Eine Schneise der Verwüstung: Am Gründonnerstag des Jahres 1988 krachte ein amerikanischer Kampfjet ins Forster Wohngebiet. | Foto: hupe

Forster erinnern sich

Heute vor 30 Jahren fiel der Kampfjet vom Himmel

Als hätten sie das Unglück geahnt: Der Forster Gemeinderat hatte bereits eine Resolution wegen der Tiefflüge an den Verteidigungsminister geschickt. Bürgermeister Alex Huber war gar persönlich zum Minister Manfred Wörner nach Bonn gereist. Da muss der Absturz des amerikanischen Kampfjets am 31. März 1988, vor genau 30 Jahren, den Forstern wie eine Bestätigung vorgekommen sein.

Es ist der Gründonnerstag vor 30 Jahren

Dennoch war der Schock erstmal riesig. Es ist der Gründonnerstagmorgen, kurz vor 10 Uhr, als Roland Schäfer im Hof des Hauses in der Hardtstraße 10 gerade in sein Auto steigen will. „Das Heulen eines Düsenjägers lässt ihn nochmal aufschauen“, so berichteten es die BNN nach dem Absturz. Es ist noch immer Kalter Krieg, militärische Tiefflieger sind eigentlich Alltag, auch im Bruchsaler Raum.

Brennende Trümmerteile fliegen durch die Luft

Doch der 25-jährige Forster sieht, wie ein amerikanisches Kampfflugzeug vom Typ F 16 C nur wenige Meter entfernt durch das Dach einer Scheune jagt und mit einem ohrenbetäubendem Knall in die Häuser der Hardtstraße 4 bis 8 kracht. Es fliegen brennende Trümmerteile durch die Luft, Ziegel, zwei Häuser stehen sofort in Flammen. Im Nachhinein ist es fast ein Wunder, dass nur zwei Menschen sterben. Der 24-jährige US-Soldat Thomas E. Doyle, der in Hahn im Hunsrück stationiert war und einen Übungsflug absolvierte. Und der 62-jährige Forster Theo Huber, der Bruder des damaligen Bürgermeisters Alex Huber.

Erinnerungen werden wach

Anlässlich des jüngsten Flugzeugunglücks nur wenige Kilometer nördlich von Forst am 23. Januar 2018 in Oberhausen-Rheinhausen, wurden auch beim ehemaligen Bürgermeister Huber die Erinnerungen an den F-16-Absturz wieder wach. „Das Ereignis hat die Forster nachhaltig geprägt“, ist sich der ehemalige Schultes noch heute sicher.

 

Rauchsäule ist weithin sichtbar

Den Einsatzkräften in der kleinen Gemeinde bei Bruchsal bietet sich damals ein Bild der Verwüstung, eine meterlange Schneise der Zerstörung. Die Rauchsäule ist weithin sichtbar. Die Häuserzeile in der Hardtstraße steht komplett in Flammen. Glühende Metallteile und detonierende Munition erschweren den Feuerwehren und Rettungskräften die Arbeit. Beißender Rauch macht sich breit. „Wir waren bis Ostersonntag im Einsatz“, erinnert sich Manfred Burkard heute.

Das war dramatisch

Burkard war Feuerwehrkommandant in Forst. Als sein Piepser losgeht an jenem Gründonnerstag, denkt er zunächst an einen Routineeinsatz. „Aber schon auf der Anfahrt haben wir die Nachricht bekommen: Flugzeugabsturz. Das war dramatisch“, so Burkard. Am Ende sind elf Feuerwehren mit 183 Leuten vor Ort, dazu insgesamt 170 Polizisten und 113 Helfer von Rettungsdiensten.

Was war die Ursache?

So dramatisch das Szenario, so prägend waren die Ereignisse danach. Die Unfallursache wurde nie wirklich ermittelt. Vermutet wurde menschliches Versagen. Für viele Forster und auch die meisten Lokalpolitiker, die Abgeordneten und den Landrat, für Vereine, Verbände und die Kirchen war mit dem wahrhaft einschneidenden Ereignis die „Toleranzgrenze überschritten“. Es folgten Demonstrationen und Resolutionen gegen die Tiefflieger, politische Eingaben in Bonn. Fragen nach der Sicherheit des nahen Atomkraftwerks in Philippsburg wurden laut. „Nur ich darf tief fliegen.“ So stand es auf einer Frisbee, die Landrat Bernhard Ditteney von einer Aktionsgesmeinschaft gegen Tiefflieger überreicht bekam. Schon im Juni des selben Jahres war aber die Flugsperre, die nach dem Unglück über Forst verhängt wurde, wieder aufgehoben.

BNN-Leser Horst Kirchner hat mit seiner Kamera nach dem Absturz gefilmt. Über mehrere Tage hat er dokumentiert, was in Forst vor sich ging. Die Aufnahme sind in das große BNN-Filmprojekt „Zurückgespult“ eingegangen, das es hier als DVD-Box zu kaufen gibt.