Durch ein neues Projekt sollen Kinder in Graben-Neudorf Kommunalpolitik anschaulich kennenlernen. Hier sprechen sie mit (von links) Thilo Kemm von der Erich-Kästner-Grundschule, Projektleiter Udo Wenzl und Bürgermeister Christian Eheim.
Durch ein neues Projekt sollen Kinder in Graben-Neudorf Kommunalpolitik anschaulich kennenlernen. Hier sprechen sie mit (von links) Thilo Kemm von der Erich-Kästner-Grundschule, Projektleiter Udo Wenzl und Bürgermeister Christian Eheim. | Foto: Duttenhofer

„Gemeinde-Detektive“

Grundschüler in Graben-Neudorf wollen mehr Spielplätze

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Das Abstimmungsergebnis ist eindeutig: 100 Daumen zeigen nach oben. Die Dritt- und Viertklässler der Erich-Kästner-Schule finden, dass das Leben in Graben-Neudorf super ist. Diese Zustimmung freut auch Graben-Neudorfs Bürgermeister Christian Eheim. Doch es gibt auch reichlich Kritik.

Von unserer Mitarbeiterin Irmgard Duttenhofer

Viele Schüler sind der Meinung, dass es nicht genügend Spielplätze gibt. Außerdem vermissen sie Spielangebote für ihre Altersklasse. Ebenfalls schlecht finden sie, dass es zu viel Verkehr auf den Straßen gibt – eine Stadtbahn könnte Abhilfe schaffen. Und: Das Schwimmbad ist zu klein. Zudem fehlt eine Inlineskatebahn.

Diese Liste ist das Ergebnis eines Projekts, das gerade läuft: Zwei Tage lang haben die Schüler die Gelegenheit, als Gemeinde-Detektive auf festgelegten Routen durch den Ort zu ziehen und Handlungsbedarf aufzuspüren. Zwei Einrichtungen beteiligen sich an der Detektiv-Aktion: neben der Erich-Kästner- auch die Adolf-Kußmaul-Schule. Sie nehmen das Thema Kinder- und Jugendbeteiligung ernst und haben mit kommunaler Unterstützung ein Projekt aufgesetzt.

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Kommunalpolitik anschaulich verstehen lernen

Am Ende werden sich 220 Kinder der Doppelgemeinde eine eigene Meinung gebildet haben. Die gewonnenen Erkenntnisse fassen die Schüler in einer Dokumentation zusammen und tragen sie am 6. November den Gemeinderäten vor. „Wir diskutieren auf Augenhöhe“, verspricht Bürgermeister Christian Eheim.

Er weiß, dass die Schüler auch bereit sind, für ihre Meinung auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Wie unlängst geschehen, als für die Erweiterung des Kindergartens Sträucher abgeholzt wurden. Die Kommune, die Grundschulen und das Jugendzentrum haben den Ball aufgegriffen, den ihnen das Land Baden-Württemberg durch die geänderte Gemeindeordnung zugespielt hat.

„Kinder und Jugendliche sollen sich in altersgemäßer Form an politischen Entscheidungen beteiligen“, zitiert Schulleiter Thilo Kemm die Aufgabe, der er sich jetzt mit seinen Kolleginnen und Kollegen stellt. „Alle Dritt- und Viertklässler sollen ihre Meinung zu den Aktivitäten im öffentlichen Raum äußern können und die Umsetzung mitgestalten. So lernen sie Kommunalpolitik anschaulich kennen und verstehen“, versichert auch Projektleiter Udo Wenzl.

Graben-Neudorf ist Vorreiter

Welche Brennpunkte sie besuchen werden, haben die Schüler in Kleingruppen selbst erarbeitet. Neben den Spielplätzen werden unter anderem auch Schulwege und der Neubau der Bibliothek thematisiert. Auch an einer Rallye durch das Rathaus nahmen die Schüler teil.

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Mitarbeiter des Rathauses informierten sie über ihre Arbeit und die kommunalen Aufgaben. Obwohl die Kinder- und Jugendbeteiligung an politischen Entscheidungen rechtlich festgeschrieben ist, haben sich noch kaum Schulen mit eigenen Projekten hervorgetan, weiß Udo Wenzl. Graben-Neudorf ist Vorreiter.