Noch immer führt der Rhein auf Höhe Philippsburg/Höhe Dettenheim einen hohen Wasserstand. Die vorgesehene Schutzmaßnahme Elisabethenwört ist schon im frühen Planungsstand umstritten. | Foto: Alàbiso

Polder oder Dammverlegung

Hochwasserschutz Philippsburg Dettenheim

Hochwasserschutz ist eine schwierige Sache. Das hat viele Gründe. Zunächst einmal ist er eine teure Angelegenheit. Zudem ist die Planung hoch komplex. Schließlich sind nicht immer alle mit dem Vorhaben einverstanden. Und: Nicht selten hört man die Auffassung, dass die Dringlichkeit des Hochwasserschutzes mit dem Pegelstand an den Flüssen abnimmt. In dieser Gemengelage ist das Land dabei, den Rückkhalteraum „Elisabethenwört“ zwischen Philippsburg und Dettenheim auf den Weg zu bringen – ein Projekt, das im allergünstigsten Fall einer gedachten Zeitachse 2028 fertiggestellt sein könnte.  Fragen und Antworten zu diesem Thema.

Wer ist für den Hochwasserschutz am Rhein zuständig?

Klare Sache: das Land. Und das hat schon vor vielen Jahren das „Integrierte Rheinprogramm“ (IRP) auf den Weg gebracht. Darin findet sich auch der Schutzraum „Elisabethenwört“. Ziel des IRP ist der Schutz gegen ein 200-jährliches Hochwasser.

Was ist im IRP vorgesehen?

Entlang des Rheins soll es in Baden-Württemberg 13 Rückhalteräume geben. Erst vier sind einsatzbereit – das Kulturwehr Kehl/Straßburg sowie die Polder Altenheim, Söllingen/Greffern und Rheinschanzinsel bei Philippsburg. Zusammen gerechnet haben diese vier ein Rückhaltevolumen von 73 Millionen Kubikmetern. Das Land geht laut Regionalverband davon aus, dass bis 2028 alle IRP-Rückhalteräume fertiggestellt sind. Frankreich und Rheinland-Pfalz auf der anderen Rheinseite sind übrigens deutlich weiter. In der Planungsphase befindet sich auch der Rückhalteraum „Bellenkopf/Rappenwört“ zwischen Karlsruhe und Rheinstetten.

Wie ist der Sachstand bezüglich Elisabethenwört?

Es gibt einen alten Plan von 1992. Auf dem wird wieder aufgebaut. Mittlerweile liegen zwei Alternativen mit jeweils drei unterschiedlichen Varianten vor: Entweder ein Polder oder die Rückverlegung der Hochwasserdämme.

Was ist der Unterschied zwischen der Lösung Polder und Dammrückverlegung?

Zunächst zum Ist-Zustand: Parallel zum Rhein gibt es einen Hauptdamm. Um die Insel fließt der Althrein, der auch geschützt ist. Jetzt zum Polder: Da ist die Grundidee, den Hauptdamm zu stärken und die Altrheindämme zu erhöhen, die bei der mittleren und großen Variante in Betracht kommen. Bei der kleinen Schutzraumlösung werden diese Dämme nicht benötigt. Die Flutung im Hochwasserfall erfolgt durch Ein- und Auslassbauwerke.

…und die Dammrückverlegung?

Ein anderer Ansatz: Was den landseitigen Schutz anbetrifft, funktioniert das genau wie beim Polder. Direkt am Rhein aber werden in den Hauptdamm Breschen geschlagen – zumindest wurde in vergleichbaren Fällen so verfahren. Kommt das Hochwasser, findet es durch die Breschen seinen Weg in den Rückhalteraum. In Planungsskizzen ist auch von einer Dammabtragung die Rede.

Das ist doch aber im Grunde dasselbe wie beim gesteuerten Polder? Wo liegt denn da eigentlich der Unterschied?

Da wird es spannend: Mit dem gesteuerten Polder entsteht quasi hinter dem Damm ein „Naturschutzprojekt“, das durch die „ökologischen Flutungen“ hergestellt wird. Dieser Naturraum hat den eigentlichen Erfordernissen des Hochwasserschutzes nichts zu tun.

Warum gibt es je drei Varianten?

Das Land Baden-Württemberg benötigt zur Erfüllung seiner internationalen Verpflichtungen, auf deren Grundlage das IRP entstanden ist, lediglich die kleine Variante. Dies ist also das Mindeste, was benötigt wird, so das Regierungspräsidium. Eine größere Variante – Stichworte: Klimawandel, Starkregenhäufigkeit – würde demgegenüber noch eine größere Hochwasserschutzwirkung entfalten. Philippsburg allerdings will geprüft wissen, ob nicht sogar eine „Null-Variante“ bezüglich Elisabethenwört denkbar ist, weil die anderen zwölf Rückhalteräume eventuell auskömmlich sind.

Um welche Mengen geht es dabei?

Bei den kleinen Varianten wird über etwa 13 Millionen Kubikmeter Wasser gesprochen, bei den großen über 21 bis 22 Millionen. Die benötigte Fläche reicht von 400 bis 574 Hektar.

Wann wird entschieden?

Eine Variantenentscheidung „Polder oder Dammrückverlegung“ ist laut Regionalverband für Ende 2017 angekündigt.

https://youtu.be/cR_fFIWLNPk

Gibt es Probleme?

Ja. Zunächst einmal wird auf der Elisabethenwört Landwirtschaft betrieben. Von einer Hochwasserschutzlösung wären zwei Haupterwerbslandwirte betroffen. Die haben jetzt schon deutlich gemacht, dass sie entschädigt werden beziehungsweise andernorts gleichwertige Flächen zugewiesen bekommen müssten. Außerdem gibt es auf der Insel wertvolle Biotopsysteme und Habitatstrukturen. Und dann geht es ganz wesentlich um die Einwohner von Rußheim, Philippsburg und Rheinsheim. Deren Befürchtung ist, dass durch die Hochwasserschutzvorkehrungen der Grundwasserspiegel steigt und dadurch ihre Häuser betroffen sind. Dem will das RP durch Pumpwerke begegnen. Ziel: Der Grundwasserspiegel soll auch dann, wenn der Rückhalteraum wegen Hochwassers in Anspruch genommen ist, nicht so steigen, dass die Häuser in Mitleidenschaft gezogen werden. Positiv sei erwähnt, dass beim fertigen Polder Rheinschanzinsel diesbezügliche Versuche stattfanden – mit gutem Ergebnis. Strittig ist auch der Umstand, dass ein Raumordnungsverfahren seitens der RP-Fachabteilung für nicht notwendig gehalten wurde.

Warum wirkt die Stimmung in der Sache angeheizt?

Da ist wohl viel Emotion dabei. Zum einen ist das RP bemüht, über eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit für Transparenz zu sorgen. Auf der anderen Seite sehen sich nicht wenige Bürger von den Fachleuten überrannt. Die Infoveranstaltung in Philippsburg ist aus Sicht von Bürgern daneben gegangen.