Spannende neue Welt: Jungfüchse sind seit einigen Wochen dabei, ihre Umgebung zu erkunden. Dabei kommt es auch regelmäßig zu Begegnungen mit menschlichen Zweibeinern.
Spannende neue Welt: Jungfüchse sind seit einigen Wochen dabei, ihre Umgebung zu erkunden. Dabei kommt es auch regelmäßig zu Begegnungen mit menschlichen Zweibeinern. | Foto: LEchner

Keine Scheu

Füchse nähern sich dem Menschen

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Auffällig häufig haben sich in den letzten Wochen Leser in der BNN-Redaktion gemeldet und von Fuchssichtungen berichtet. Oft – so berichteten die Beobachter – hätten sich die Tiere erstaunlich wenig scheu gezeigt. So unbeeindruckt waren die Rotfüchse von den Zweibeinern, dass die BNN-Leser ihre Sichtungen gelegentlich sogar mit Fotos belegen konnten.

Dabei hatten die Menschen, die sich bei der Redaktion meldeten, fast immer die gleichen Fragen: „Was ist los mit Meister Reinecke? „Warum reagiert der so wenig auf Menschen? Grassiert vielleicht wieder die Tollwut?

Von Franz Lechner

Mehr Rotpelze als vor 100 Jahren

„Nein“, lächelt der pensionierte Biologie-Lehrer und Jagdpächter Rudolf Manz aus Karlsdorf-Neuthard und erklärt dann „im Gegenteil, dass die Tollwut schon vor vielen Jahren durch gezielt ausgelegte Impf-Köder im Landkreis ausgemerzt wurde, ist einer der Gründe, warum sich Mensch und Fuchs heute häufiger mal über den Weg laufen. Früher hätte die gefährliche Seuche die Fuchsbestände nämlich regelmäßig reduziert. Es gibt heute also deutlich mehr Rotpelze als im vergangenen Jahrhundert, aber das allein reicht wohl noch nicht als Erklärung für die zunehmenden Kontakte zwischen dem haarigen Zwei- und dem pelzigen Vierbeiner.

Das Pausenbrot lockt in die Stadt

Ein anderer Grund ist, dass Füchse in den letzten Jahrzehnten verstärkt aus der Freien Natur in den menschlichen Siedlungsbereich umgezogen sind. Dort ist der Tisch nämlich so reich gedeckt, dass sich Meister Reineke immer häufiger zu sagen scheint: „Warum mühsam hinter wilden Tieren herjagen, wenn einem da, wo der Zweibeiner lebt, die gebratenen Tauben ins Maul fliegen“ Die „gebratenen Tauben“ sind in dem Fall allerdings mehr die weggeworfenen Nahrungsreste, die man überall da massenweise findet, wo Menschen unterwegs sind. „Füchse sind Allesfresser, ein weggeworfenes Pausenbrot ist denen fast genau so lieb wie eine Gans“, erklärt Manz, warum Meister Reinecke oft in Schulhöfen oder in der Nähe von Kindergärten gesichtet wird.

Füttern ist falsch verstandene Tierliebe

Mäuse und manchmal sogar Früchte wie Kirschen oder Beeren stehen übrigens ebenfalls auf der Speisekarte von Füchsen. Und Katzenfutter. „Viele Menschen stellen das Futter für ihre Katzen ja zur Freude von Füchsen oder manchmal auch von Waschbären vor die Haustür“, weiß der Geschäftsführer der BUND-Gruppe „Mittlerer Oberrhein“, Hartmut Weinrebe. An Nahrung kommt Meister Reinecke also in Dörfern und in Städten oft leichter als in der Freien Natur. Dazu kommt, dass es inzwischen immer häufiger Menschen gibt, die ganz gezielt Füchse in ihren Gärten mit Futter versorgen. „Wildlebende Tiere wie Fuchs oder Waschbär zu füttern, ist falsch verstandene Tierliebe, wir lehnen solche Eingriffe in die Natur ab“, betont der Naturschützer Weinrebe.

Jungfüchse erkunden die Welt

Mehr Füchse, die das gute Nahrungsangebot und der fehlende Jagddruck in die Nähe des Menschen treibt, sind einige Gründe für die häufiger werdenden Begegnungen zwischen Mensch und Fuchs, aber für die vielen Fuchssichtungen der BNN-Leser in den letzten Wochen gibt es aber auch noch einen weiteren Grund: Jungfüchse. Die sind seit ein paar Wochen dabei, die Welt zu erkunden und wie alle jungen Säugetiere sind auch junge Füchse oft sehr neugierig. Außerdem müssen sie noch lernen, was gefährlich für sie ist und was nicht. „Deshalb kann man jetzt gelegentlich junge Füchse erleben, die sich zögernd aber neugierig einem Menschen bis auf wenige Meter nähern, wenn der irgendwo ruhig sitzt“, erklärt Rudolf Manz.