Trotz Corona-Krise und den daraus resultierenden wegbrechenden Einnahmen bleibt Reisebüro-Inhaber Klaus Jürgen Riegel optimistisch
Trotz Corona-Krise und den daraus resultierenden wegbrechenden Einnahmen bleibt Reisebüro-Inhaber Klaus Jürgen Riegel optimistisch | Foto: Eisele

Täglich Stornierungen

Für viele Reisebüros in der Region bleibt die Lage sehr schwierig

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Vielen Reisewilligen bleibt wohl nur die Wahl zwischen Balkonien und Gartenland, aufblasbarem Coconut-Island hinterm Haus statt Pauschalreise nach Mallorca oder renovieren statt meditieren auf Sri Lanka. Die weltweite Reisewarnung ist bis mindestens 14. Juni verlängert.

Von unserer Mitarbeiterin Monika Eisele

Weiterhin ist mit starken und drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantäne-Maßnahmen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen, sagt das Auswärtige Amt. Das Bundesgesundheitsministerium rät aktuell weiterhin von allen privaten Reisen ab, auch innerhalb Deutschlands.

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Gleichzeitig öffnen die Strände an der Ostsee wieder, für Baden-Württemberg sind immerhin zu Pfingsten erste Lockerungen in Aussicht gestellt. Dennoch ist der Reisemarkt derzeit praktisch zum Erliegen gekommen.

Kunden werden von uns über neue Vorgaben informiert oder wir beantworten deren Fragen.

Klaus Jürgen Riegel, S&R-Reisen in Wiesental

„Seit Mitte März verdienen wir null, oder besser: ein Minus“, sagt Klaus Jürgen Riegel von S&R-Reisen in Wiesental. Die Lage sei prekär, aber nicht katastrophal. „Wir leben von den Rücklagen, die wir in den vergangenen guten Reisejahren bilden konnten“, sagt Riegel. Bei Kreuzfahrten gibt es einige Umbuchungen auf das kommende Jahr. Ansonsten sind die Mitarbeiter vor allem mit Stornierungen und Telefonaten beschäftigt. „Kunden werden von uns über neue Vorgaben informiert oder wir beantworten deren Fragen.“

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Bevor der Bund die Rückholaktion organisierte, waren die Reiseexperten bei S&R bereits dabei, für Privat- und Geschäftsreisende die Rückkehr umzubuchen. Die Reisebranche sei Kummer gewöhnt, so Riegel und erinnert an 9/11 und die Attentate in den USA. „Krisen und Kriege führen immer mal wieder zu veränderten Reisebedingungen.“ Dass weltweit gar nichts mehr geht, sei allerdings neu. Die Kosten laufen weiter, verdient wird nichts. „Aber das wird wieder“, sagt Riegel optimistisch.

Reisebüros erhalten keine Provision für stornierte Rechnungen

Einerseits fehlen natürlich Buchungen. Andererseits gibt es für stornierte Buchungen keine Provision. „Wir hatten Arbeit mit der Beratung, führten Telefonate, um Kundenwünsche zu erfüllen. Ebenso ist es bei Stornierungen. Also haben wir eigentlich zweimal umsonst gearbeitet“, erzählt Katja Leschhorn vom Reisebüro Kraichtal in Münzesheim. Ebenso wie ihre Kollegen in Wiesental befindet sie sich derzeit in Kurzarbeit und Homeoffice. Buchungen oder Beratung zu geplanten Reisen gehen gerade gar nicht. „Die Kunden sind verunsichert, verhalten sich abwartend“, so Leschhorn.

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Telefonisch oder per E-Mail werden Kunden über aktuelle Entwicklungen informiert. So bieten einige Kreuzfahrtveranstalter einen Bonus, wenn eine gebuchte Reise in einen Reisegutschein umgewandelt wird. Wollen die Kunden ihr Geld zurück, gibt es den Bonus nicht. Leschhorn ist froh, dass jetzt wenigstens für die Pfingstferien klar ist, dass die weltweite Reisewarnung weiter gilt.

Eine Familie wollte in den Pfingstferien in ein Familienhotel in Bayern. Aber Maskenpflicht, eingeschränkte Sport- und Freizeitaktivitäten versprechen kein ungetrübtes Urlaubsvergnügen.

Katja Leschhorn, Reisebüro Kraichtal

Die in den deutschen Ländern herrschenden Einschränkungen machen aber auch einen Urlaub im Lande nicht unbedingt zum Vergnügen. „Eine Familie wollte in den Pfingstferien in ein Familienhotel in Bayern. Aber Maskenpflicht, eingeschränkte Sport- und Freizeitaktivitäten versprechen kein ungetrübtes Urlaubsvergnügen.“ Außerdem sei es den Kindern wohl schlecht zu vermitteln, dass sie Zuhause nicht in den Kindergarten oder die Schule dürfen, im Hotel aber in den Miniclub.

Anbieter von Ferienwohnungen und -häusern könnten profitieren. Dort ist man sozusagen in den eigenen vier Wänden und kann doch der Enge der Stadt entfliehen oder mal wieder wo anders sein. Buchungen innerhalb Deutschlands laufen viel über einschlägige Internetplattformen oder direkt über die Homepages der Anbieter. „Davon haben die Reisebüros wenig“, sagen Leschhorn und Riegel übereinstimmend.