An der Unglücksstelle beim Erlichsee waren Dutzende Helfer im Einsatz, nachdem in der Luft ein Hubschrauber und ein Sportflugzeug kollidiert waren. | Foto: Heintzen

Vier Todesopfer bei Kollision

Abgestürztes Kleinflugzeug gehörte zur Flugschule Basel

Das bei der Kollision mit einem Rettungshubschrauber bei Oberhausen zerstörte Kleinflugzeug vom Typ Piper stammte von der Flugschule Basel. Dies berichteten Behördenvertreter bei einer Pressekonferenz am Dienstagabend in Oberhausen. Bei den vier Todesopfern handele es sich ausschließlich um Männer – die beiden Helikopterpiloten sowie die zwei Flugzeuginsassen. Mittlerweile sei eine der vier Leichen abtransportiert, hieß es. Ein Zeuge habe beobachtet, wie das Flugzeug plötzlich aus den Wolken kam und mit dem Hubschrauber kollidierte. Die Maschine der Deutschen Flugrettung sei am Baden-Airport gestartet und habe sich auf einem Überprüfungsflug befunden. Ob die Überprüfung technischer Natur war oder die fliegerischen Fähigkeiten des Piloten im Mittelpunkt standen, konnten die Behördenvertreter nicht beantworten. Bei der Flugschule Basel handelt es sich um eine der größten Flugschulen der Schweiz.

Ursache für Kollision unklar

Die beiden Maschinen waren mittags zwischen Rheinhausen und dem Erlichsee, einem beliebten Baggersee samt Campingplatz, unweit des Kernkraftwerks Philippsburg abgestürzt.  Das Kleinflugzeug war nach Behördenangaben im Landeanflug auf den Flugplatz Speyer. Beide Maschinen verfügen über keine Flugschreiber. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, war noch völlig unklar. Hier ein Augenzeugenvideo des SWR:

Viele Einsatzkräfte

Einsatzkräfte von Rotem Kreuz, Feuerwehren und Polizei waren vor Ort. Aus Nachbarorten wie Altlußheim oder Hockenheim kamen Feuerwehren zu Hilfe. Gegen 13 Uhr war der Notruf eingegangen. Auch das Technische Hilfswerk wurde zur Unterstützung angefordert. Hubschrauber kreisten über die Absturzstelle, so berichteten BNN-Reporter. Auch Polizeiboote suchten zwischenzeitlich den Erlichsee ab. Aus Braunschweig haben sich jetzt drei Ingenieure der Bundesstelle für Fluguntersuchung (BFU) auf den Weg gemacht, um ihre Untersuchungen noch in der Nacht zu beginnen. Sie ermitteln, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Suche nach weiteren Personen

Auch der Bürgermeister von Oberhausen-Rheinhausen war vor Ort. Er bestätigt die erste Angabe von vier Toten gegenüber den BNN. Die Feuerwehr sicherte die Absturzstelle großräumig ab. Über die Ursache des Absturzes gibt es noch keine Erkenntnisse. Die Polizei sprach von einem „Luftunfall“. Die Ursachensuche könne Wochen oder gar Monate dauern, erklärte der Pressesprecher der BFU gegenüber den BNN.

Die Polizei sucht die Absturzstelle großräumig nach weiteren Personen ab. | Foto: 7aktuell

Die Einsatzkräfte richten sich auf einen langen Einsatz ein, so berichtet es die Polizei. Trümmerteile sind sowohl in den See gefallen, als auch ans Ufer und ins Feld. Sogar in den entlegenen Rheinhausener Blausee seien Trümmerteile gefallen. Das berichten Augenzeugen. Auch Notfallseelsorger sind angefordert. Das Kieswerk wird als Einsatz-Sammelstelle eingerichtet. Mittlerweile wurde Flutlicht aufgebaut, um die Ursachenforschung in der Nacht fortzusetzen. Zwischenzeitlich waren immer wieder neue Flammen an der Absturzstelle zu sehen. Offenbar gerät der Treibstoff der Maschinen in Brand.

Ausbildungsflug der Luftrettung

Nach BNN-Informationen handelte sich bei dem Hubschrauber um eine Maschine der Luftrettung vom Baden Airpark in Söllingen. Es ist aber nicht der Rettungshubschrauber der Region Karlsruhe, Christoph 43. Die Sportmaschine ist wohl auf dem Flugplatz in Basel losgeflogen. Ziel war der Flughafen Speyer. Dort gibt keiner eine Auskunft, „aus Datenschutzgründen“, wie es auf Anfrage heißt. Bei dem Kleinflugzeug handelt sich es um eine Piper Aircraft 28 Cherokee.

Beliebtes Naherholungsgebiet nahe dem Atomkraftwerk

Der Erlichsee ist vor allem ein beliebtes Naherholungsgebiet für den gesamten nördlichen Landkreis und für die Rhein-Neckar-Region. Er befindet sich nur wenige Luftkilometer vom Atomkraftwerk Philippsburg entfernt. Auch für Camper und Dauercamper ist er ein beliebtes Ziel. Der Campingplatz sei aber in den Wintermonaten verwaist.  Die Unglücksstelle befindet sich nur wenige Hundert Meter vom Modellflugplatz Oberhausen entfernt.

Unfallexperten geben erste Einschätzung

Warum sind der Hubschrauber und das Kleinflugzeug beim Erlichsee in Oberhausen-Rheinhausen zusammengestoßen? Die Frage, die so viele brennend interessiert, wird vielleicht erst in einigen Monaten beantwortet werden können. Das ist die erste Einschätzung der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig. Deren Experten sind noch am Nachmittag in Richtung Oberhausen-Rheinhausen aufgebrochen.

Noch in der Nacht beginnen die Untersuchung

Die Polizei muss bis zum Eintreffen der drei Ingenieure die Unglücksstelle sichern und dann an die Fachleute übergeben, erklärt der BFU-Pressesprecher Germout Freitag gegenüber den BNN. Seine Leute etwa waren auch nach dem Germanwings-Absturz im Einsatz.
Noch in der Nacht wollen sie ihre Untersuchungen in Oberhausen beginnen, sowohl an den Wracks der beiden Flugzeuge, als auch an den Leichen. Diese dürfen nicht abtransportiert werden, bis die BFU dies genehmigt. Ob schlechte Sicht, schlechtes Wetter, ein technischer Defekt, menschliches Versagen oder eine Einwirkung von außen zu dem Zusammenstoß geführt hat, war am Abend noch völlig unklar.

Die Absturzstelle aus der Ferne. | Foto: Jannarelli

Am Baden-Airport in Söllingen hat die Deutsche Rettungsflugwacht ihr Operation-Center mit einer großen Hubschrauberwerft angesiedelt. An elf Wartungsdocks können die Hubschrauber der einzelnen Luftrettungsstationen in Deutschland gewartet werden. Zudem ist auf dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden die Einsatzzentrale zur Koordination weltweiter Einsätze mit kleinen Lear-Jets und die Zentrale Koordinierungsstelle für Baden-Württemberg vertreten.

Die Werfthalle der DRF Luftrettung auf dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden | Foto: Deck
In der neuen Werfthalle der DRF Luftrettung auf dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden werden Hubschrauber gewartet. Rund 50 Hubschrauber und drei Learjets hat die Luftrettung im Einsatz – an 31 Standorten in Deutschland, Österreich und Dänemark. | Foto: dpa

Neben der Werfthalle hat die DRF ein zweigeschossiges Verwaltungsgebäude auf dem Regionalflughafen gebaut, in dem auch Fortbildungen stattfinden. Die Helikopter der DRF tragen alle den Namen „Christoph“ sowie eine Nummer. Der früher in Karlsruhe am St. Vincentius-Krankenhaus stationierte „Christoph 43“ ist seit dem Frühjahr 2016 wegen eines Klinikneubaus ebenfalls auf dem Baden-Airport stationiert. Diese Maschine ist von dem Unglück allerdings nicht betroffen. Es handelte sich um einen anderen DRF-Helikopter.