Justitia hat abgewogen: Das Schöffengericht in Bruchsal hat eine junge Frau zu 14 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt.
Justitia hat abgewogen: Das Schöffengericht in Bruchsal hat eine junge Frau zu 14 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt. | Foto: David Ebener/Archiv

Bruchsalerin kommt in Haft

Handyhandel nur vorgetäuscht

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Emotional ging es her beim dritten Verhandlungstag eines Verfahrens am Dienstag vor dem Schöffengericht Bruchsal. Eine 24-Jährige wurde wegen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Ihre Mutter stützte bei der Urteilsbegründung ihren Kopf schwer in beide Hände. Sie wird das kleine Kind der Angeklagten als Oma weiter betreuen, denn die 24-Jährige bleibt in Haft. Seit 23. August 2018 sitzt die junge Bruchsalerin in Bühl ein. Sie war in der Bewährungszeit eines zuvor ergangenen Urteils wegen ähnlicher Taten wieder straffällig geworden.

 Angeboten im Internet folgte keine Lieferung

In sechs angeklagten Fällen hat die junge Frau von 22. Mai bis 11. Juni 2018 Mobiltelefone und einen Laptop im Wert von zusammen gut 2 600 Euro im Internet angeboten und die Zahlungen kassiert, die Geräte aber nicht geliefert oder sie hat, umgekehrt, Handys bestellt und erhalten, aber nicht bezahlt. Die 24-Jährige gestand die meisten Taten ein, machte aber geltend, dazu gezwungen worden zu sein von zwei Männern in ständiger Geldnot.

Mit einem der Beiden, einem 19-Jährigen, teilte sie für Monate die Wohnung in einem Bruchsaler Stadtteil. Er habe sie geschlagen, einmal vergewaltigt und sie zur Abtreibung gezwungen. Auch habe er ihr wiederholt massiv gedroht, er tue ihrer Tochter und ihr etwas an oder er berichte ihrer Familie vom Liebesleben, was in deren strengem Elternhaus schwere Folgen haben würde, so die Angeklagte.

Ich bringe dich um

Zwei Cousinen stützten ihre Aussagen. Ein Dolmetscher übersetzte arabisch-sprachige Nachrichten, welche die Mutter nach Inhaftierung der Tochter auf deren Handy gefunden hatte. Eine lautete: „Ich bringe dich um.“ Der Dolmetscher: „Das ist kein Scherz.“ Auch erkannte er Stimme und Sprachmelodie des 19-Jährigen, der als Zeuge aussagte. Zur Abtreibung befragt, zuckte der 19-Jährige die Achseln. Die Drohungen nannte er Späße und die Handys habe sie nicht für ihn verkauft, auch nicht in seinem Auftrag, sondern sie habe ihm nur da oder dort mit etwas Geld ausgeholfen.

Eigene Bereicherungsabsicht

Zwar habe sich der Zeuge auch vor Gericht „hoch cholerisch“ gezeigt, so Richter Matthias Zinsius in der Urteilsbegründung. Eine „dauerhafte Bedrohungslage“ aber, wie der Verteidiger sie als Entschuldigungsgrund oder zumindest als strafmildernd betrachte, sah das Gericht nicht. Hierfür seien die Zusammenhänge zwischen den Taten und einzelnen Drohungen zu wenig konkretisiert worden, die Lage insgesamt sei zu vage geblieben.

Anders als der Verteidiger glaube das Gericht auch, dass sie sehr wohl eine eigene Bereicherungsabsicht hatte – schon wegen ihrer Vorgeschichte und da sie mangels Beruf keine andere Einkommensquelle habe.

Kurz zuvor erst wegen ähnlicher 23 Taten verurteilt

Die 24-Jährige war erst im Mai 2018 wegen 23 ähnlicher Taten mit Geräten im Wert von über 10 000 Euro verurteilt worden. Das Bundeszentralregister wies Diebstähle ab 2012 aus. Staatsanwalt Alexander Baumann sagte, er habe 120 Ermittlungsfälle unter ihrem Namen vorgefunden. Mit dieser „Riesenvorgeschichte“ und dem „nahtlosen Anknüpfen“ ans Mai-Urteil begründete er seinen Strafantrag von zwei Jahren und fünf Monaten.

Sie war immer ein gutes Kind

Ihre Tochter sei „immer ein gutes Kind“ gewesen, bis sie ihren Mann 2016 kennen lernte, sagte die Mutter vor Gericht, sichtlich erschüttert vom neuerlichen Verfahren. Der Ehemann der 24-Jährigen und Vater der Zweijährigen sitzt aktuell im Libanon, seiner Heimat, wegen Mordverdachts im Gefängnis. Sie hatte ihn – schwanger – wieder verlassen und war nach Deutschland zurückgekehrt, da auch er sie geschlagen habe, wie sie vor Gericht sagte. Sie denke darüber nach, eine Ausbildung zu beginnen, erklärte sie.