DIE SANIERUNG EINZELNER PLATTEN in der Fußgängerzone ist aufwendig. Die Platte muss entfernt werden und der Untergrund ausgebessert. Danach muss das Ganze eigentlich 28 Tage lang aushärten, daher sieht man immer wieder solche abgedeckten Mini-Baustellen. | Foto: Heintzen

Gesucht wird ein Gesamtkonzept

Flickschusterei in der Bruchsaler Fußgängerzone

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Es erinnert an Sisyphos: Irgendwo wird in der großen Bruchsaler Fußgängerzone immer eine Platte repariert. Mal stehen die Warnbarken vor dem Tschibo, dann wieder am Pavillon und gerne auch mal in der Oberen Kaiserstraße. Dort lässt sich bereits ein Flickenteppich erkennen. Der städtische Bauhof hat seit Jahren quasi einen Dauerauftrag. Auch in diesen Tagen ist ein Bautrupp in der Fußgängerzone beschäftigt.

Das Bauwerk ist in die Jahre gekommen

Langsam aber sicher reift in der Stadtverwaltung die Erkenntnis, dass Flickschusterei nicht mehr ausreicht. Der Belag gehört komplett erneuert. „Im Grunde benötigen wir ein Gesamtkonzept“, erklärt Bruchsals neuer Pressesprecher Eric Reiff auf BNN-Anfrage. Gerhard Hoffmann kennt die Details des Problems. Er arbeitet im Bauamt und verfolgt das Thema schon seit Jahren. Einfach ausgedrückt sagt er: Das Bauwerk ist in die Jahre gekommen.

Das Entweder-oder-Prinzip

Rückblende: Dort, wo heute Fußgänger flanieren, verlief einst die Bundesstraße. Die heutigen Beton- und Granitplatten stammen aus dem Jahr 1993. „Man hat sich damals für eine gebundene Bauweise entschieden“, geht Hoffmann ins Detail. Man wusste, dass neben Fußgängern auch immer wieder Verkehr, etwa für den Wochenmarkt, über den Platz und die Straßen rollen muss. Die gebundene Bauweise mit Zementmörtel und mit Zement ausgefüllten Fugen gilt im Vergleich zur ungebundenen Variante mit Platten auf einem Splittbett als stabiler. „Aber hier gilt das „Entweder-oder-Prinzip“, bringt es Hoffmann auf den Punkt. Entweder alles ist stabil, so wie nach wie vor große Teil der Fußgängerzone. Oder einzelne Stellen machen Probleme. Dann aber richtig: Dann ist die Sanierung aufwendig.

Wasser dringt in die Fugen ein

Im Laufe der Jahre ist Wasser in die Fugen gedrungen, Streusalz, Frost, der Mörtel wird angegriffen, das Wasser kriecht in den Untergrund, Hitzespannungen tun das Übrige, sodass am Ende die Platten ins Kippeln geraten, spätestens wenn ein großes Fahrzeug darüber rollt. Das müssen nicht unbedingt die Wagen des Wochenmarktes sein. Dafür sind die Beton- und Granit-Platten ausgelegt. Auf 15 Tonnen war das zulässige Gewicht einst limitiert.

EIN DAUERAUFTRAG hat der städtische Bauhof in der Fußgängerzone. Hier am Pavillon reparieren zwei Mitarbeiter gerade eine kippelnde Platte. | Foto: Zäpfe

28 Tage lang dürfen Platten nicht belastet werden

Seit 1993 allerdings gab es einige große Baumaßnahmen in der Innenstadt. Angefangen von der Rathausgalerie über einzelne private Baumaßnahmen oder auch der Umbau des ehemaligen Kaufhauses Schneider. „Auch wenn jemand Heizöl angeliefert bekommt, werden die Platten stark belastet“, nennt Hoffmann ein Beispiel. „Das Mörtelbett unter den Platten ist der Schwachpunkt“, erklärt er weiter. Beginnt eine Platte zu wackeln, muss der Bauhof sie entfernen und den Untergrund aufwendig mit Beton erneuern. Danach wird die Platte wieder eingesetzt und verfugt. 28 Tage lang darf sie nicht belastet werden, bis alles ausgehärtet ist. Deshalb sieht man immer wieder mit Eisenplatten und einer Warnbarke abgedeckte Fließen in der Fußgängerzone. In der Obereren Kaiserstraße werden die dortigen, kleineren Platten nicht mehr ausgetauscht. Dort behilft man sich mittlerweile mit Asphalt, was den Eindruck eines Flickenteppichs verstärkt.

Runderneuerung geht in die Millionen

Im Grunde müsste die Fußgängerzone irgendwann runderneuert werden. Dass das in die Millionen geht, ist schon heute klar. Wieviele genau, darüber gibt es aus dem Rathaus bislang keine Aussage. Immerhin geht es um eine Gesamtfläche von rund 14 000 Quadratmetern. Packt man das Thema eines Tages an, gilt es, vorab viele Fragen zu klären. Das fängt bei der Finanzierung an. Großbaustellen in der Einkaufszone gelten nicht als sonderlich förderlich für eine Stadt. Außerdem könnte man auch die Frage nach einer Belebung der oberen Kaiserstraße zum Kübelmarkt hin in diesem Zuge klären. Bis es soweit ist, wird aber die nächsten Jahre wohl weiterhin geflickt.