Heidelberger Druckmaschinen
Ein Mitarbeiter hält in einer Werkshalle am Stammsitz der Heidelberger Druckmaschinen AG an einer Digitaldruckmaschine vom Typ «Primefire» einen bedruckten Bogen in den Händen. | Foto: Uwe Anspach/dpa

Auftragsrückgang

Heidelberger Druckmaschinen verkleinert Standort in Wiesloch

Anzeige

Die Aufträge sind zurückgegangen, der Aktienkurs ist im Keller und die Kosten sind zu hoch: Der traditionsreiche Druckmaschinenhersteller steht vor Problemen. Erste Sparmaßnahmen wurden bereits angekündigt. Am Stammsitz in Wiesloch ist die Verunsicherung groß. Obwohl die Heidelberger Druckmaschinen AG dort auch in eine ganz neue Zukunftstechnologie investiert.

Eigentlich wollte die Heidelberger Druckmaschinen AG am 13. Januar in die Zukunft starten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier war eingeladen, am Stammsitz in Wiesloch eine ganz neue Technologie zu bestaunen: das Drucken von Elektronik. Das traditionsreiche Maschinenbauunternehmen will damit einen Markt erobern, den es zwar noch nicht gibt, der aber Milliardenumsätze verspricht. Doch Altmaier sagte den öffentlichkeitswirksamen Besuch aus medizinischen Gründen ab. Und statt guten Nachrichten häufen sich nun die Negativschlagzeilen.

Erst vor zwei Wochen gab die Unternehmensführung bekannt, dass sie im noch bis Ende März laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang und unter dem Strich roten Zahlen rechne. Der Börsenkurs sackte daraufhin ab. Nun hat die amerikanische Ratingagentur Moody’s den Daumen gesenkt. Sie bewertet die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und stufte die Heidelberger Druckmaschinen AG von der ohnehin bereits schwachen Bewertung B3 („hochspekulativ“) auf die Warnstufe Caa1 („substanzielle Risiken“) herab.

Mehr zum Thema: Europageschäft durchkreuzt Ziele von Heideldruck

270.000 Quadratmeter weniger

„Wir arbeiten daran, dass der Cashflow wieder positiv wird. Dann wird auch das Rating wieder besser“, sagte Unternehmenssprecher Thomas Fichtl. Es seien bereits verschiedene Maßnahmen eingeleitet worden, um Kosten zu senken.

In Wiesloch soll der Standort von derzeit mehr als 800.000 Quadratmetern um etwa ein Drittel verkleinert werden. „Wir verkaufen 270.000 Quadratmeter, die wir nicht mehr benötigen. Auf dieser Fläche soll ein Digitalcampus entstehen – mit Technologiefirmen, die sich ansiedeln“, so Fichtl. Der Druckmaschinenhersteller werde außerdem sein Portfolio überprüfen und sich „von Randbereichen trennen“.

Beim Personal setze Heideldruck seit September in einigen Bereichen auf Kurzarbeit, sagte der Unternehmenssprecher. „Bis April, dann sehen wir weiter.“ Je nachdem wie sich die Auftragslage entwickle, könne es auch noch länger zu Kurzarbeit kommen.

Am Standort Wiesloch arbeiten knapp 5.000 Mitarbeiter. Ob es zu einem Personalabbau kommen soll, ist noch nicht bekannt. Unter den Mitarbeitern herrsche jedenfalls große Verunsicherung, sagt der Heidelberger IG-Metall-Geschäftsführer Mirko Geiger, der auch im Aufsichtsrat des Druckmaschinenherstellers sitzt. „Wir haben am Mittwoch ausführlich mit dem Vorstand beraten, was unternommen werden muss“, so Geiger. „Nun müssen wir ihm aber noch etwas Zeit zubilligen, seine Vorstellungen auszuarbeiten, bevor wir seriös darüber reden können.“

Ein Problem ist, dass die Nachfrage nach Druckmaschinen in Deutschland und Europa zuletzt deutlich zurückgegangen ist. „Es wird nicht weniger gedruckt, aber die Unternehmen halten sich mit Investitionsentscheidungen zurück“, sagt Unternehmenssprecher Fichtl. „Das ist der Spagat: Wir investieren in neue Technologien, während unser Stammmarkt schwächelt.“

Sensorendruck soll im April starten

Am Standort Wiesloch hat Heideldruck fünf Millionen Euro in das Zukunfts-Geschäftsfeld der gedruckten Elektronik investiert. Der große Auftakt soll nach der Absage Altmaiers nun am 20. April gefeiert werden. „Dann starten wir auch mit der Produktion“, kündigt Fichtl an.

Mit der neuen Drucktechnik sollen Sensoren günstig und in hoher Qualität hergestellt werden. Entwickelt wurde sie gemeinsam mit dem InnovationLab, an dem auch der Chemiekonzern BASF, der Software-Riese SAP und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie die Universität Heidelberg beteiligt sind.