DIE GRÜNDUNGSMITGLIEDER DES LERNATELIERS: Diese Eltern machen sich auf den Weg, eine alternative, demokratische Schule in Forst aufzubauen. | Foto: pr

Bruchsaler Initiative

In dieser Schule legen die Kinder die Regeln selbst fest

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Sie wollen nichts weniger als eine eigene Schule gründen: Daniela Bucher aus Helmsheim und weitere Eltern unter anderem aus Forst. Die Schule soll alternativ, frei und demokratisch sein und Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse aufnehmen. Dazu hat sich bereits ein Verein namens Lernatelier mit sieben Gründungsmitgliedern gebildet, der dieses Schulmodell bis September 2020 in Forst etablieren will. Dieser Tage wurde er vom Amtsgericht Mannheim als eingetragener Verein registriert.

Naturnahes Lernen im Fokus

„Die Kinder legen die Regeln selbst fest“, beschreibt Bucher nur eines der Prinzipien der sogenannten demokratischen Schule. Sie erhalten Lernangebote, bestimmen aber den Schulalltag selbst mit. Es soll wöchentliche Schulversammlungen geben mit demokratischen Strukturen, der Unterricht ist fächer- und jahrgangsübergreifend, und die Lehrer heißen Lernbegleiter, die die Kinder sehr individuell unterstützen sollen. Außerdem setzt die alternative Schule auf naturnahes Lernen. „Wir arbeiten sehr intensiv an einem Konzept“, berichtet Bucher. Man hat bereits Gründerworkshops besucht, sich dem Landesverband angeschlossen, recherchiert pädagogische Konzepte und sucht Lehrer für die künftige Schule. Die könnte in Forst aufgebaut werden, wo es bereits Kontakt zum dortigen Tierpark gibt.

Wir wollen keine Eliteschule sein

Intensiv haben sich Bucher und ihre Mitstreiter damit befasst, wie Lernen funktioniert. „Man lernt permanent – wie sprechen und laufen. Die Kinder üben ganz freiwillig, wenn man sie lässt“, ist Bucher überzeugt. Regelschulen würden diese Motivation aber oft ausbremsen. „Es gibt keine Schule, die für alle passt“, ist die Mutter eines Vierjährigen überzeugt. Bevor die erste Schulstunde in der demokratischen Schule gehalten werden kann, muss noch viel passieren. In ihrer Freizeit organisieren die Eltern Unterstützung, suchen Lehrer, schreiben Anträge, suchen Räume und Kooperationen mit Vereinen. Sie suchen nach Sponsoren und Schulmaterialien sowie Bürgen für einen Kredit. Klar ist: Der Besuch der Privatschule wird Schulgeld kosten. „Wir wollen aber keine Eliteschule sein. Das Schulgeld soll vom Einkommen der Eltern abhängig sein“, erklärt Bucher.

Viele Vorbilder

Vorbilder für eine demokratische Schule gibt es bereits: Die nächste befindet sich in Leinfelden-Echterdingen. Bucher und ihre Mitstreiter nennen aber auch die Montessori-Pädagogik als ihr Vorbild ebenso wie die sogenannten Sudbury-Schulen, die sich ebenfalls stark auf demokratische Werte und Mitbestimmung beziehen. Weitere Inspiration holt sich der Verein etwa bei der Pädagogin Rebeca Wild, beim Neurobiologen Gerald Hüther, beim dänischen Familientherapeuten Jesper Juul oder beim Psychiater und Autor Manfred Spitzer.

Kontakt: Gesucht werden Mitstreiter und Unterstützer. Wer Interesse hat, kann sich melden unter lernatelier-ev@gmx.de