Blumen liegen in der Nähe eines Tatorts in der Innenstadt von Hanaus. Bei Schüssen an zwei Shisha-Bars wurden mehrer Menschen getötet und verletzt. | Foto: dpa

Appell nach Hanau

Bruchsaler Bündnis „Wir für Menschlichkeit“ fordert Zusammenhalt aller Demokraten

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Das Attentat eines 43-jährigen Mannes in Hanau mit insgesamt elf Toten erschüttert die Republik. Eberhard Schneider ist Sprecher des Bruchsaler Bündnisses „Wir für Menschlichkeit“, das sich gegen Rassismus in der Region stark macht.

Im Interview mit Christina Zäpfel zeigt sich das Mitglied des Karlsruher Kreistags schockiert über die Ereignisse.

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Offenbar aus rassistischen Motiven hat in Hanau ein Mann zehn Menschen und sich selbst getötet. Sie, Herr Schneider, engagieren sich seit Jahren in der Region gegen Fremdenfeindlichkeit. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von der Nachricht gehört haben?

Schneider: Ich habe gedacht: Das wird noch weitergehen. Die Anzahl der Anschläge von Rechten hat in den vergangenen Wochen und Monaten ständig zugenommen. Ich denke an den Mordfall Walter Lübcke oder auch an den Anschlag auf die Synagoge in Halle. Und das wird noch schlimmer, da bin ich mir sicher.

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Worin sehen Sie die Ursache für das Erstarken dieser Kräfte?

Schneider: Solange geistige Brandstifter wie ein Björn Höcke und sein national-völkischer Flügel weiter Hass und Hetze verbreiten und sich dabei auf die Meinungsfreiheit berufen, so lange wird das weitergehen.

Eberhard Schneider war IG Metall Bevollmächtiger und ist heute Sprecher des Bruchsaler Bündnisses „Wir für Menschlichkeit“. | Foto: pr

Wie will sich das Bündnis „Wir für Menschlichkeit“ hier zur Wehr setzen? Sie sagen ja selbst, dass vieles von der Meinungsfreiheit gerade noch so gedeckt ist?

Schneider: Hier ist die Zivilgesellschaft noch stärker gefragt. Jedes Mal, wenn einer Hass und Hetze verbreitet oder dummes Zeug redet, müssen wir widersprechen. Alle Demokraten müssen jetzt zusammenstehen und signalisieren: So nicht, nicht mit uns.

Ihre Aussichten sind düster. Glauben Sie, dass dieses gesellschaftliche Klima sich auf absehbare Zeit drehen kann?

Schneider: Ich spüre schon, dass der Widerstand wächst. Ich erinnere an die große Menschenkette beim Auftritt von Björn Höcke in Bruchsal mit schätzungsweise 1.200 Teilnehmern. Auch die vielen Helmsheimer und Heidelsheimer, die kürzlich bei der Verlegung der Stolpersteine da waren, haben mich überrascht. Und demnächst beginnen in Bruchsal wieder unsere Wochen gegen Rassismus.

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