"Hexenkessel"-Unfall
Noch konnte keiner den Angeklagten identifizieren. | Foto: Christoph Schmidt

Amtsgericht Heilbronn

Hexenkesselprozess: Widersprüchliche Beamtenaussagen und weiter Unklarheiten

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Selbst polizeiliche Wahrnehmungen und Aussagen können sich widersprechen. Weder das Zeugnis von drei Beamten, noch die weiteren Zeugenauskünfte am zweiten Verhandlungstag im Hexenkesselprozess vor dem Amtsgericht Heilbronn haben am Mittwochvormittag weitere Erkenntnisse gebracht.

Dank der polizeilichen Aussagen konnte zwar der zeitliche Ablauf erhellt werden, bezüglich der Umstände um das Geschehen mit der schwer verbrühten 18-Jährigen aus Rheinstetten beim Hexenumzug in Eppingen am 3. Februar widersprachen sich aber auch die Beamten.

Drei Beamten sagen aus

Ein 64-jähriger Polizist erfasste, was viele über diesen Vorfall denken mögen: „Dass niemand etwas mitbekommen haben will aus der Gruppe, mag heute so dargestellt werden. Das Mädel aber ist nicht so leicht. Da brauchte es schon zwei um sie zu heben.“ Er setzt fort: „dass sie so charakterschwache Leute sind und nicht hergehen können, und die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen…“ Er zuckte mit den Achseln.

Während dieser 64-jährige Beamte von einem Tohuwabohu sprach und davon, dass kaum ein durchkommen mit dem Streifenwagen möglich gewesen sei, sprach sein damaliger Vorgesetzter, ein 65-jähriger Beamter, von einer beim Eppinger Umzug gewollten traditionellen Enge, vor allem auf dem Schlussstück am Marktplatz.

Der dritte angehörte Polizeibeamte, ein 47-jähriger Zeuge, sagte am Richtertisch, beim Fotos betrachten, um den Deckel zu heben, bräuchte es schon Handschuhe, da dieser sehr heiß sei.

Wer hat die Frau über den Kessel gehalten?

Identifizieren konnte aber auch am Mittwoch niemand den Angeklagten als denjenigen, der die 18-jährige Verletzte über den Kessel gehalten hatte. Auch blieb bislang im Dunkeln, ob sie dem Täter entglitten war oder ob sie hinein gestellt wurde.

Interessant war indessen der Zeugenbeitrag eines 26-Jährigen der Lagerlogistiker, der als Dino verkleidet beim Umzug zunächst sofort die Rettungskräfte alarmiert habe und des Weiteren zweimal der Gruppe aus Bahnbrücken gefolgt war, um sie aufzuhalten und sie über ihre „Unfallflucht sowie unterlassene Hilfeleistung“ zu informieren. Auf Frage des Anwalts der Nebenklägerin, ob er der Gruppe geschildert hatte, was mit ihrem Kessel passiert sei, antwortete er mit: „Ja, natürlich“. Daraufhin stellte der Rechtsanwalt fest: „Am Montag hatten nämlich alle Gruppenmitglieder ausgesagt, sie hätten von dem Vorfall nicht am selben Tag, sondern erst später erfahren.“

Am Mittwochnachmittag soll noch eine wichtige Zeugin gehört werden aus dem Umfeld der Geschädigten, die bei der Polizei wohl genauere Auskünfte gemacht habe.