Leere Ränge: Wie das erste Geisterspiel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga im März 2020 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln sollen auch die künftigen Partien in dieser Saison ohne Zuschauer ausgetragen werden.
Leere Ränge: Wie das erste Geisterspiel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga im März 2020 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln sollen auch die künftigen Partien in dieser Saison ohne Zuschauer ausgetragen werden. | Foto: Archivfoto: dpa

Bundesliga-Restart

Fußballfans aus der Region zwischen Vorfreude und Skepsis

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Das Programm für den Samstagnachmittag steht fest. Der Östringer Klemens Haag wird am 16. Mai ab 15.30 Uhr vor dem Fernseher sitzen und gespannt die Partie der TSG 1899 Hoffenheim gegen Hertha BSC verfolgen. Nach zehn Wochen Zwangspause wegen der Corona-Pandemie setzt die Fußball-Bundesliga wie die Zweite Liga die Saison fort. Mit so genannten Geisterspielen, vor nahezu leeren Rängen also.

In den Arenen und deren unmittelbaren Umgebungen dürfen sich jeweils „maximal circa 300 Personen zeitgleich“ aufhalten, hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) in ihrem Konzept festgeschrieben.

Mehr zum Thema: Die Bundesliga kehrt zurück: Geisterspiele – und was noch?

Hoffenheim-Fan schwankt zwischen Vorfreude und Skepsis

Dieser Gedanke beschäftigt auch den TSG-Fan und Dauerkarteninhaber Haag seit geraumer Zeit. Und wie viele andere Fußballfans im Landkreis schwankt er bei der Vorstellung an solche Szenarien zwischen Vorfreude und Skepsis. „Ich bin ein Fußballbegeisterter“, sagt Haag: „Ich wäre aber auch nicht traurig gewesen, wenn die Auszeit länger gedauert hätte. Auch einen Abbruch der Saison hätte ich mittragen können.“

Mit einem 51-seitigen Papier hatte die DFL die verantwortlichen Politiker um Kanzlerin Angela Merkel überzeugt, dass der Ball in den beiden obersten Profiligen ab dem Wochenende wieder rollen darf.

Noch keine Entscheidung zur Spielzeit im Amateurfußball

„Ich sehe dabei das Problem, dass viele in der Gesellschaft diese Entscheidung als nicht gerecht empfinden“, erklärt Haag. Wie es beispielsweise in Landes- oder Kreisligen weitergehen soll, steht derzeit nämlich in den Sternen.

Bei einer Pressekonferenz verdeutlichten die Präsidenten der Fußballverbände von Württemberg, Nord- und Südbaden, dass erst am 20. Juni eine endgültige Entscheidung getroffen werde. „Das ist eine schwierige Situation“, kommentiert Ralf Longerich, der Vorsitzende des Fußballkreises Bruchsal aus Kirrlach, die Situation und fügt an: „Die Gesundheit hat auf jeden Fall Vorrang.“

Der Zwiespalt zwischen Profi- und Amateursport ist auch Roland Dickgießer bewusst. Der legendäre Waldhof-Verteidiger und derzeitige Geschäftsführer Sport beim Regionalligisten FC Astoria Walldorf bekennt: „Als Fußballer bin ich froh, dass in der Bundesliga wieder gespielt wird. Ohne Fußball fehlt einfach etwas.“

Dennoch verspürt der Kronauer auch „ein bisschen Bauchschmerzen“ beim Gedanken an die Gesundheit der Sportler und Betreuer. „Ich hoffe, dass alles gut geht“, sagt er.

Im Profi-Fußball geht es im Vergleich zu den Amateurvereinen um ganz andere Summen.

Steffen Pfeifer, Sportlicher Leiter des Landesligisten FC Östringen

Von einem „Balanceakt“ spricht Steffen Pfeifer, der Sportliche Leiter des Landesligisten FC Östringen. „Es geht bei der Entscheidung um die Fernsehgelder“, nennt er den Grund für den vergleichsweise frühen Anpfiff: „Im Profi-Fußball geht es im Vergleich zu den Amateurvereinen um ganz andere Summen.“

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Nach Angaben der DFL haben die 18 Clubs der Fußball-Bundesliga in der Saison 2018/19 erstmals mehr als vier Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Fast 37 Prozent stammen aus der Vermarktung durch die Medien.

Am Reiz der Geisterspiele für die Fernsehzuschauer zweifelt Pfeifer indes. „Fußball lebt doch von Emotionen“, betont er: „Für die Fans sind Begegnungen fast ohne Zuschauer vielleicht eine schlechte Lösung.“