Auf der Baustelle für die neue Feuerwache in Bruchsal entsteht mit dem 23 Meter hohen Schlauch- und Übungsturm hinter dem Kran das höchste Bauteil. Derweil haben sich Architekturstudenten des KIT Gedanken über die künftige Nutzung des alten Feuerwehrgeländes in der Innenstadt gemacht. | Foto: Heintzen

Studenten-Ideen für Bruchsal

Fundamente spielen tragende Rolle bei Synagogengelände

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Wie geht man respektvoll mit der von Nazis niedergebrannten jüdischen Synagoge in Bruchsal um und versucht trotzdem, das Leben an einen Ort zurückzubringen, an dem jetzt noch das Feuerwehrhaus steht? Diese Frage stellten sich neun Studenten der Architekturfakultät (KIT) in Karlsruhe. Die Ergebnisse des Seminars, bei dem Baugeschichte mit der Beschäftigung jüdischer Kultur und Geschichte verknüpft wurden, sind bis Freitag, 25. April, im Rathaus Bruchsal zu sehen. Die Pläne hängen im ersten Obergeschoss und sind zu den Öffnungszeiten zugänglich.

Ideenwettbewerb verschiebt sich

„Vielleicht fließt die ein oder andere Idee ein“, hofft Kamila Storz, die mit Thomas Haug die studentischen Entwürfe zur Umnutzung des Feuerwehrareals betreut hat. Im April werden der offizielle Ideenwettbewerb ausgelobt und Anfang Mai die Unterlagen ausgegeben. Die Abgabe verschiebt sich auf Ende Juli, um möglichst viele Ideen zu erhalten, das Preisgericht tagt deshalb bis 30. September. Derweil wächst am Standort des neuen Feuerwehrhauses in der Bahnstadt der Neubau.

Kamila Storz hat die Architektur-Entwürfe betreut, die bis 25. April im Rathaus Bruchsal hängen. | Foto: Schaub

Die Zukunft sollte mit dem Andenken an die Synagoge verknüpft werden, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 angezündet wurde. Alle Studenten haben sich deshalb dazu entschieden, die Fundamente zu erhalten oder anzudeuten. Diese wurden im Oktober bei Voruntersuchungen im Boden festgestellt und sind gegenwärtig nicht sichtbar. Die zentrale Rolle, die die Fundamente in den Entwürfen der Architekturstudenten spielen, ist die verbindende Klammer, so die in Bruchsal lebende Bauhistorikerin im BNN-Gespräch. Inhaltlich haben sich die Studenten aber durchaus unterschiedlich mit dem Gelände auseinandergesetzt.

Verbindendes Lichtband

Für Moritz Laros sind die Synagogen-Fundamente nicht „heilig“. Er lässt in einem Kindergarten die Kleinen auf den Mauersteinen herumklettern. Antonia Kniep will das Feuerwehrhaus als Zeugnis der Geschichte erhalten und in einem angeschlossenen Ziegelgebäude die Geschichte der Juden in Bruchsal zeigen. Bei Sandra Bartsch soll eine Gedenkhalle in eine multifunktionale Veranstaltungshalle umgebaut werden können. Das Prinzip Hoffnung verknüpft Justine Profehsner mit einem Gebäude, das Dokumentationszentrum, Archiv, Bibliothek und Museum verbindet. Eine „Glasfuge“ als Lichtband verbindet zwei Museumsbauten bei Kübra Yilmaz.

Gläserne Hülle nimmt die Schwere

Mit einem Familienzentrum will Mara Benz Leben in ein Gebäude holen, das durch Rampen miteinander verbunden ist. Dort sollen Kinder toben, aber auch Werkstätten für Schulen angeboten werden. Als Ort des ewigen Lernens verweist Laura Pilatyk in einem Haus der jüdischen Geschichte mit Seminar- und Konferenzräumen auf die abgerissene Synagoge. Über die Fundamente hat Julia Mues das Hängedach eines Gemeinschaftszentrum installiert, unter dem sich die Bruchsaler nicht nur zum Essen treffen können. Um das Stadtarchiv hat Franziska Maria Fritz eine gläserne Hülle gebaut, die Ausblick auf die Fundamente bietet. Mit der Glasfront soll Geschichte die Schwere genommen werden.