Imker Peter Stieber zeigt in seinem naturnahen Garten im Schlossgarten Bruchsal eine Wabe mit Honigbienen. Im Gegensatz zu Wildbienen fliegt die Honigbiene erst ab zwölf Grad und gilt als anspruchsvoll. | Foto: Schaub

Nachhaltige Lösungen

Tipps gegen das Insektensterben im eigenen Garten

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700 000 Unterschriften muss die Initiative „Rettet die Biene“ innerhalb der nächsten sechs Monate für ein Volksbegehren zum Artenschutz sammeln. Imker Peter Stieber, der bei Führungen durch den Bruchsaler Schlosspark rund um das Thema Bienen informiert hat, wirbt für nachhaltige Lösungen gegen das zunehmende Insektensterben. Die kann jeder in seinem eigenen Garten umsetzen – und zwar schon im Herbst.

Zu wenig Krokusse

„Es gibt zu wenig Frühjahrsblüher wie Tulpen, Schneeglöckchen oder Krokusse“, so Stieber. Die Zwiebeln können jetzt gepflanzt werden und dienen mit den ersten warmen Sonnenstrahlen ab Mitte Januar als Nahrung für Wildbienen und Hummeln. Deren Populationen sind laut Stieber durch die wachsende Zahl von Schottergärten und sauber aufgeräumten Grünanlagen in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Die Tiere fliegen bereits ab vier Grad und sind für die Bestäubung im Frühjahr sehr wichtig, erzählt der Imker.

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Tränken im Garten

Wer den Bestäubern was Gutes tun will, kann auch eine Weide pflanzen und Tränken im Garten aufstellen, wo sich Insekten auf Steinen zum Trinken niederlassen können. Sonnenblumen sollten jetzt nicht abgeräumt werden, da in den abgetrockneten Stengeln Insekten überwintern.

Der Schlosspark Bruchsal bietet für Insekten keine idealen Bedingungen. Sie finden dort zu wenig Nahrung. | Foto: Schaub

Dass die Zahl der Insekten dramatisch zurückgegangen ist, haben auch die Führungsteilnehmer festgestellt. Unter dem Titel „Strategien, mit denen Wildbienen, Honigbienen und andere Insekten den Winter überleben“ führte Imker Stieber durch den Schlosspark, der nach seiner Ansicht kein Lebensraum mehr für viele Insekten ist. „In meinem Sommerflieder ist mehr Action“, bestätigt eine Teilnehmerin vor einer blauen Pflanze, in der es weder summt noch brummt.

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Keine Chance für Blumen

Nach Einschätzung des Bienenexperten gab es früher viele Blühwiesen im Schlossgarten als Futter für die Pferde. Um diese Flächen heutzutage möglichst einfach pflegen zu können, werde regelmäßig gemäht. Blumen haben so keine Chance, sich auszusäen.

Ein Insektenhotel nützt Wildbienen, die gezielt ausgesetzt werden können. | Foto: Schaub

Wie es anders gehen kann, zeigt Peter Stieber dann in seinem Garten am Ende des Schlossparks, wo eine bunte Vielfalt herrscht und Pflanzen wie die Wicke sich selber aussähen. Zur Bestäubung empfiehlt er Kokons von Mauer- oder Wildbienen, die in der Nähe eines Insektenhotels platziert werden können. „Sie schlüpfen, sobald es warm wird“, so Stieber. Wildbienen sind nach seiner Erfahrung auch eine bessere Lösung für Anfänger, da die Honigbiene sehr anspruchsvoll sei.

Seit Dienstag werden im Land Unterschriften für ein Volksbegehren zum Artenschutz gesammelt. Mit dem Gesetzentwurf soll nach dem Willen der Antragsteller ein besserer Schutz von Biotopen und Streuobstwiesen sowie eine Einschränkung des Pestizideinsatzes und eine Erhöhung des Anteils ökologischer Landwirtschaft erreicht werden, wie es seitens des Innenministeriums heißt.
Bei der freien Sammlung kann man sich bis 23. März zur Unterstützung des Volksbegehrens eintragen. In den Gemeindeverwaltungen liegen von Freitag, 18. Oktober bis 17. Januar, zu den Öffnungszeiten die Eintragungslisten aus. Jeder darf in seiner Gemeinde nur eine Unterschrift leisten.
Nun wächst selbst bei Öko-Bauern die Kritik an dem Volksbegehren. Die CDU sieht außerdem die bäuerlichen Familienbetriebe und die regionale Produktion gefährdet, wie es in einem Schreiben von Landtagsabgeordneter Ulli Hockenberger heißt. Nun wird in Stuttgart nach einer „praxistauglichen“ Lösung gesucht.