Zurück ins Gefängnis geht es für den Angeklagten, der als Freigänger eine gute Position zum Betrug missbrauchte.
Zurück ins Gefängnis geht es für den Angeklagten, der als Freigänger eine gute Position zum Betrug missbrauchte. | Foto: Thienes

In Bruchsal verurteilt

Freigänger betrügt Arbeitgeber

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Vom Freigänger schaffte er es zum kaufmännischen Leiter einer Firma für Werbung und Telefonmarketing in Ubstadt-Weiher mit rund 40 Call-Center-Mitarbeitern und Auftraggebern, wie etwa Springer. Nun wurde der 50-Jährige verurteilt – erneut: Er hatte diese Chance missbraucht, um 2012 und 2013 fingierte Mitarbeiter-Stunden abzurechnen und zudem Briefmarken in großem Stil abzuzweigen. Auch deren Erlös sollte in seine eigene Tasche wandern. Zwei Jahre und drei Monate Gefängnis sprach das Schöffengericht Bruchsal aus gegen den „notorischen Betrüger“, wie die Staatsanwaltschaft sagte.

Der 50-Jährige hatte schon in der JVA-Außenstelle Kislau wegen einschlägiger Vorstrafen wie Betrug und Untreue eingesessen. Und er begann nicht nur sofort seinen Freigang auf der neuen Arbeitsstelle für neue Betrugstaten zu nutzen, sondern flog auch wegen weiterer Delikte 2015 auf – nachdem er wegen der nun abgeurteilten schon angeklagt war.

Zweifel an Reue

„Da kann ich dem Angeklagten einfach nicht glauben, dass er bereut“, so die Staatsanwaltschaft. Auch sein planvolles Vorgehen über zwei Jahre und die Schadenshöhe sprächen gegen eine Bewährungszeit. Insgesamt 76 000 Euro Schaden hatte ausgerechnet die Firma erlitten, die ihm als Häftling eine Chance eingeräumt hatte – „perfide“, so die Staatsanwaltschaft. Sie sehe keine positive Sozialprognose.

Angeklagter gesteht Vieles

Das umfassende Geständnis bezüglich der Mitarbeiter-Stunden und die ersparte Beweisaufnahme durch das Teilgeständnis seines Mandanten bezüglich der Briefmarken hob dessen Verteidiger hervor. Sein Mandant biete auch Schadenswiedergutmachung von monatlich 500 Euro an.

Tat allzu leicht gemacht

Zudem habe die 2006 schwer erkrankte Frau seines Mandanten seitdem Ängste und Depressionen, die 2015 gar in einen Suizidversuch mündeten. Sein Mandant nehme darum selbst schlaffördernde Psychopharmaka, so der Anwalt. Auch habe ihm die Geschäftsleitung seine Taten allzu leicht gemacht.
Diese hatte sich als Zeuge im Prozess als „ohne Überblick“ erwiesen, wie es die Kammer schließlich zugunsten des Angeklagten anrechnete.

Gewerbsmäßig gehandelt

Allerdings lägen 92 Taten mit fingierten Stunden vor, auch „unzweifelhaft gewerbsmäßig“ begangen, so der Vorsitzende, Richter Sathia Lorenz, und das neben den erschlichenen Briefmarken. Eine Gesamtfreiheitsstrafe sei so nicht unter zwei Jahren möglich, selbst bei Bemessung je Einzeltat am unteren Rand des Strafrahmens.