Zum Verkauf steht jetzt das Gelände des Reifenherstellers in Philippsburg. Im Sommer hat der Standort dicht gemacht. Über 900 Menschen verloren ihren Job. | Foto: Schmidhuber

„Vier bis sechs Interessenten“

Goodyear will seine Philippsburger Flächen loswerden

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Von Werner Schmidhuber

Äußerlich ist alles unverändert, doch im Innern tut sich einiges: Vom vorderen Teil des Goodyear-Geländes in Philippsburg, der einen Anteil von etwa 19 Hektar ausmacht, soll eine Fläche von 17 Hektar baldmöglichst verkauft werden. Dabei handelt es sich um den früheren Produktionsbereich, der entlang der Landesstraße 602 liegt. Das hintere Areal in Richtung Wald, etwa so groß wie das vordere Stück, bleibt als Zentrallager erhalten.

 

Wie aus dem Rathaus Philippsburg zu erfahren war, wird Goodyear den Verkauf des ehemaligen Produktionsgeländes über das weltweit tätige Maklerbüro „CBRE Group“ vornehmen, das aufgrund internationaler Goodyear-Verträge alle Immobiliengeschäfte des Konzerns – auch die in Deutschland – managt.

Die Stadt selbst kann im Augenblick nichts tun

„Mit Interesse sehen wir der Entwicklung entgegen“, lässt Bürgermeister Stefan Martus wissen, der die Aktivitäten mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. „Die Stadt selbst kann im Augenblick nichts tun.“ Jetzt werde ein sogenanntes Due-Diligence-Verfahren durchgeführt. Der Bieter-Wettbewerb erstreckt sich bis zum 16. Februar. Nun sollen sich, wie es heißt, interessierte Firmen erklären, was sie zu zahlen bereit sind und was sie im Falle eines Erwerbs mit dem Betriebsgelände vorhaben. Angeblich gibt es zwischen vier bis sechs namhafte Unternehmen, die ihre Hände ausstrecken.

Keine abwegigen Vorhaben

Beobachter vermuten, dass sich damit die Goodyear-Führung einen Einfluss darauf sichern will, dass sich dort nicht ein Reifen-Konkurrent breitmacht. Seine Position und die der Verwaltung bringt der Rathauschef auf einen Nenner: Was jetzt schon an Ansiedlung und Produktion zulässig war und ist, gilt auch für die Zukunft. „Irgendwelche abwegige Vorhaben wird es mit uns nicht geben.“ Für Martus sei klar: Zum Nachteil der Stadt dürfe dort nichts geschehen, betont der Bürgermeister.

Bis Ende März soll alles geräumt sein

Das Zentrallager bleibt – und damit auch die Sicherung von etwa 250 Arbeitsplätzen. Knapp 900 Stellen sind bekanntlich mit der endgültigen Schließung im Sommer verloren gegangen. Laut Martus ist das rund 38 Hektar große Gesamtgelände im Besitz von Goodyear Dunlop selbst oder der Goodyear-Tochter Cervisia. Bis Ende März soll alles geräumt sein, was einmal die Produktion betroffen hat.

Geräte sind abtransportiert

Alle Maschinen und Geräte sind bereits ausgebaut und abtransportiert. Wie Prokurist und Niederlassungsleiter Armin Zöller vom Entsorgungs- und Recyclingunternehmen Alba informiert, konnten schon über 3 000 Tonnen Materialien aus den Gebäuden weggeschafft werden. Die Hallenflächen machen einen Anteil von 5,5 Hektar der 17 Hektar großen Teilfläche aus, die jetzt zum Verkauf ansteht.

Stadt nennt noch keine Namen

Im Juni 2017 hatte der Gemeinderat von Philippsburg eine sogenannte Veränderungssperre für den Bereich des Reifenwerks beschlossen, die den geltenden Bebauungsplan „Mittlerer Weg“ in Philippsburg betrifft. Erklärtes Ziel war die Sicherung der Bauleitplanung. „Aufgrund von verschiedenen Anfragen“ sehe sich die Stadt zum Handeln veranlasst, argumentierte seinerzeit Bürgermeister Stefan Martus – ohne Namen der Interessenten zu nennen.

Kurz zuvor, im Mai, war im Gemeinderat die Entscheidung zustande gekommen, einen Bebauungsplan für den „Mittleren Weg“ aufzustellen. Da keine planungsrechtliche Regelung bestehe, strebe die Stadt die Aufstellung eines Bebauungsplans zur Neuordnung des Industriequartiers an.
Wie es weiter hieß, sollten sich die Planungsziele im Wesentlichen am Bestand orientieren, aber auch weitergehende Optionen aufzeigen.