Seit zehn Jahren warten die Büchenauer auf schnelles Internet. Sie haben ihren Humor bewahrt, wie man hier sieht. Kurz vor dem Ziel kommt es möglicherweise zu neuen Verzögerungen. | Foto: Heintzen (Archiv)

Bruchsaler FTTH-Pilotprojekt

Gigabit-Ausbau – die wichtigsten Fragen und Antworten

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Die Vorfreude auf das superschnelle Internet und den sogenannten FTTH-Ausbau der Telekom ist groß. Doch gerade im Stadtteil Büchenau kommen Zweifel auf: Lange mussten die Büchenauer auf ihr schnelles Internet warten. Vor zehn Jahren schon wurden Hunderte Unterschriften gesammelt. Im Mai 2017 war dann ein Ende der Durststrecke in Sicht. Nie wieder mit nur zwei Mbit pro Sekunde surfen! Nie mehr minutenlanges Warten bis ein Foto heruntergeladen ist. Dank der Breitbandinitiative des Landkreises und der Stadtwerke sollten die ersten Kunden bereits im Spätjahr 2017 ans schnelle Netz angeschlossen sein.

Müssen Büchenauer jetzt doch länger warten?

Doch jetzt kommt die Rolle rückwärts – oder vorwärts. Wie man es nimmt. Weil die Telekom mit ihrem FTTH-Angebot für die drei Stadtteile Büchenau, Ober- und Untergrombach überraschend ums Eck kam, wurden kurz vorm Ziel alle Arbeiten gestoppt. Müssen die Büchenauer nun doch wieder länger warten auf ein Netz, das dann allerdings mindestens zehnmal schneller als das geplante ist? Eigentlich sollten spätestens im Sommer 2018 alle Büchenauer angeschlossen sein. Da im Mai 2018 aber erst die Vermarktung des neuen Telekom-Angebots endet, könnte das knapp werden.

Am Dienstag haben Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, Frank Bothe und Thomas Müller von der Telekom den Vertrag unterzeichnet | Foto: Heintzen

Telekom nennt keinen konkreten Termin

„Ich halte es für relativ unwahrscheinlich, dass im Sommer die Büchenauer schon schneller surfen“, erklärt Bruchsals Stadtwerke-Chef Armin Baumgärtner. Der Tenor allerdings, so berichten auch andere im Ort: Man habe so lange gewartet, da kommt es bei einem solch guten Angebot, auf einen Monat mehr nicht an. Die Telekom ist sich des Problems bewusst, wie Pressesprecher Hubertus Kischkewitz erklärt. „Wir tun alles, um Büchenau zu priorisieren.“ Wenn am 15. Mai die Vermarktung endet, sollen die Arbeiten zur Verlegung der neuen Glasfaserleitungen bis ins Haus zuerst in Büchenau beginnen. Ob bis Sommer dann bereits die ersten Büchenauer – wie ursprünglich geplant – am superschnellen Gigabit-Netz hängen, vermag die Telekom aber nicht abzuschätzen.

Gewerbetreibende warten sehnlichst

Auch die Gewerbetreibenden warten sehnlichst auf schnellere Verbindungen. Manch einer hatte gerade auf eigene Kosten die Glasfaser bis ins Haus legen lassen, da kam die Nachricht von der Telekom: „Wir bauen FTTH umsonst“. Haben einzelne Gewerbetreibende jetzt Tausende Euro in den Sand gesetzt? Baumgärtner dazu: „Wir verhandeln jetzt, was von der Infrastruktur die Telekom nutzen kann, möglicherweise auch die privat verlegten letzten Glasfaser-Meter bis ins Haus.“

Stadt hat schon eine halbe Million Euro „verbuddelt“

Der dritte und letzte Bauabschnitt des Ausbaus war gerade im Gange, als das Telekom-Angebot kurz vor Weihnachten kam. Etwa eine halbe Million Euro haben Stadt und Stadtwerke bereits ins Netz investiert.
Was davon an die Telekom verkauft oder vermietet werden kann, ist jetzt Teil der Verhandlung. Vom zugesagten Fördergeld des Landes, immerhin 345 000 Euro, sei noch nichts geflossen, erklärt Hauptamtsleiter Wolfgang Müller. 1,3 Millionen Euro hätte der Büchenauer Ausbau die Stadt gekostet. Interessant wird auch die Frage werden, ob die Telekom ihre ambitionierten Ausbaupläne im Zeitplan verwirklichen kann. Insbesondere dann, wenn sich mehr als die nötigen 900 Haushalte für den kostenlosen Ausbau entscheiden. Die Stadtwerke hatten bereits bei ihren Ausschreibungen für die Verlegung der Glasfaser gemerkt, dass es schwierig ist, geeignete Firmen zu finden. „Der Markt ist leer gefegt“, berichtet Baumgärtner aus eigenen Erfahrungen.

Einmal gepopt – schon wieder gestoppt. Dieser Verteilerkasten, genannt Pop, wurde erst im Mai in Büchenau aufgestellt. Gut möglich, dass die Telekom diese Infrastruktur aber nicht brauchen kann. | Foto: Zäpfel

 

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Jetzt muss alles ganz schnell gehen: Die Telekom beginnt im Februar mit der Vermarktung ihres FTTH-Netzes in Büchenau, Untergrombach und Obergrombach. Bis 15. Mai möchte sie von den Bürgern eine Entscheidung. Was kommt da auf die Bruchsaler zu? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Glasfaserausbau bis ins Haus.

Warum wurden gerade diese drei Stadtteile ausgewählt?

Die Telekom treffe ihre Entscheidung „nach netztechnischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten“, so teilt der Konzern mit. Die Kernstadt etwa ist bereits mit schnellem Internet ausgestattet. In den drei ausgesuchten Stadtteilen ist das Internet bisher noch relativ langsam. Büchenau stand allerdings kurz davor, ans schnelle Netz angeschlossen zu werden. Das Pilotprojekt ist eines von nur dreien in ganz Deutschland.

Auch andere Gemeinden hoffen auf superschnelles Internet. Kann dieses Pilotprojekt ausgeweitet werden?

Die Telekom sagt nur: „Wir haben aktuell keine konkreten Pläne, bei unserem Netzausbau gibt es jedoch keinen Stillstand.“

Warum will die Telekom eine solch schnelle Entscheidung innerhalb von drei Monaten von den Bürgern der drei Stadtteile?

Dem Wunsch nach schnellem Internet komme man mit einem schnellen Ausbau nach, heißt es seitens der Telekom.

Angenommen, man erreicht die geforderte Anzahl von 900 Haushalten und kann das Projekt verwirklichen, aber einzelne Anwohner machen nicht mit und rüsten auch nicht später nach. Mit welcher Geschwindigkeit können sie künftig in ihrem Ort surfen?

Das vorhandene Kupfernetz bleibt bis auf Weiteres funktionsfähig. Auch die bisherigen – allerdings relativ geringen – Netzgeschwindigkeiten bleiben.

Was passiert in den drei Stadtteilen, wenn die 900 Haushalte nicht erreicht werden?

Diese Frage beantwortet die Telekom nicht. Man sei aber sehr optimistisch. Auch bei der Stadt windet man sich etwas. Im Zweifel würde man dann doch den Ausbau selbst angehen, allerdings mit großen Verzögerungen. „Das wäre eine kleine Katastrophe“, erklärt Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick.

Welche Arbeiten stehen an den Häusern für die Verlegung der Kabel an? Muss gebuddelt werden?

Nicht zwangsläufig. Es gibt auch alternative Verlegemethoden, aber jedes Haus benötigt einen neuen Glasfaserkabel-Hausanschluss. Ganz gleich, ob in einer Straße Anwohner mitmachen oder nicht, die Telekom stattet jede Straße mit Glasfaserkabel aus.

Angenommen, ich habe gerade erst einen Zwei-Jahres-Vertrag bei einem anderen Anbie-
ter abgeschlossen, möchte jetzt aber ans superschnelle Netz angeschlossen werden und dazu zur Telekom wechseln?

Bis das neue Netz in Betrieb geht, wird noch einige Zeit, schätzungsweise mindestens 1,5 Jahre, vergehen. Wenn man jetzt bei einem anderen Anbieter kündigt, muss man – wenn es soweit ist – möglicherweise einige, vielleicht nur wenige Monate zwei Verträge parallel bezahlen.

Kommen irgendwelche Kosten auf die Unterzeichner zu?

Abseits eines Zwei-Jahres-Vertrags bei der Telekom für mindestens 19,95 Euro im ersten Jahr kostet die Verlegung des Glasfaserkabels nichts, wenn man bis 15. Mai unterschreibt. Will man die superschnelle Geschwindigkeit von einem Gigabit, kostet dies pro Monat 120 Euro. Für die Verlegung der Kabel etwa durch den Vorgarten und im Haus auf Putz entstehen den Hausbesitzern keine Kosten, beteuert die Telekom. Nach dem 15. Mai kostet die Glasfaser ins Haus 800 Euro.

Bin ich mit der Entscheidung für immer an die Telekom gebunden oder könnte ich nach zwei Jahren kündigen und mit einem anderen Anbieter genauso schnell über die neuen Leitungen surfen?

Der Vertrag läuft zwei Jahre. Danach kann man wechseln und die Glasfaserinfrastruktur auch mit einem anderen Anbieter nutzen.

Ab wann surft man in Untergrombach, Obergrombach und Büchenau auf der superschnellen Welle?

Voraussetzung ist, dass bis Mai 900 Haushalte unterschreiben. Dann beginnt der Ausbau, der laut Telekom etwa ein Jahr dauert. Ein konkretes Datum will die Telekom auf BNN-Frage nicht nennen. In der Gemeinderatssitzung war von Mai 2019 die Rede. Bei der Pressekonferenz am Dienstag hieß es Sommer 2019. In den Telekomshops stehen ab sofort geschulte Berater bereit.
Kontakt: Telefon (08 00) 7 78 83 33