Gefangen in einem Tellereisen ist dieser Bussard. Die Greifvögel sterben öfter auch durch vergiftete Köder am Boden.
Gefangen in einem Tellereisen ist dieser Bussard. Die Greifvögel sterben öfter auch durch vergiftete Köder am Boden. | Foto: BNN

Mit Gift und Schrot

Tierärztin aus Ubstadt-Weiher kämpft gegen illegale Jagd auf Greifvögel

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Beim Thema illegaler Vogelfang denken die meisten an Italien, Malta, Zypern oder vielleicht noch an den Nahen Osten, aber auf keinen Fall an Deutschland. Aber da täuschen sie sich, wie die Zahlen des Komitees gegen Vogelmord zeigen.

Von unserem Mitarbeiter Franz Lechner

Der Bonner Verein sammelt mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz schon seit Jahren alle nachgewiesenen Fälle von illegalen Greifvogeltötungen in Deutschland. E.D.G.A.R. (Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität) nennt sich diese Internet-Plattform, auf der jeder Verdachtsfälle melden kann.

„Bevor solche Verdachtsfälle dann offiziell auf der Meldeplattform landen, werden sie von uns überprüft und im Ernstfall zur Anzeige gebracht“, erklärt das in Ubstadt-Weiher wohnende Vorstandsmitglied des Komitees gegen Vogelmord, die Tierärztin Bettina Volpe Freiwald.

1.300 Anzeigen wegen getöteter Greifvögel

Beispiele dessen, was man auf der Plattform zu lesen bekommt: Vergifteter Rotmilan in Peine, vergiftete See-, Fisch- und Schreiadler im Osten Deutschlands, ein vergifteter Wanderfalke im Harz, ein mit Schrotkugeln geschossener Habicht in Bayern, vergiftete Wanderfalkenfamilie in Worms, abgeschossener Rotmilan in Baden-Württemberg oder der Abschuss eines brütenden Habichts auf dem Nest mit Schrot bei Weinheim sind nur wenige der Fälle aus der jungen Vergangenheit, die das Komitee gegen Vogelmord gesammelt hat.

„Zwischen 2005 und 2018 gab es in Deutschland 1.300 Anzeigen wegen vergifteter, mit speziellen Fallen gefangener oder mit Schrot geschossener Greifvögel“, beschreibt Volpe Freiwald das Ausmaß der Verfolgung.

Und das sei sicher nur die Spitze des Eisberges. „Schließlich ist der Nachweis solcher Fälle sehr schwierig und dazu kommt, dass den meisten Menschen und manchmal auch der Polizei das Ausmaß der illegalen Greifvogeljagd gar nicht bewusst ist“, sagt das Vorstandsmitglied des Komitees.

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Auf Mäusebussard wurde in Östringen mit Schrotkugeln geschossen

Außerdem landen wohl längst nicht alle Fälle auf der Homepage des Komitees gegen Vogelmord, wie der vor einigen Monaten in der Greifvogel-Pflegestation des Deutschen Falkenorden in Karlsdorf-Neuthard gelandete Mäusebussard zeigt.

„Der wurde in Östringen verletzt aufgefunden und erst bei einer näheren Untersuchung hat unsere Tierärztin festgestellt, dass das Tier durch Schrotkugeln verletzt wurde“, berichtet der Leiter der Station, Hans-Jürgen Görze, dass es auch im Landkreis Karlsruhe und in den Nachbarkreisen immer wieder einmal Fälle von illegaler Greifvogeljagd gibt.

„Wir hatten auch schon einmal einen angeschossenen Turmfalken zur Pflege“, berichtet Görze von einem zweiten Fall. Meist werden Greifvögel aber durch mit Gift präparierte Köder getötet. „Aasfresser wie Mäusebussarde, Milane oder auch der Uhu werden von solchen mit Gift präparierten Ködern angelockt und dann durch die starken Gifte meist so schnell getötet, dass sie so gut wie nie in einer Pflegestation landen“, erklärt Görze.

Fast dreißig tote Mäusebussarde in den Landkreisen Rastatt und Karlsruhe

Traurige Berühmtheit erreichte beispielsweise vor einigen Jahren ein Fall in Rheinstetten-Mörsch beziehungsweise im benachbarten Landkreis Rastatt. Fast dreißig Mäusebussarde wurden dort vergiftet aufgefunden. Die oder der Täter hatten Reste aufgebrochener Rehe und Wildschweine mit einem stark giftigen Pestizid geimpft.

Fünf tote Greifvögel neben einer mit Gift präparierten toten Katze in Iffezheim, eine tote, mit einem Nylonfaden an einem Zaun angebundene, vergiftete Taube und daneben ein toter Uhu und ein Mäusebussard im Landkreis Rastatt und zwei vergiftete Wanderfalken in Karlsruhe sind weitere Beispiele aus diesem Jahrzehnt.

Lebende Brieftauben werden mit Gift präpariert

Als besonders infam wird die Art geschildert, wie vereinzelt Greifvögel, die kein Aas fressen, vergiftet werden. „Sie präparieren die Flügel lebender, aber meist nicht mehr besonders leistungsfähiger Brieftauben mit Gift“, berichtet Volpe Freiwald.

Vor allem die bei vielen Brieftaubenzüchtern unbeliebten Wanderfalken oder vereinzelt auch die ähnlich unbeliebten Habichte und Sperber werden Opfer von Giftmischern. „Habichte und Sperber werden aber meist mit Fallen gefangen und anschließend totgeschlagen“, berichtet Volpe Freiwald von Fällen, bei deren Aufdeckung sie selbst schon dabei war.

Die Aufklärungsquote bei Greifvogel-Tötungen sei allerdings gering. „Bei weniger als zehn Prozent aller Fälle werden die Täter gefunden und die ganz wenigen überführten Täter kommen häufig mit einer relativ geringen Geldstrafe davon“, beklagt Volpe Freiwald und fordert daher im Namen ihres Vereins eine eigenständige Forstpolizei. So wie es sie beispielsweise in Italien längst schon gibt.