In den Bruchsaler Kindergärten fehlen nach dem neuen Bedarfsplan bis 2025 über 470 Plätze. Die Stadt will dafür 26,22 Millionen Euro investieren.
In den Bruchsaler Kindergärten fehlen nach dem neuen Bedarfsplan bis 2025 über 470 Plätze. Die Stadt will dafür 26,22 Millionen Euro investieren. | Foto: Jens Büttner/ZB/dpa

Rechtsanspruch wird teuer

In Bruchsal könnten in fünf Jahren fast 500 Kindergartenplätze fehlen

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Bis zum Jahr 2025 fehlen über 470 Kindergartenplätze in Bruchsaler Einrichtungen – 272 Plätze für Unterdreijährige (U3) und 201 Plätze für Kinder ab drei Jahren (Ü3). Das geht aus der Bedarfsplanung der Stadt Bruchsal hervor, die der Gemeinderat am Dienstagabend absegnete.

Rund 26,22 Millionen Euro muss die Stadt bis 2025 investieren, um den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu gewährleisten. Keine leichte Aufgabe angesichts der einbrechenden Gewerbesteuereinnahmen durch die Corona-Krise.

Wir gehen von einer zweiten Welle im Kreißsaal aus.

Jürgen Wacker, FDP-Fraktionsvorsitzender und Chef der Geburtsklinik

In den Statements der Fraktionen hatte FDP-Fraktionsvorsitzender Jürgen Wacker, gleichzeitig Chef der Geburtsklinik, darauf hingewiesen, dass im Zuge der Corona-Krise die Gynäkologen Ende des Jahres mehr Geburten als gewöhnlich erwarten:  „Wir gehen von einer zweiten Welle im Kreißsaal aus.“

Schon jetzt fehlen in der Gesamtstadt 20 Ü3-Plätze, werden Wartelisten eingerichtet. Noch freie Plätze werden bis Ende August belegt. So können etwa in Helmsheim 14 angemeldete Kinder nicht aufgenommen werden. Mit dem neuen Baugebiet in Büchenau wird dort der Fehlbedarf von derzeit 17 Plätzen weiter wachsen, so die Prognose.

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Zurzeit werden in Bruchsal 36 Prozent der Kleinkinder betreut

Die Stadt rechnet wegen des Bevölkerungszuwachses durch neue Baugebiete insgesamt mit einem Bedarf von zusätzlich 129 Plätzen. Auch die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren wird weiter steigen, da Mütter nach der Geburt wieder früher ins Berufsleben einsteigen.

Derzeit werden 36 Prozent der 1.270 Kleinkinder betreut. Die Quote wird nach Einschätzung der Stadt auf 50 Prozent steigen. Damit fehlen weitere 178 U3-Plätze.

Bruchsals Bevölkerung soll um 4,8 Prozent wachsen

Auch insgesamt wird sich die Zahl der Kinder durch steigende Geburtenzahlen erhöhen. Das Statistische Landesamt prognostiziert für die Stadt Bruchsal einen Zuwachs von 4,8 Prozent. Bis 2025 fehlen deshalb 32 U3- und 64 Ü3-Plätze.

Nach 2025 sollen die Zahlen allerdings wieder leicht zurückgehen. Einen weiteren Mehrbedarf von mindestens 50 Ü3-Plätzen macht die Stadt durch den neuen Einschulungsstichtag aus, der nach und nach vom 31. August auf den 30. Juni vorrutscht. Die Vorschüler bleiben damit länger in der Kita. Dadurch werden weitere 50 Ü3-Plätze nötig.

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Zusätzliche Mittel für Kinderbetreuung im Haushalt 2021

Mit der Bedarfsplanung sieht die Stadtverwaltung die Kinderbetreuung nachhaltig erfüllt. Auch wenn es die Stadt viel Geld kosten dürfte. Für den Haushalt 2021 sollen zusätzliche Mittel für Investitionen in Untergrombach, Büchenau und der Kernstadt sowie weitere Betriebskosten eingeplant werden. So werden etwa 90.000 Euro als Zuschuss für eine fünfte Gruppe in der Kita Sonnenschein in Heidelsheim aus den laufenden Haushaltsmitteln gedeckt.

Da kommt die Auszeichnung des Vereins Arbeitsgemeinschaft Netzwerk Familie Baden-Württemberg zur rechten Zeit, die die Stadt zum zweiten Mal das Qualitätsprädikat „Familienbewusste Kommune Plus“ verleihen. Nach deren Kriterien hat Bruchsal schon früh die Bedürfnisse von Familien in den Blick genommen und fortentwickelt.

Elternbeiträge werden regelmäßig erhöht

Um aber weiterhin mindestens 20 Prozent der Betriebskosten durch Elternbeiträge decken zu können, sollen diese Beiträge regelmäßig angepasst werden. Zuletzt wurden die Beiträge zum Februar um drei Prozent erhöht.

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Weiter in der Pflicht sieht sich die Stadt bei der Unterstützung von Projekten des Spracherwerbs. Laut Statistischem Landesamt haben 45 Prozent der Kindergartenkinder einen Elternteil ausländischer Herkunft – acht Prozent mehr als im Vorjahr. Bei 32 Prozent der Kindergartenkinder wird zuhause nicht Deutsch gesprochen.

Auch diese Zahl ist gestiegen, um sechs Prozent. Den höchsten Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund hat Kita St. Elisabeth Bruchsal, den niedrigsten der Waldkindergarten und Kinderhaus Merlin.

Mehr Verhaltensauffälligkeiten in Kitas

Seit Mitte Dezember läuft mit einem städtischen Zuschuss das Projekt „Heilpädagogischer Fachdienst an Bruchsaler Kindertageseinrichtungen“. Es unterstützt Erzieher beim Umgang mit Kindern mit Verhaltensproblemen (die Rundschau berichtete), die immer mehr werden. Damit die Kinder nicht aus der Kita verwiesen werden, sollen die Erzieherinnen pädagogisch unterstützt werden.