UNGEWOHNTES ARBEITSUMFELD: Adrian Imm, Sommelier in einem Gourmet-Restaurant in Buxtehude, hilft beim Bio-Weingut Heitlinger aus. Statt fünf Wochen wegen der Coronakrise zu Hause zu sitzen, bekommt er in den Reben neue Einblicke. | Foto: pr

Fehlende Saisonarbeiter

In der Coronakrise: Sommeliers unterstützen Winzer am Weinberg

Anzeige

Für Adrian Imm ist es gerade eine spannende Zeit. Der Sommelier eines Gourmet-Restaurants in Buxtehude hat mit der Arbeit am Weinberg normalerweise nichts zu tun. Er kümmert sich stattdessen im Gasthaus um den Einkauf, Verkauf und die Lagerung des Rebensafts. Doch in diesen Tagen hilft er beim Bio-Weingut Heitlinger in Östringen tatkräftig mit und verteilt Baldrian gegen den Frost mithilfe von Sprühgeräten.

„Das Hotel in Buxtehude ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Bevor ich jetzt fünf Wochen wegen Kurzarbeit zu Hause herumsitze, versuche ich zu helfen und Neues zu lernen“, erklärt Imm, den eine vierwöchige Weinreise noch vor der Pandemie unter anderem ins Kraichgau brachte. So gehe die jetzige Zusammenarbeit auch auf den persönlichen Kontakt zu Claus Burmeister, dem Leiter des Weinguts Heitlinger und Burg Ravensburg, und dessen Team zurück.

Mehr zum Thema: Konsumieren die Menschen in der Corona-Krise mehr Alkohol?

Aktionsbündnis zwischen Sommelier-Union und Weingüter-Verband

„Bis zum 30. April bin ich auf jeden Fall noch dabei“, sagt Imm. Im Weingut ist er aber nicht der einzige Sommelier, der in der aktuell schwierigen Situation aushilft. Über das Aktionsbündnis des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter und der Sommelier-Union kamen noch zwei weitere Weinexperten nach Östringen. Auch Marco Feger aus dem Restaurant Maki:’dan im Ritter in Durbach und Christoph Gerischer aus Dresden sind im Einsatz.

Weingut Heitlinger: volles Programm bis Ostern

„Sie helfen beispielsweise auch beim Abfüllen oder bereiten Baldrian für die Sprühmaschine vor. Ich bin sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit den Sommeliers, weil unsere Saisonarbeitskräfte aufgrund der Corona-Pandemie mittlerweile alle nach Rumänien oder Polen abgereist sind“, betont Claus Burmeister. Bis Ostern rechnet der Winzer mit einem vollen Programm im Weinberg.

Mehr zum Thema: In Zeiten von Corona wächst in Bretten die Solidarität

Weingut Klumpp hat erst Ende April wieder Arbeit

Beim Bio-Weingut Klumpp in Bruchsal geht es voraussichtlich erst Ende April weiter. „Mit der Frühjahrsarbeit sind wir bis März fertig geworden. Bis Ende April haben wir noch ausreichend Personal“, sagt Andreas Klumpp, der Außen-Betriebsleiter des Weinguts. Gastronomen hätten sich bei ihm bereits gemeldet und ihre Hilfe angeboten. Für die Zukunft gebe es demnach unterschiedliche Möglichkeiten.

Klumpp nennt die Aktion „Das Land hilft“, bei der sich ebenfalls viele Freiwillige melden, um in der Landwirtschaft zu helfen. „Ich hoffe trotzdem, dass wir im Mai, Juni und Juli wieder auf unsere Saisonarbeiter zurückgreifen können, das gleiche Team seit 14 Jahren“, sagt Klumpp.

Mehr zum Thema: Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Gastronomie fällt als wichtiger Kunde weg

Mit der Gastronomie fällt zudem momentan einer der größten Kunden der Winzer weg. Das Bruchsaler Weingut reagiert wie das Weingut Heitlinger mit Sonderverkäufen und Rabatten im Online-Verkauf, um den aktuellen Schwierigkeiten entgegenzuwirken.

Ladengeschäft läuft unter strikten Voraussetzungen

Weiter hat Klumpp das Ladengeschäft wieder geöffnet – unter strikten Voraussetzungen. Der Verkauf läuft in der Regel nach Vorbestellung und kontaktlos ab. „Verkostungen sind aber aktuell nicht möglich“, erläutert Klumpp.

Weingut Klenert veranstaltet virtuelle Weinproben

In der Corona-Krise hat David Klenert, Leiter des gleichnamigen Bio-Weinguts in Kraichtal, die virtuelle Weinprobe für sich entdeckt. Interessierte melden sich auf der Internetseite an und bekommen ausgewählte Weine sowie einen Ablaufplan für die Verkostung zugesendet.

Anschließend treten die Teilnehmer der Verkostung einem YouTube-Livestream bei, wo sie auch Kommentare und Fragen an den Experten stellen können. „Das Ganze wird von den Leuten gut angenommen. Wir haben bundesweit Interessierte. Ich will das Angebot auch nach der Pandemie fortführen“, sagt Klenert.

Mehr zum Thema: Desinfektionsmittel statt Wein: Winzergenossenschaft kooperiert in Corona-Krise mit Apotheke

Bei Klenert gehen Arbeiten in zwei bis drei Wochen weiter

In den Reben fallen bei ihm momentan keine Arbeiten an. Er sei kurz vor der Krise mit den Vorbereitungen fertig geworden. „Ich habe auch schon Angebote von Partnern aus der Gastronomie sowie aus der Bevölkerung. Wir sind gut aufgestellt“, betont er. Laut Klenert werde die Arbeit in etwa zwei bis drei Wochen am Weinberg weitergehen.