GROSSES STARAUFGEBOT in der Wagbachniederung: Das Spektakel lockt jeden Herbst viele Vogelfreunde auch von weiter her an. In mehrere 1 000 Vögel umfassenden Schwärmen ziehen die Stare hier ihre Kreise. | Foto: Lechner

Tausende Vögel sammeln sich

Großes Star-Aufgebot in der Wagbachniederung

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Die Sonne nähert sich schon langsam dem Horizont, da taucht von Osten der erste kleine Schwarm über den großen Schilfflächen der Wagbachniederung auf. Vielleicht hundert Vögel – mehr sind es nicht – und die verschwinden gleich wieder über den Pappeln am Rand des großen als Rastplatz für Zugvögel international bedeutenden Naturschutzgebietes.

Gerade mal hundert Stare, das ist es nicht, was die Vogelbegeisterten, die meist an den Wochenenden aus Karlsruhe oder Heidelberg in Gruppen angereist kommen, erwarten. „Das war nur der Anfang. Nur Geduld, die kommen noch“, meint die Hobby-Ornithologin Lisa Schwendner aus Mannheim.

Riesenschwarm zum Sonnenuntergang

Und tatsächlich einige Minuten später nähert sich ein zweiter kleiner Schwarm, dieses Mal aus dem Westen. Oder ist es der erste Schwarm, der einfach nur eine große Runde gedreht hat? Ein Rätsel, das bald niemand mehr interessiert – denn plötzlich ist der erste große Schwarm da.

Mehrere Tausend Vögel sind es sicher, und zu dem Schwarm stoßen nach und nach weitere Vögel hinzu. Der Höhepunkt des Staren-Schauspiels ist aber erst kurz vor Sonnenuntergang erreicht: Aus allen Himmelsrichtungen kommen jetzt die Stare in mehr oder weniger großen Schwärmen angeflogen, vereinigen sich kurz zu einem 10.000 Vögel zählenden Riesenschwarm, teilen sich wieder in mehrere kleine Gruppen auf und finden dann zusammen.

Atemberaubendes Spektakel

Es ist eine wunderbare Flugshow, die den Zuschauern über der in der Abendsonne leuchtenden Wagbachniederung vorgeführt wird. Schwendner erlebt es nicht zum ersten Mal. Die Hobby-Ornithologin kommt schon seit Jahren im wegen des Stareneinflugs im Herbst hierher. „Das ist einfach immer ein atemberaubendes Spektakel“, meint die junge Frau, die den Grund für das wiederkehrende Schauspiel kennt. „Das liegt daran, dass Stare, die Nacht gerne gemeinsam in Schlafkolonien verbringen und zwar am liebsten in großen, im Wasser stehenden Schilfgebieten, die bieten nämlich den besten Schutz vor Fraßfeinden“, erklärt sie.

Der Star unter den Vögeln und der Vogel des Jahres. | Foto: Lechner

Zahl der Stare geht zurück

Aber so imposant das Staren-Spektakel in der Wagbachniederung immer noch ist, es war schon einmal wesentlich größer. Dem Vogel des Jahres 2018 geht es wie vielen anderen Vogelarten nämlich nicht wirklich gut.

Zwar gehört er immer noch zu den häufigsten Vogelarten in der Region, aber „die Zahl ist in den letzten Jahren in ganz Europa deutlich zurück gegangen“, betont der Biologe und Naturschutzbeauftragte für die Wagbachniederung, Ulrich Mahler. Das kann man in dem Vogelschutzgebiet gut beobachten. „Ich habe hier mal vor vielen Jahren mit einem Freund so um die 600.000 Stare erfasst, aktuell sind es weniger als zehn Prozent davon, nämlich so um die 50.000 Vögel, die hier übernachten“, sagt Mahler.

Der Ornithologe betont aber, dass man aus diesen Zahlen nicht automatisch schließen könne, dass der Starenbestand um mehr als 90 Prozent gesunken sei. Tatsächlich schwankt die Zahl der Stare, die im Schilf übernachten von Jahr zu Jahr. Eine Million Vögel wie wahrscheinlich noch in den 70er Jahren werden es aber wohl nie mehr wieder sein.

Franz Lechner