Ausrangierte Autoreifen werden zu Sportgeräten. Kevin Kowalczyk (hinten in schwarz) hatte die Idee. | Foto: Lara Teschers

Outdoor-Fitnessstudio

In Philippsburg trainiert man mit Baumstämmen

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„Ja, Alex, weiter, du schaffst das!“ Kevin Kowalczyk feuert Alex und die neun anderen an, die abwechselnd Liegestützen machen, Autoreifen über ihre Köpfe heben und einen Parcours laufen. Er ist Trainer und Gründer von Generation Athletic, einem sogenannten „Outdoor-Fitnessstudio“.

An diesem Abend findet das einstündige Hindernislauftraining statt. Dafür gibt es allerlei Möglichkeiten am Standort von Generation Athletic, der ehemaligen Gärtnerei Unser in Philippsburg: Baumstämme zum Balancieren oder um darüber zu klettern, Wände, eine Schrägwand mit Treppenstufe. Die Temperaturen von weit mehr als 30 Grad zwingen die Sportler in den Schatten, in das kleine Waldstück hinter den Gewächshäusern. Autoreifen dienen als Sportgerät, zum Abstützen bei den Liegestützen und zum Hochheben.

Sport unter freiem Himmel

Neben Kowalczyk gibt es drei weitere Trainer. „Wir bieten Kurse auch im Umkreis an, damit wir die Leute vor Ort abholen“, erklärt er. Der Bedarf sei da: „Die Leute wollen sich bewegen, wollen immer mehr raus, weniger in die Fitnessstudios.“ Es gibt Gruppentrainings für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, neben dem Hindernislauf- gibt es Boxtraining und Outdoor-Workout – alles draußen und ganzjährig. Wie in anderen Fitnessstudios zahlen die Mitglieder Monatsbeiträge.

Eigenes Grundstück war von Anfang an der Traum

Kevin Kowalczyk hat Generation Athletic Anfang 2017 gegründet. Sportlich sei er schon immer gewesen, und nach seinem Studium und einem halbjährigen Thailand-Aufenthalt musste eine neue Herausforderung her. Durch einen Personal-Trainer im Freundeskreis sei er „reingerutscht“, es folgten Ausbildungen im Fitnessstudio. „Aber mir war von vornherein klar, dass ich nicht im Studio arbeiten möchte.“ Also ging es raus in die Natur. Einen Standort gab es zunächst nicht. „Wir haben unter der Brücke in Rheinsheim angefangen.“ Dort liegen schwere Steine und ein paar Baumstämme. „Das war uns schon immer wichtig, mit dem zu arbeiten, was da ist in der Natur“, erklärt der 28-Jährige. Aber mal ein eigenes Grundstück zu haben, hatte er von Anfang an im Hinterkopf.

Training und Entspannung

Nun gehört ihm seit eineinhalb Jahren das Gelände der ehemaligen Gärtnerei. In den alten Gewächshäusern und drumherum gibt es allerlei Geräte. Da sind ausrangierte Feuerwehrschläuche, herunterhängende Seile, dann gibt es Monkey Bars (Klettergerüste zum Hangeln), Low Rigs (zum Kopfüber-Hangeln nah am Boden), schwere Steine, Baumstämme zum Ziehen, Traktorreifen und Sandsäcke. Auch Bänke und einen Sandstrand zum Entspannen finden die Besucher.

Nachhaltigkeit gehört dazu

„Das Grundstück zu kaufen, war die beste Entscheidung meines Lebens bisher. Hier kann ich mich frei entfalten“, ist Kowalczyk überzeugt. Dazu gehört auch, dass er auf dem Gelände Gemüse anbaut. Er will Menschen an die Natur heranführen und Nachhaltigkeit vorleben. Einen Brunnen gibt es bereits, nächstes Jahr soll eine Solaranlage folgen und er arbeitet an einem Tiny House (ein kleines mobiles Haus) aus einem Bauwagen. Darin möchte er wohnen, sich weitestgehend selbst versorgen.

Idee soll weiterleben

„Es geht um das Ganzheitliche. Training ist für einen gesunden, nachhaltigen Lebensstil die kleinste Komponente. Viel wichtiger ist Ernährung, oder auch Erholung“, erklärt er. Er wolle einen Ort schaffen, an dem sich seine Besucher heimisch fühlen, wohin sie auch auf einen Kaffee kommen oder um sich zu unterhalten. Kowalczyk hofft, mit seiner Idee andere anzustecken, die sie dann weiterleben und -geben. Daher rührt der Name: Generation Athletic.