkt.

Im vergangenen Jahr verzeichnete der Landkreis Karlsruhe rund 1 020 000 Übernachtungen. Das zumindest ist auf der Webseite des statistischen Landesamtes nachzulesen. Tatsächlich scheint das aber nur die halbe Wahrheit zu sein. Denn die Statistik führt lediglich Übernachtungen in Betrieben mit mindestens zehn Betten auf. Ferienwohnungen oder Zimmer, die von Privatpersonen vermietet werden, sind nicht berücksichtigt. Dabei erfreuen sich gerade die immer größerer Beliebtheit. Das zeigt der Erfolg von Portalen wie Airbnb oder Wimdu, auf denen die Menschen ihre Unterkünfte anbieten.

Städte gehen auf die Barrikaden

Vor allem in großen Städten stößt das auf wenig Begeisterung. Weil sich dort mit Ferienwohnungen das Vielfache einer herkömmlichen Miete verdienen lässt, vermieten immer mehr Eigentümer lieber an Feriengäste als an Dauermieter. Kritiker sagen, das verschärfe das Problem der Wohnungsnot und treibe die Mieten in die Höhe.

Bußgelder und Gesetze

Berlin geht mit dem sogenannten Zweckentfremdungsgesetz gegen die Problematik vor. Bis zum 1. August müssen Vermieter eine Genehmigung eingeholt und sich registriert haben. München bestraft Besitzer, die ihre Wohnung dauerhaft über Portale wie Airbnb vermieten, mit hohen Bußgeldern. Und die Mainzer Verwaltung behält die einschlägigen Angebote ständig im Blick.

Vier Inserate in Bruchhausen

Doch wie sieht es im ländlichen Raum aus – in Städten wie Bruchsal, Stutensee oder Ettlingen? Ein Blick auf Airbnb zeigt: Die Plattform hält in beinahe jedem kleinen Stadtteil Angebote bereit. Auf der Gemarkung Bruchsals sind es acht Inserate, in Ettlingen neun – vier davon in Bruchhausen. Bretten bietet sieben Angebote, Stutensee elf – genauso viele wie das nur halb so große Weingarten.

Zahl der Ferienwohnungen ist vertretbar

Eine Bedrohung für den Wohnungsmarkt sehen die Kommunen in den Ferienwohnungen aber nicht. Einhellige Meinung in den Ordnungsämtern: Bisher ist die Zahl der Airbnb-Unterkünfte in den Orten vertretbar, ein Missverhältnis zum Wohnungsmarkt besteht nicht. Lediglich Ettlingen plant, einen Wohnraummanager einzustellen, der dann auch Vermieter ansprechen soll. Grundsätzlich aber sehen die Verwaltungen die Unterkünfte als Bereicherung und Ergänzung zum Pensions- und Hotelangebot.

Von Sportlern uns Studenten

Tatsächlich sprechen die Ferienwohnungen ganz unterschiedliche Zielgruppen an. Dabei sind es vor allem die Begegnungen mit den Menschen, die den Gastgebern so viel Freude bereiten. „Wir haben den Studenten aus Oberderdingen, der einfach in Ruhe lernen möchte, aber auch Gäste aus Dubai oder Portugal, die sich die Region oder Touristenziele wie Heidelberg anschauen“, berichtet René Lächle aus Weingarten. Der gelernte Schreiner hat das Dachgeschoss seines Hauses von 1780 ausgebaut. Die Bilder bei Airbnb zeigen lichtdurchflutete Räume und einen kleinen Balkon mitten im Grünen.

Nachbarn bringen Verwandte unter

Angela Saurano, die in ihrem Elternhaus in Stutensee-Spöck ein Dachstudio sowie eine kleine Wohnung anbietet, berichtet von Touristen auf der Durchreise. „Oft kommen auch Nachbarn oder Menschen aus dem Ort auf mich zu und fragen, ob ich Platz habe für Familienmitglieder – wenn zum Beispiel Geburtstag gefeiert wird oder eine Hochzeit ansteht.“

Antonie Ehrlicher, die zwei Wohnungen im eigenen Haus in Bruchsal anbietet, hatte gerade einen jungen Chinesen zu Gast. Der blieb gleich fünf Monate. Und auch Großereignisse bringen den Vermietern Gäste: „Als Kraichgau-Triathlon war, hatten wir Sportler zu Besuch, die hier übernachtet haben und sonntags zum Wettkampf angetreten sind“, sagt Ehrlicher. Eine Unterkunft in Kirrlach wirbt mit der Nähe zum Hockenheimring, wo am Wochenende die Formel 1 gastiert.

Vermieter tragen Verantwortung

Im Gespräch mit Lächle, Saurano und Ehrlicher wird klar: Zumindest zwei von ihnen haben auch noch Eigentum, das sie dauerhaft vermieten. Ihre Verantwortung als Wohnungsbesitzer scheint ihnen also durchaus bewusst zu sein.

Behörden haben Vermieter im Visier

Obwohl sie also langjährige Erfahrung mit Mietern haben, mussten sie im Umgang mit Airbnb auch noch viel lernen. „Wir mussten einen neuen Bauantrag stellen – weil es einen Unterschied macht, ob man lang- oder kurzfristig vermieten möchte“, berichtet Antonie Ehrlicher. In Berlin oder Hamburg hat die Steuerfahndung Vermieter im Visier. Wer seine Einnahmen nicht umfänglich angibt oder nicht richtig versteuert, muss mit Konsequenzen rechnen. Umso wichtiger ist es, sich abzusichern. „Wir waren auf dem Rathaus, um abzuklären, ob es irgendwelche Auflagen gibt. Und haben uns dann auch vom Steuerberater helfen lassen“, sagt René Lächle.