Spargelsaison geht zu Ende
Auf einem Feld des Erdbeer- und Spargelhofs Markus Leicht wird Spargel geerntet. | Foto: Uli Deck/Archiv

Bruchsal

Spargelbauern atmen nach «Desasterjahr» auf

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Bruchsal (dpa/lsw) – Es war nicht so heiß, es war nicht so trocken und es eilte nicht so beim Stechen auf den Feldern: Die zu Ende gehende Saison hat die Spargelbauern im Südwesten zwar nicht überzeugt, doch atmen die meisten nach der schlechten Bilanz des vergangenen Jahres auf. «Es jubelt niemand, aber jeder ist froh», sagte der Geschäftsführer der Bruchsaler Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA), Hans Lehar.

Zwar sei es zu früh, um genaue Zahlen zu Absatz und Erlös für die Bauern in Baden zu nennen. Die OGA rechnet derzeit allerdings mit einer Erntemenge rund zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. «Da das Preisniveau aber angezogen hat, dürften die Zahlen am Ende besser ausfallen», sagt Lehar der dpa. Er rechnet mit durchschnittlichen Kilo-Erlösen über dem Vorjahr.

Pessimistischer ist da der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE/Bruchsal), der überregional die Interessen von 611 Mitgliedern vertritt: «Wir gehen von deutlich mehr als nur einem Zehntel Absatzrückgang aus», sagt Vorstandssprecher Simon Schumacher. Er rechnet mit einem Rückgang von 15 bis 20 Prozent.

Im vergangenen Jahr hatten das frühe Sommerwetter, anhaltend hohe Temperaturen und das riesige Angebot innerhalb eines kurzen Zeitraums die Spargelbauern im Südwesten an ihre Grenzen gebracht. «In diesem Jahr war es besser, aber das ist auch keine Überraschung», sagt Lehar. «Wir hatten ja auch ein Katastrophenjahr hinter uns.» Die Wurzeln hätten unter der prallen Sonne damals so stark gelitten, dass die Folgen in diesem Jahr spürbar geworden seien.

VSSE-Sprecher Schumacher erinnert sich an die «Schockstarre» im vergangenen «Desasterjahr». «2018 hat uns an die Wand gedrückt», sagt er. Auch in diesem Jahr sei die Nachfrage in den vergleichsweise regnerischen Monaten April und Mai gering gewesen. «Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und dem Spargelhunger», erklärt er. «Erst bei Temperaturen über 15 Grad kommen die Leute auf die Idee, Spargel zu essen.»

Die Preise haben nach Angaben des Verbandes angezogen, nachdem sie im vergangenen Jahr wegen der Hitze, der Überproduktion und des daraus folgenden Preiskampfes bei den Discountern weit unter Durchschnitt gelegen hatten. «Bundesweit kostete ein Kilo weißer Spargel zwischen April und heute 7,18 Euro», sagt Schumacher – im vergangenen Jahr musste der Spargelfreund noch 6,31 Euro zahlen. Grund für das teurere Gemüse sei auch der nasse Saisonstart. «Es wurde weniger Spargel angeboten, die Preise lagen wegen der dennoch starken Nachfrage über dem Niveau.»

Probleme bereiten den Spargelbauern nach wie vor der Mangel an Erntehelfern, der Mindestlohn und die zu erwartende kleiner werdende Anbaufläche. «Das Thema Arbeitskräfte begleitet uns bestimmt auch in den kommenden Jahren sehr stark», sagt OGA-Geschäftsführer Lehar. «Es wird eine der größten Herausforderungen werden, wie wir unsere Ente eingebracht kriegen.» In der ablaufenden Saison seien Saisonarbeitskräfte in einigen Betrieben bereits mitten in der Ernte abgereist. «Die haben dann ihr Geld verdient, rechnen aus, dass es reicht – und reisen ab.» Zudem kämen aus den osteuropäischen Ländern weniger Helfer, weil viele inzwischen Arbeit in ihrer Heimat hätten.

Agrarminister Peter Hauk (CDU) betonte, der Arbeitsmarkt für Saisonkräfte müsse sich Ländern außerhalb der EU öffnen, um die sinkende Zahl von Saisonkräften aus Polen und Rumänien auszugleichen. «Unsere Bauern sind dringend auf Erntehelfer angewiesen, ohne deren Arbeit die wertvolle Ernte auf den Feldern schlicht verderben würde», sagte er. «Rechtlich kann dies durch den Abschluss von zwischenstaatlichen Abkommen erfolgen.» Die Spargelbauer rechnen nach Angaben des Ministeriums bundesweit mit einem Bedarf von 150 000 Helfern zusätzlich aus Drittstaaten in den nächsten sechs Jahren.

Wegen der schrumpfenden Zahl von Erntehelfern und des Mindestlohns könnte Spargel künftig nach VSSE-Einschätzung auf einer zunehmend kleiner werdenden Fläche angebaut werden. «Deutschlandweit wird sich die Erntefläche reduzieren», sagt Schumacher. «Es wird weniger Neupflanzungen geben und ältere Anlagen werden nicht mehr neu bepflanzt.»