Goodyear hat die Produktion im Werk Phillipsburg gestoppt. Unterdessen wird in Luxemburg ein neues Werk gebaut. | Foto: Heintzen

US-Konzern baut neue Fabrik

Goodyear-Leute aus Philippsburg sind vergrätzt

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Diese Nachricht dürfte in Philippsburg vielen bitter aufstoßen: Während dort gerade die Abwicklung der Goodyear-Reifenfabrik in vollem Gang ist und an die 1 000 Mitarbeiter nach neuen Jobs suchen, stellt der amerikanische Reifenhersteller in Luxemburg eine neue Fabrik quasi auf die grüne Wiese. Unter dem Namen „Mercury” richtet Goodyear in Düdelingen hochautomatisierte, miteinander vernetzte Arbeitsstationen ein. Dort sollen künftig Premiumreifen in kleinen Mengen auf Anfrage für den Ersatzreifenmarkt produziert werden, so berichtet unter anderem das Luxemburger „Tageblatt“.

Die Leute sind bitter enttäuscht

„Das alles wäre auch bei uns in Philippsburg möglich gewesen“, zeigt sich Bürgermeister Stefan Martus verärgert, als er von der Nachricht aus Luxemburg erfährt. „Die Leute sind bitter enttäuscht.“ Er verweist auf die Vorteile des Standorts Philippsburg mit seiner Nähe zu Universitäten und zum IT-Standort Karlsruhe.
Auch bei der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hört man die Verbitterung durch: „Das hat mich regelrecht vom Stuhl gehauen“, erklärt Bezirksleiter Karsten Rehbein gegenüber den BNN. „In Philippsburg hätte es ideale Voraussetzungen gegeben. Wir wollten den Standort ja zum Kompetenzcenter für niedrigzollige Reifen ausbauen. Wir hätten auch in Kauf genommen, dass nicht alle Arbeitsplätze erhalten bleiben können.“

Proteste blieben erfolglos

Belegschaft, Gewerkschaft und Betriebsrat haben in den vergangenen Monaten gemeinsam ein Konzept vorgelegt, um das Werk in Philippsburg und die Arbeitsplätze zu erhalten. „Aber der Konzern hatte offenbar andere Pläne“, so Rehbein.
In „Mercury“ investiert Goodyear immerhin 65 Millionen Euro. 2019 soll die Produktion beginnen, jetzt war Spatenstich. 500 000 Reifen pro Jahr will man künftig mit nur 70 Vollzeitarbeitsplätzen produzieren.
Unterdessen ist die Produktion in Philippsburg mittlerweile eingestellt, die Mitarbeiter sind freigestellt, es greift ein Sozialplan. Alle Proteste, Demonstrationen und Solidaritätsaktionen zur Rettung der Arbeitsplätze hatten ihre Wirkung verfehlt.

So berichtete die Bruchsaler Rundschau zuletzt über das Goodyear-Aus: