EIN ZUGUNGLÜCK IM TUNNEL – auch dafür müssen die Einsatzkräfte rund um Bruchsal geschult sein. Immerhin liegt der 3,3 Kilometer lange Rollenbergtunnel der Deutschen Bahn komplett auf Bruchsaler Gemarkung. Am 17. November ist dort „Großlage“. Die Bahn hat für diesen Fall Spezialzüge im Einsatz. | Foto: dpa

Szenario: ICE entgleist

Großübung mit 900 Teilnehmern im Bruchsaler Tunnel

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900 Teilnehmer, eine abgesperrte Bundesstraße, ein abgesperrter Bahntunnel auf der Schnellfahrstrecke, Blaulicht, Flutlicht, das volle Programm: In der Nacht von Samstag auf Sonntag üben Feuerwehr und Rettungskräfte aller Organisationen, die Bahn und die Polizei den Ernstfall. Und der lautet: Ein ICE entgleist bei Tempo 250 aufgrund einer technischen Störung an einer Weiche am Portal des Rollenbergtunnels.

Bahntunnel komplett gesperrt

Der 3.300 Meter lange Bahntunnel wird dazu von 23 Uhr bis 5 Uhr für den Verkehr komplett gesperrt. Rettungszüge aus Mannheim und Stuttgart fahren die Unglücksstelle von beiden Seiten her an. Es gibt Schwerverletzte, Menschen, die im Tunnel umherirren, besorgte Angehörige. Auch die Notaufnahme im Bruchsaler Krankenhaus wird Teil des Szenarios.

Größte Übung im Land

Geleitet wird der Einsatz von der Bruchsaler Feuerwehr, die dazu eigens einen Stab im Rathaus einrichtet, wo die Fäden zusammenlaufen und sich die Hilfsorganisationen abstimmen. „Das wird sicherlich die größte Übung im Land Baden-Württemberg in diesem Jahr“, erklärt Bruchsals Bürgermeister Andreas Glaser. Beide Tunnelportale werden in der Nacht großräumig abgesperrt. Für Schaulustige gibt es keine Möglichkeit,  in die Nähe des Einsatzes zu kommen, bestätigen alle Beteiligten. Die B3 zwischen Bruchsal und Ubstadt wird abgesperrt, ebenso der Wirtschaftsweg. Eine Umfahrung ist ausgeschildert.

Die Anlieger in der gesamten Region werden in dieser Nacht jede Menge Blaulicht sehen und Tatütata hören, das ist sicher. „Es ist wichtig, zu wissen, dass es sich hierbei nur um eine Übung handelt“, so Glaser weiter.

Neben den Statisten, die die Opfer darstellen, sind am Samstag ab 23 Uhr 785 übende Kräfte im Einsatz. Angefangen bei den Feuerwehren aus Bruchsal, Bretten, Ubstadt, Bad Schönborn, Forst und Kraichtal kommen Polizei und Bundespolizei, diverse Rettungsorganisationen wie Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser oder Technisches Hilfswerk. Außerdem wird in der Fürst-Stirum-Klinik die Notaufnahme mehrerer Schwerverletzter geprobt, erklärt Übungsleiter Andreas Kroll von der Bruchsaler Feuerwehr, der sich zusammen mit der Bahn das Szenario ausgedacht hat. Sich sorgende Angehörige etwa sollen von der psychosozialen Notfallversorgung betreut werden.

Rollenbergtunnel hat keinen Rettungsweg

Der Bahnverkehr ist in der Nacht auf der Schnellbahntrasse eingestellt. Die beiden Tunnelportale werden von Rettungszügen aus Mannheim und Stuttgart angefahren, die für solche Szenarien ausgelegt sind. Der 3,3 Kilometer lange Rollenbergtunnel, in dem 1991 der erste ICE fuhr, hat keinen einzigen Rettungsstollen, erklärt Markus Gänger von der Deutschen Bahn. Daher ist die Rettung der Passagiere nur über die Rettungszüge und die Portale möglich.