Die Hülsen für die Hilfsverrohrung der Grundwassermessstellen werden von Bohrmeister Günther Vogel (links) und seinem Kollegen Stück für Stück eingesetzt. Die Messstelle geht bis auf 25 Meter Tiefe. Dabei wird am Donnerstag erst Erde, dann Kies und Schlamm nach oben befördert und untersucht. Der Krötenzaun ist dafür versetzt worden. | Foto: Heintzen

Erdölbohrungen in Bruchsal

Geballte Infos sollen Ängste um Wasser besiegen

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Zahlreiche Info-Tafeln sind gestellt und neun Fachleute aufgeboten: Ihnen stehen knapp 50 Interessierte gegenüber, die am Mittwochabend zur dreistündigen Info-Veranstaltung ins Gemeindezentrum nach Untergrombach gekommen sind. Dort wirbt die Firma Rhein Petroleum für die geplanten Probebohrungen nach Erdöl. Am Mittwoch haben im Gewann Bronnloch zwischen Untergrombach und Weingarten bereits die Vorbereitungen für das Grundwasser-Monitoring begonnen, zu der sich die Firma nach Intervention der Stadt Bruchsal bereit erklärt hat.

 

Fachleute informieren die Einwohner von Untergrombach über das Bohrloch und die Grundwassermessstellen. | Foto: Schaub

Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick und Ortsvorsteher Karl Mangei nutzten im Gespräch mit Geschäftsführer Carsten Reinhold noch mal die Gelegenheit, ihre Irritation über die behördliche Genehmigung für Erdölbohrungen im Trinkwasserschutzgebiet von Bruchsal/Karlsdorf-Neuthard zu äußern. „Ich habe mich für die Energiewende stark gemacht“, verweist die OB auf die lokale E-Carsharing-Flotte mit über 40 Fahrzeugen. Die Förderung fossiler Brennstoffe kann sie nicht nachvollziehen. Mangei fürchtet um das Grundwasser, das er durch die Erdölbohrungen einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt sieht.

„Trinkwasserschutz hat  Priorität“

Dem stellt Geschäftsführer Reinhold seine 20-jährige Erfahrung als Erdöl-Experte gegenüber. Auch er habe Kinder, trinke das Wasser und sei als mittelständisches Unternehmen aus Heidelberg in der Region verortet: „Wenn etwas passiert, ist die Firma tot“, erklärt er im BNN-Gespräch. Der Schutz des Trinkwassers habe deshalb oberste Priorität – was auch bei vielen besorgten Fragen der Besucher zum Ausdruck kommt.

Ist-Zustand wird gemessen

Um den zu gewährleisten, werde jetzt der Ist-Zustand des Grundwassers in einer Tiefe von zwei bis 25 Metern erfasst. Regelmäßig werde dann alle zwei Monate und in einem Jahr kontrolliert. Eine Betonwanne um den 39 Meter hohen Bohrturm soll später verhindern, dass Stoffe ins Erdreich eindringen können. Die teleskopartig ineinander liegenden Rohre, die schräg bis auf 900 Meter Tiefe ins erdölhaltige Gestein getrieben werden, seien zusätzlich mit Spezialzement abgedichtet.

Juni wird über Förderung entschieden

Anfang April beginnt der Bau der Zufahrt und des Bohrplatzes. Von Mitte Mai bis Mitte Juni sollen die Probebohrungen dauern, die rund um die Uhr im Zweischichtbetrieb stattfinden. „Mitte Juni werden wir schon entscheiden, ob die Förderung wirtschaftlich Sinn macht oder das Bohrloch sofort wieder verfüllt wird“, sagt Reinhold.

Ölförderung bis in 1960er Jahre

Bis in die 1960er-Jahre standen bei Weingarten zahlreiche Ölfördertürme. Daran können sich auch einige der Besucher erinnern. „Etwa 400 bis 500 Liter haben wir pro Schicht gefördert“, erzählt ein rüstiger Untergrombacher von seinem Job auf dem Bohrturm anno 1949. Der Vater einer weiteren Besucherin war für die Firmen Dea und Texaco als verantwortlicher Bohrmeister zwischen Weingarten und Graben-Neudorf im Einsatz: „Damals hat kein Hahn nach dem Umweltschutz gekräht“, weiß die Untergrombacherin, die aus Sorge um das Trinkwasser gekommen ist.

Webcam vom Bohrplatz

Mit einer Webcam, die alle 15 Minuten ein Bild vom Bohrplatz überträgt, will die Firma für Transparenz sorgen. Auch ein Tag der offenen Tür und der Besuch von Geologie-Studenten aus Karlsruhe und Darmstadt ist geplant.