In der zweitgrößten deutschen Börse lenkt er im Hintergrund die Geschicke: Oliver Hans ist Geschäftsführer der Stuttgarter Börse - und ein leidenschaftlicher Karlsdörfer geblieben. | Foto: pr

Heimatverbunden geblieben

Geerdeter Chef: Oliver Hans aus Karlsdorf leitet Stuttgarter Börse

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Schon als Kind hat sich Oliver Hans ein spielerisches Aktiendepot angelegt. Das zur Erstkommunion geschenkte Geld setzte er spielerisch ein. Die Finanzwelt hat den Karlsdörfer nie losgelassen. Heute ist er Chef der Stuttgarter Börse – und dabei sehr geerdet in seinem Heimatort bei Bruchsal geblieben.

„Stress wäre es für mich, wenn mein Beruf nicht abwechslungsreich wäre. Dass ich rund um die Uhr erreichbar sein muss, auch im Urlaub, ist für mich kein Stress. Denn ich habe ja meinen Traumjob“, sagt Oliver Hans, ein Karlsdörfer aus Leidenschaft. Er wohnt in jener Straße, die nach seinem Großvater benannt ist. Von der Terrasse schaut Hans auf seinen grünen und bunten Garten, in dem nicht alles haarklein geordnet ist. Gerade ist er zurückgekommen von der täglichen Fahrt mit Auto und Bahn. Seinen Traumjob hat der Badener in Stuttgart gefunden.

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Er legte sein Kommuniongeld spielerisch in Aktien an

Dort macht er genau das, was ihn schon als 14-Jähriger im Karlsdörfer Elternhaus elektrisiert hat: Er beobachtet die Börse. Als Kind legte er zusammen mit seinem Vater aus seinem Kommuniongeld ein Aktiendepot an und verfolgte, wie es sich (noch nicht so gut) entwickelte. Heute hat der 53-Jährige alles auf dem Schirm, was sich an der, nach Frankfurt, zweitgrößten deutschen Börse tut.

Geschäftsführer der Stuttgarter Börse

Hans ist zum einen seit 2005 Geschäftsführer des öffentlich-rechtlichen Teils der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse, wie sie offiziell heißt. Zum anderen verantwortet er als Chef dieses Stuttgarter Handelsplatzes die Zulassung der Finanzinstrumente. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 71 Milliarden Euro. Dass er seit 2018 zudem im Vorstand des Börsen-Trägers ist und vor Kurzem in das Strategie-Board des europäischen Börsenverbandes gewählt wurde, komplettiert seine Anforderungen.

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Karriere mit Hauptschulabschluss

Und dieser Finanzmanager machte seinen ersten Abschluss an der Hauptschule Karlsdorf! Dem Heimatort ist er nach weiteren Schulbesuchen in Bruchsal, dem Studium der Volkswirtschaft in Heidelberg sowie ersten Aufgaben in Frankfurt treu geblieben. „Ich brauche das, dass man sich kennt und grüßt, wenn man durch die Straßen geht. Klar war und bin ich viel im Ausland, aber Großstädte liegen mir nicht, da pendle ich lieber.“ Hans hat es in den Berufsjahrzehnten geschafft, sich mit hoher Disziplin im Gleichgewicht zu bewegen. Dort die große, mit Kapital gesättigte Finanzwelt – hier die Heimaterdung.

Lektor in Karlsdorfs Pfarrkirche

Mit eigener Familie, Verwandten, Schach- und Tennisclub sowie dem Sonntagsgottesdienst in St. Jakobus. „Ich war Messdiener und Pfarrgemeinderatsvorsitzender und bin Lektor. Der katholische Glaube ist meine Basis.“ Es reizt den Manager, verschiedenen Welten zu kennen und in ihnen aktiv sein. Warum hat er nicht als zockender Händler am noch lukrativeren Rad mitgedreht?

„Nicht das ganz große Risiko“

Das ganz große Risiko ist nichts für mich. Ich agiere nicht am Maximum, auch nicht beim Motorradfahren. Lieber vermeide ich Verluste. Mit Bedacht agieren, das ist vielversprechender.“ Hans darf selbst mit Aktien handeln, nur nicht mit denen von zwei Unternehmen, die mit der Börse verbunden sind. Seine Rolle in der Finanzwelt war früh die des Gestalters und Verwalters. Im hessischen Wirtschaftsministerium baute er die Börsenüberwachung mit auf. Für die Karriere war noch etwas Anderes entscheidend: Ein Gespür für Zukunftsprojekte hat er stets verfeinert.

In einem Gebiet europäisch führend

Stuttgart ist die größte europäische Börse für den Handel mit verbrieften Derivaten. Das sind Anteile unter anderem an Aktien, Rohstoffen und Währungen. „Vom reinen Aktienhandel könnten wir nicht leben, da ist Frankfurt einfach viel größer“, bekennt der Stuttgarter Geschäftsführer. „Um uns noch besser aufzustellen, bauen wir grade an einer Handelsplattform für Kryptowährungen oder Genussscheine, die tokonisiert sind. Das bedeutet, dass kleine Anteile von Aktien oder realen Dingen, wie einem wertvollen Oldtimer, digital zur Verfügung stehen. Dafür braucht es einen Rechtsrahmen.“ Daran wird der Börsenboss arbeiten, viel reisen und weiter in die schwäbische Metropole pendeln.

Er setzt auf Meditationstechniken

„Die Fahrzeit ist keine verlorene Zeit für mich. Sich darüber aufzuregen, wäre ganz falsch. Man kann so viel spannende Sachen lesen und hören. Mir hilft es, mich dabei auf neue Themen einzulassen. Und es ist mir wichtig, immer wieder andere Meinungen zu hören“, erzählt Hans.Gelassen abwägen, schnell entscheiden: Um diese Balance zu halten, hat der Manager Meditationstechniken für sich entdeckt. Und allen Geldanlegern rät er wie alle Profis: An die Börse gehen, Dividenden einstreichen und sich auf einen erfolgreichen Marathon einstellen.

 

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