Auch die Polizei hat rund um die Fastnacht ein besonderes Auge auf die Narren und ihren Alkoholkonsum. | Foto: dpa

Jugendliche im Fokus

Gehört Saufen zur Fastnacht einfach dazu?

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Melanie Anthoni ist Suchtbeauftragte im Landkreis Karlsruhe. Ihre Jugendschutzteams sind auf den Fastnachtsumzügen etwa in Bruchsal, Wiesental oder Hambrücken im Einsatz und haben ein Auge auf die Jugend. Im BNN-Interview erklärt sie die Aufgaben der Teams und wie sich das Thema Alkohol in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Die ersten Fastnachtsumzüge laufen am Wochenende. Immer wieder sind sie auch für Jugendliche Anlass, sich zu betrinken. Wie hat sich die Situation in den vergangenen Jahren entwickelt?

Anthoni: Es hat sich total gewandelt. Die großen Exzesse wie Komasaufen bleiben weitgehend aus. Viel weniger Jugendliche müssen in Kliniken eingeliefert werden. Betrunkene können eher von ihren Eltern abgeholt werden. Ich führe das auch auf unsere Jugendschutzteams zurück. Deren Arbeit zeigt Wirkung. Wir sind landesweit auf Platz 2, wenn es um die Einweisung alkoholisierter Jugendlicher in Kliniken geht. Noch weniger Einweisungen gibt es nur in Mannheim.

Melanie Anthoni ist die Suchtbeauftragte des Landkreises Karlsruhe. | Foto: pr

Wie erklären Sie sich diese Verbesserung?

Anthoni: Es ist ein Bündel an Maßnahmen. Unsere Jugendschutzteams etwa sind seit zehn Jahren im Einsatz. Sie sind bekannt und auf vielen Veranstaltungen präsent. Die Jugendlichen erkennen sie an ihrer blauen Kleidung. Auch hat das Thema Alkohol aus meiner Sicht an Bedeutung verloren.

Wo sind Ihre Teams in diesem Jahr unterwegs?

Anthoni: Wir sind auf den Umzügen in Bruchsal, in Ittersbach, in Östringen, in Hambrücken, in Ettlingen und in Wiesental präsent. Die Teams sprechen die Jugendlichen früh an, machen sie auf die Gefahren aufmerksam, sensibilisieren, fordern sie auf, den Alkohol abzugeben und aufeinander aufzupassen. Die Teams bestehen aus geschulten Ehrenamtlichen, Polizisten und Rettungssanitätern. Die Jugendlichen begegnen uns sehr offen.

Welche Rolle spielen die Veranstalter?

Trinken gehört ja für viele einfach doch zu Fastnacht dazu.
Anthoni: Viele Vereine haben sich mittlerweile zertifizieren lassen. Die Ehrenamtlichen werden geschult. Manche Veranstalter haben sich entschieden, keinen hochprozentigen Alkohol mehr auszuschenken, das begrüßen wir natürlich. Aber wir sagen auch: „Jedes Vereinsmitglied ist selbst ein Vorbild für die Jugend.“