Achtung Abellio: Noch immer läuft der Zugverkehr auf der Strecke Bruchsal – Bretten mit dem neuen privaten Anbieter nicht flüssig. Viele Fahrgäste sind verärgert. Auch Oberbürgermeisterin und Verwaltung machen deshalb Druck.
Achtung Abellio: Noch immer läuft der Zugverkehr auf der Strecke Bruchsal – Bretten mit dem neuen privaten Anbieter nicht flüssig. Viele Fahrgäste sind verärgert. Auch Oberbürgermeisterin und Verwaltung machen deshalb Druck. | Foto: Heintzen

Mehr Fokus auf Klimaschutz

Hat Bruchsal bald vielleicht einen Klimagemeinderat?

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Berlin hat sein Klimakabinett – Bruchsal bald vielleicht seinen Klimagemeinderat. So weit ist es freilich noch nicht, und die Bruchsaler Oberbürgermeisterin will sich auch nicht wie andere Städte auf den Begriff „Klimanotstand“ festlegen. Aber das Thema Klimaschutz soll Fahrt aufnehmen. Das zumindest war die Intention, mit der Cornelia Petzold-Schick und ihre Verwaltung in die Klausurtagung mit dem neuen Gemeinderat nach Lahr gefahren sind.

„Bei diesem Thema ist noch Luft nach oben“, war sich die OB sicher, als sie jetzt zu einem Pressegespräch geladen hatte. Dabei berichtete sie von ihrem Besuch bei einem internationalen Bürgermeister-Treffen in Heidelberg. Der Spirit dort: „Wenn wir Kommunen uns nicht drum kümmern, wer sollte es dann machen?“ Diesen Gedanke wolle sie nun auch den Bürgern vermitteln. Gleichzeitig habe sie die Wahrnehmung: „Viele Bürger sind gedanklich schon weiter.“

Fünf Themen sollen in der Kommunalpolitik aus ihrer Sicht künftig eine stärkere Rolle spielen. Es soll neue Gebäudeleitlinien insbesondere für städtische Häuser wie Schulen geben. Ein Energieleitplan soll Potenziale aufdecken und aufzeigen, welche Bereiche in der Stadt künftig wie energetisch versorgt werden. Es folgen der Bereich Artenschutz, Wasser und Mobilität.

Das Thema Abellio ist ein Sorgenkind

Cornelia Petzold-Schick, Oberbürgermeisterin von Bruchsal

„Ich mache keinen Hehl daraus. Das Thema Abellio ist ein Sorgenkind“, präzisierte die OB die Misere rund um den neuen privaten Bahnanbieter, der die Linie Bruchsal – Bretten bedient und bei dem es seit Monaten zu Ausfällen kommt. „Wir bringen das an allen Stellen vor.“ Sie habe auch schon mit dem grünen Verkehrsminister Winfried Hermann persönlich gesprochen. „Das ist natürlich ein Störfeuer, wenn wir die Mobilitätswende vorantreiben wollen, und ständig fallen die Züge aus.“ Zugleich wird die OB grundsätzlich: „Ich habe den Wunsch an die große Politik, dass sie jetzt richtig Geld für den Ausbau der Schienen-Infrastruktur in die Hand nimmt. In Zeiten einer nahenden Rezession verstehe ich nicht, wie in Berlin alle nur von der schwarzen Null reden.“

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Die Sanierung der Bahn-Schnellfahrstrecke Mannheim – Stuttgart 2020 mit Vollsperrung hält sie daher auch für richtig. „Die Schließzeiten an den Bruchsaler Bahnübergängen sind allerdings ärgerlich.“ Die Stadt müsse – weil sie von der Bahn zu kurzfristig informiert wurde – eigene Straßenbauprojekte und die Sanierung der Altenbergbrücke in Heidelsheim überdenken oder gar verschieben. „Als innovatives und prosperierendes Mittelzentrum haben wir beim Thema Klimaschutz einfach eine Verantwortung“, so bilanziert Petzold-Schick das aktuell omnipräsente Thema Klimaschutz.

Hintergrund: Klausurtagung

Der neue Bruchsaler Gemeinderat war von Freitag bis Samstag zur Klausurtagung in Lahr. Über künftige politische Projekte informierte die OB innerhalb eines neuen Formats, einem lockeren Pressegespräch, das regelmäßig zweimal im Jahr stattfinden soll.

Die Klausurtagung sei eine Art Schutzraum, wo die Kommunalpolitiker ganz offen diskutieren könnten, so die OB. Sie beschrieb die Arbeitsatmosphäre als gut und sachlich. Immerhin gibt es neun neue Stadträte, die sich jetzt auch mit einigen laufenden Themen vertraut machen müssen dem Thema Klimaschutz wurden viele weitere Projekte angesprochen, etwa der Bahnhofsumbau. „Auch beim Thema Wohnen gab es großen Diskussionsbedarf“, so deutete die OB an.

Die Klausurtagung fand zuletzt in mit Bruchsal vergleichbaren Mittelstädten statt, etwa in Baden-Baden und Offenburg. Der Herbst ist für Rat und Verwaltung traditionell arbeitsintensiv. Im Oktober wird die OB den Haushalt einbringen. Die Verabschiedung im Gemeinderat steht vor Weihnachten an.