Lara Schulz ist eine von wenigen Revierleiterinnen beim Landesbetrieb ForstBW.

Büchenauer Hardt

Försterin Lara Schulz hat Trockenschäden und Holzpreis fest im Blick

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Beim Forst sind Revierleiterinnen längst keine Exoten mehr. Lara Schulz ist eine davon. Bereits ihr Vater war Förster. In ihrem Revier Büchenauer Hardt hat sie die Trockenschäden genauso im Blick wie die fallenden Holzpreise.

Es ist einiges los an diesem Morgen im Mai: Spaziergänger laufen vorbei, Jogger traben entlang und auch der ein oder andere Gassi-Geher nutzt den Vormittag für einen Auslauf im Revier Büchenauer Hardt – idyllisch gelegen zwischen Untergrombach und Bruchsal. In Zeiten der Corona-Krise hat sich die Zahl der Erholungssuchenden erhöht.

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Nicht wegen Corona – die Verkehrssicherung der Waldwege, Straßen, Schienen spielt eine immer wichtigere Rolle im Revier. Und das hängt mit der zunehmenden Trockenheit zusammen. Das Revier wird seit März von Lara Schulz geleitet. Die 31-Jährige ist eine von wenigen Revierleiterinnen im neu strukturierten Landesbetrieb ForstBW. Von der Zentrale des Forstbezirks Hardtwald in Waghäusel-Kirrlach aus, wird der Staatswald von zehn Revieren zwischen der Schwetzinger Hardt und Kastenwört bei Karlsruhe organisiert.

Fast keine Buche ohne Trockenschäden

Die trockenen Sommer 2018 und 2019 haben dazu geführt, dass immer mehr Baumkronen verkahlen, Bäume schlapp machen und umfallen. „Besonders stark befallen sind Buchen und Kiefern“, weist Schulz auf eine kahle Krone in 20 Meter Höhe. Mittlerweile gebe es fast keine Buche ohne Trockenschäden.

Jagdhund Beanie begleitet Lara Schulz bei ihren Streifzügen durch die Büchenauer Hardt. | Foto: pr

Sie ist deshalb viel unterwegs im Revier mit knapp 1.600 Hektar zwischen Bruchsal und Philippsburg. Dort stellt die Kiefer 27 Prozent. Daneben gibt es einen bunten Mix aus Eichen und anderen Laubbäumen. Fichten und Weißtannen, die derzeit unter einer Borkenkäferplage leiden, gebe es in ihrem Revier nicht. Die Trockenheit hat aber dazu geführt, dass die Bäume anfällig werden für Krankheiten und Schädlinge.

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Auch im Bannwald, einem 70 Hektar großen Waldstück bei Untergrombach, fällt immer mal wieder ein Baum über den Weg. 1999 eingerichtet, entsteht dort der Urwald von morgen. Das Gebiet wird weitgehend sich selbst überlassen und Erkenntnisse über naturnahe Waldwirtschaft werden gesammelt, erzählt die 31-Jährige am Wegesrand.

Der Holzpreis hat sich annähernd halbiert

Ein schmaler Asphaltweg trennt den natürlichen Bannwald vom Wirtschaftswald, wo Douglasien wohlgeordnet ihrer Vermarktung entgegen wachsen. Den Holzpreis hat die Forstoberinspektorin, so der offizielle Titel, immer im Blick. Leider fallend. Der Festmeter Fichte ist von 93 auf 50 Euro gerutscht. Für die Kiefer muss man nur noch 43 statt 83 Euro bezahlen. Mit rosa Streichen markiert sie die Bäume, die im Winter gefällt werden sollen.

Jede Jahreszeit hat ihren Arbeitsschwerpunkt

Lara Schulz, Forstoberinspektorin

Auch die Planung für das nächste Jahr steht bereits an: Für jeden Bestand muss überlegt werden, welche Bäume für die Zukunft besonders gepflegt werden müssen. Ist er groß genug? Steht er sicher? Alte oder kranke Bäume dienen als Refugien für Käfer und Pilze.

„Jede Jahreszeit hat ihren Arbeitsschwerpunkt“, so Lara Schulz. Im Frühjahr wird gepflanzt – mit einer möglichst vielfältigen Mischung. Im Hardtwald vor allem da, wo sich der Bestand nicht natürlich verjüngt. Zurückgegriffen wird dabei beispielsweise auf Eicheln, die im Trockenjahr 2018 gewachsen sind – in der Hoffnung, dass sie möglichst trockenresistent sind, erzählt Christoph Weihrauch, Pressesprecher des Forstbezirks Hardtwald. Der Sommer bringt weitere Pflegemaßnahmen.

Ein Drittel der Forstwirtstudenten sind inzwischen Frauen

„Die Revierleitung ist eine Balance zwischen Natur und Management“, beschreibt sie ihre Aufgabe. Als eine von einem Dutzend Revierleiterinnen landesweit ist die 31-Jährige längst kein Exot mehr. Unter Forstwirtstudenten sind mittlerweile ein Drittel Frauen.

Und wenn zu einem Förster ein Hund gehört – bei Lara Schulz ist das nicht anders. Jagdhund Beanie, eine steirische Rauhhaarbracke, ist beim Pressetermin dabei. Die 31-Jährige hat auch einen Jagdschein und ein waches Auge auf den Rehwildbestand, der liebend gerne an jungen Baumschösslingen knabbert.

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Ob sie keine Angst hätte, sich im Wald zu verirren, wurde Schulz aber schon gefragt. Das war im Schwarzwald. Aber in der Regel gebe es nur positive Rückmeldungen.

Vorbelastet ist sie auch, der Vater war schon Förster. Und nein, sie geht als Frau nicht anders mit dem Wald um, wie ihre männlichen Kollegen: Vielleicht betrachte sie ihn auch unter ästhetischen Gesichtspunkten und lege Wert auf einen Baum mit einem schönen Herbstbild oder einem Blühstreifen am Waldrand. Und das Baumfällen überlasse sie lieber den Profis.