Sie sind Teil des ältesten noch aktiven Bruchsaler Musikensembles: Die beiden Kirchenglocken im Westturm der Peterskirche. Diese fast 900 und 1500 Kilogramm schweren Instrumente wurden 1745 gegossen. Zusammen mit ihren drei Brüdern im Ostturm bilden sie an Festtagen ein seltenes fünfstimmiges barockes Geläute. | Foto: Heintzen

Stadt pflegt das Geläut

Glocken von St. Peter in Bruchsal sind 275 Jahre alt – und klingen original barock

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Sie sind Teil des ältesten noch aktiven Bruchsaler Musikensembles: Die beiden Kirchenglocken im Westturm der Peterskirche. Diese fast 900 und 1500 Kilogramm schweren Instrumente wurden 1745 gegossen. Die Pflege des insgesamt fünfstimmigen Geläuts übernimmt die Stadt.

Der Aufstieg beginnt an der originalen, jahrhundertealten Treppe mit eng eingefassten Stufen und wulstigen Handläufen. Immer höher geht es im Ostturm der St. Peterskirche. Schmaler und schmaler werden die Holztreppen, bald sind es nur noch Leitern. Dann heißt es den Kopf weit in den Nacken zu legen, um diesen etwas anderen Konzertraum zu überblicken; mit den Wänden aus hellen, manchmal auch rötlich oder schwarz gewordenen Steinen; mit den langgezogenen „Klangfenstern“, den kleineren kreisrunden Öffnungen und dem kunstvollen Dachstuhl aus Eichenholz ganz oben im östlichen Glockenturm.

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Drei Instrumente aus Bronze hängen hier in etwa 50 Metern Höhe an mächtigen Jochen. Sie sind auf die Töne gis 1, h 1 und d 2 gestimmt. Zusammen mit ihren Brüdern auf cis 1 und e 1 im anderen Zwiebelturm von St. Peter bilden sie das älteste noch aktive Musikensemble Bruchsals. „Wenn man von der Barockstadt spricht, dann hier mit vollem Recht, denn die Kirche blieb im Krieg unzerstört und die Glocken wurden 1745 in Würzburg gegossen, also vor bald 275 Jahren“, erklärt Norbert Pohl.

Die Peterskirche auf einer Anhöhe von Bruchsal wurde von Balthasar Neumann erbaut, wie die Treppe im Schloss. St. Peter steht an Stelle einer 1689 zerstörten Kirche. | Foto: Heintzen

Den Weg hinauf auf den Glockenstuhl bewältigt der Vorsitzende des Fördervereins St. Peter oft und leicht. Er muss kaum ausschnaufen, um weiter zu erzählen. „Selbst die zwei 1942 entfernten Glocken wurden nach dem Krieg auf der Hamburger Werft Blohm & Voss wiedergefunden, wo sie eingeschmolzen werden sollten.“ Die drei Glocken im Ostturm brauchen zusammen mehr Platz, also sind sie kleiner als die Kollegen im Westen. Glocke 1 und 2 haben Durchmesser über einen Meter und sind 887 und 1500 Kilogramm schwer. Die eine sorgt für den Stunden-, die andere für den Viertelstundenschlag im katholischen Gotteshaus.

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An gewöhnlichen Sonntagen drückt Mesner Thomas Kunle in der Sakristei auf vier Knöpfe. Beginnend mit der kleinsten Glocke, dann jeweils sieben Sekunden wartend bis zum Vierklang. An Hochfesten wie Weihnachten erklingt das Plenum, so heißt das Gesamtgeläute. „Das von St. Peter wirkt etwas melancholisch“, findet Pohl. Tatsächlich gelangen die weit jüngeren Glocken anderer Bruchsaler Kirchen – Untergrombach hat sogar ein sechsstimmiges Geläute – mächtiger und vielleicht runder. Oder gewohnter. In St. Peter dagegen klingt Bruchsal noch original barock. Und süßere Glocken passen ohnehin besser ins Weihnachtslied.

Blick auf den Hochaltar und die teilweise die Kuppel der barocken Kirche St. Peter in Bruchsal. | Foto: Liebscher

Gerade wurden die alten Prachtstücke gereinigt. „Ganz vorsichtig von einer Spezialfirma mit einem Schwamm.“ Norbert Pohl muss schmunzeln, wenn er ergänzt, dass die Stadt, nicht die Kirche, dafür aufkommt. Das gilt auch für Uhr und Kommunionbänke – aufgrund teilweise kuriosen Verpflichtungen.
Im Glockenturm findet Pohl nun keine toten Dohlen mehr, seit die Fenster vor Einflug geschützt sind. Für die Turmfalken sind stattdessen fünf Nistkästen in den runden Fenstern angebracht. Es tut sich immer wieder etwas an Bruchsals barockem Prachtstück. Im herrlichen Inneren beginnt 2020 eine Reinigung der Wände und die Heizung wird modernisiert. Zuschüsse von Land und Denkmalschutz sind schon eingeholt. Dennoch wird der Förderverein noch ganz schön kräftig läuten, nein trommeln müssen für seine, und hoffentlich öffentliche, Herzensangelegenheit aus Stein und Glaube. Wer die Glocken von St. Peteru nicht live hören kann, findet Audiodateien über eine Suchmaschine oder eine Seite des Erzbistums: www.ebfr-glocken.de