Seit drei Jahren trainiert Tanja Bacher (hier bei Übungen mit Robin Kraski) die Torhüter des Fußball-Oberligisten FC Nöttingen. Sie ist die einzige Frau, die Männer coacht. | Foto: Rubner

Sport

Trainerbank oder Vorstand: Bei den Clubs in Karlsruhe, Pforzheim und Bruchsal sind Frauen in der Minderheit

Anzeige

Egal ob als Trainerin oder als Vorsitzende eines Vereines. Frauen sind bei den Vereinen in den Fußballkreisen Karlsruhe, Pforzheim und Bruchsal in der Minderheit. Als Trainerin im Herrenbereich arbeitet überhaupt nur eine einzige. Fünf Frauen erzählen von ihren Erfahrungen

Tanja Bacher ist eine Exotin. Die 31-Jährige scheucht seit drei Jahren das Duo Andreas Dups und Robin Kraski zwischen den Pfosten hin und her. Bacher ist Torwarttrainerin des Oberligisten FC Nöttingen. Und Angaben des Badischen Fußballverbands (bfv) zufolge, ist sie in den Fußballkreisen Karlsruhe, Bruchsal und Pforzheim die einzige Frau, die Männer trainiert.

Auch interessant: „Kerlsruhe“ ist real: Am KIT studieren laut Erhebung deutschlandweit die wenigsten Frauen

Tanja Bacher trainiert Oberliga-Torhüter

Bacher hospitierte einst beim FCN für den Erwerb der B-Lizenz, musste prompt als Torwarttrainerin aushelfen – und blieb. „Viele fragen mich, wie das mit dem Torschuss klappt“, sagt Bacher. Der Vorwurf, Frauen schießen weniger hart und platziert, macht der Ex-Zweitligaspielerin nichts aus.

„Wieso sollten Frauen ein schlechteres Training als Männer machen?“, stellt Bacher die Gegenfrage. Generell habe sie aber kaum negative Erfahrungen gemacht, ihre Keeper hören auf sie. „Bei Unkonzentriertheiten muss ich auch mal schärfer werden“, so Bacher.

Miriam Hostadt betreut junge Kickerinnen in Mingolsheim

Immerhin: Im Frauenbereich gibt es mehr Trainerinnen. Dennoch haben von 91 Teams, die beim bfv gemeldet sind, insgesamt nur 14 eine Frau zum Chef. Bei den Jugendteams ist die Situation ähnlich. Miriam Hostadt gehört zu den wenigen, die eine Jugend trainieren.

Die 17-Jährige betreut seit 2016 Mannschaften beim TuS Mingolsheim. „Den Mädels tut es gut, eine Trainerin zu haben. Sie bauen eine andere Bindung auf“, sagt Hostadt. Auch „große Schwester“ sein gehört zu ihren Aufgaben. Männer coachen, reizt sie nicht. Im Gegenteil: „Wir müssen mehr Mädchen zum Fußball bringen!“

Auch interessant: Bühls neue Frauenbeauftragte fordert mehr Frauen auf dem Chefsessel

Marija Jaković führt einen ganzen Verein in Karlsruhe

Und abseits des Trainerpostens? Fünf Frauen sind bei den Clubs in der Region erste Vorsitzende, davon drei in Karlsruhe und zwei in Bruchsal. Marija Jaković gehört zu diesem kleinen Kreis. Die 46-Jährige führt seit fünf Jahren den SV NK Croatia Karlsruhe.

Zu Beginn wurden viele Briefe noch an Herrn Jaković adressiert. „Es war selbstverständlich, dass ein Mann der Vorstand sein muss“, erzählt sie. Früher ärgerte sie sich darüber: „Manche Männer glaubten, Frauen haben keine Ahnung vom Fußball.“ Heute hat sie sich die Anerkennung verdient. Und egal ob Kaderplanung oder Sponsoring – Jaković kümmert sich: „Auch mit der Platzpflege kenne ich mich aus.“

Auch interessant: In Bühl sitzen nur wenig Frauen auf dem Chef-Sessel – „Schwangerschaft ist immer noch ein Einschnitt“

Dorinja Adler spielt selbst und übernimmt Verantwortung

Fehlendes Vertrauen ist auch Dorinja Adler nicht fremd: „Als Frau muss man im Fußball Überzeugungsarbeit leisten“, erklärt die 26-Jährige vom FV Kirchfeld. Adler spielt selbst, ist Co-Trainerin und Verantwortliche des Landesliga-Teams. Nachholbedarf gibt es für sie bei der Geschlechter-Verteilung. Frauen seien meist für Frauen zuständig. Gerade wegen unterschiedlicher Blickwinkel, wäre es wichtig, diese einzubinden. Croatia-Kollegin Jaković stützt die Aussage: „Frauen haben ein Auge für Feinheiten.“

Meist sind es Ämter in der zweiten Reihe

Manche Funktionärsaufgaben sind hingegen vermehrt in weiblicher Hand, nach bfv-Angaben meist die in der zweiten Reihe: Mitgliederverwaltung, Kasse, Schriftführung. Der Verband versucht durch Projekte und Kooperationen, Frauen für Ämter zu gewinnen.

Michaela Heid rückte 2019 in den Vorstand auf

Michaela Heid übernahm gleich mehrere davon. Zehn Jahre kickte sie beim FSV Büchenau, leitete fünf Jahre die Frauenabteilung. Seit 2019 ist sie Teil des vierköpfigen Vorstands, zuständig für Finanzen. „Das war ein erster Schritt“, erklärt Heid. Büchenau sei offen, eine Frau als sportliche Leiterin bei den Männern möglich. Bei kleineren Vereinen gehe das eher, denn: „Dort sind die Berührungspunkte enger“, erkennt Heid familiärere Strukturen als bei großen Clubs.