Die Ersatzbushaltestellen am Bruchsaler Bahnhof | Foto: Eisele

Zwischen Bruchsal und Ubstadt

Ja, wo fährt er denn, der Ersatzbus?

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Bahnfahrer haben es derzeit nicht leicht rund um Bruchsal. Die Schienen in Richtung Norden werden saniert mit Ersatzverkehr bis Wiesloch und Rot-Malsch, mit eingeschränkten Verbindungen und Umleitungsstrecken und mit einem erheblichen Mehr an Zeitaufwand. Kommen dann noch Schäden durch Naturgewalten wie der Sturm bei Ettlingen mit einer Streckensperrung Richtung Süden dazu, haben die Fahrplan-Organisatoren alle Hände voll zu tun.

Von Monika Eisele

Bahnen fahren nur im Stundentakt

Aber zurück an den Bruchsaler Bahnhof. Hat man die lilafarbenen Schilder erstmal entdeckt, finden Pendler und andere Fahrgäste auch den Weg zum Busbahnhof und zum Busersatzverkehr nach Rot-Malsch. Wegen Gleisbett-, Schienen- und Weichensanierungen fallen bis Anfang September Züge aus und werden durch Busse ersetzt. So fahren im Nahverkehr die Linien S3 und S4 derzeit nur im Stundentakt, die Züge dazwischen entfallen. Zeitweise gibt es Ausfälle bei den Regionalexpress-Zügen zwischen Heidelberg und Stuttgart sowie Heidelberg und Bruchsal. Angesichts unterschiedlicher Bauabschnitte fällt es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten, ob man denn nun aktuell von Ersatzverkehr betroffen ist oder nicht.

Es hat sich gut eingespielt

Aber es habe sich gut eingespielt und läuft oder besser fährt, sagen Pendler und Busfahrer. Was für Pendler oder eifrige Nutzer des ÖPNV zutrifft, gilt allerdings nicht automatisch für Menschen, die wenig bis selten Bahn und Bus fahren. Denn die klein geratenen, lila Schilder muss man erstmal entdecken und vor allem als wichtigen Hinweis wahrnehmen. Ist man vielleicht in Eile läuft man schnell daran vorbei. Und was man noch wissen muss: Die Busse fahren nicht die Bahnhöfe auf der Strecke an, sondern halten an Haltestellen entlang der Route. Außerdem können Fahrräder nicht mitgenommen werden.

Lob für die Lotsen

„Ich habe einfach meine Zeiten dem Stundentakt angepasst und bin mit den Zügen gefahren, die bis Wiesloch durchgehen“, erzählt ein Pendler, der täglich von Durlach nach Wiesloch fährt. Doch nicht alle können so flexibel reagieren. Für die, die auf die Zwischentakte angewiesen sind, waren in den ersten Tagen der Umstellung sogenannte Lotsen vor Ort, sowohl in Bruchsal am Bahnhof als auch am Ziel in Wiesloch. Deren Einsatz wurde unisono gelobt. „Die waren sehr freundlich und hilfsbereit“, erzählt Gaby Hammer aus Stettfeld, wo sie normalerweise um 6.50 Uhr die S31 besteigt, um nach Karlsruhe zur Arbeit zu fahren. Um den Ersatzbus zu erreichen, muss sie früher raus, denn der fährt bereits um 6.36 Uhr. Aber für die wenigen Wochen in den Sommerferien sei das akzeptabel, sagt sie. Ihrem Empfinden nach haben die Leute den Ersatzverkehr in den ersten beiden Tagen nicht so angenommen, und in Bruchsal seien weniger als sonst zugestiegen. Aber ab Mittwoch habe es sich normalisiert, und – ganz wichtig zu dieser früher Stunde – man habe immer genügend Sitzplätze in den Bussen gehabt.

Auch nach Stuttgart gibt es Probleme

Die größeren Probleme hätten wohl die Leute, die nach Stuttgart pendeln, meint sie. Da ist man schnell mal ein, zwei Stunden länger pro Tag unterwegs, berichtet ein Stuttgart-Pendler. Vergangene Woche habe es ihn voll erwischt. „Ersatzverkehr beim KVV, Umleitung nach Stuttgart und der dortige Verkehrsbetrieb hatte ebenfalls einen Ersatzverkehr wegen Reparaturarbeiten. Und wenn nächstes Jahr die Schnellfahrstrecke gesperrt ist, wird’s noch schlimmer“, befürchtet er.

Zugausfälle werden nicht angekündigt

Sanierungsarbeiten müssen sein und deshalb habe sie Verständnis für Ersatzverkehr, so es denn welchen gibt, sagt eine andere Dame. Was sie überhaupt nicht versteht, sind die vielen Zugausfälle, vor allem am Abend, über die man zudem nicht oder sehr kurzfristig informiert werde. „Wenn ich in Karlsruhe warte und die Anzeige sagt, dass der Zug in neun Minuten kommt, gehe ich davon aus – er kommt. Drei Minuten vor Einfahrt erscheint plötzlich die Anzeige ,Zug entfällt‘. Das ist richtig ärgerlich, und Ersatzverkehr gibt es dafür nicht“, sagt sie und wundert sich, warum die Info nicht früher weitergegeben wird. „Der das machen sollte, ist auch ausgefallen“, meinte eine andere augenzwinkernd und berichtet, dass es beim Busverkehr nicht besser sei. Wenn da einer ausfällt, gibt es gar keine Info, dann steht man halt an der Haltestelle und weiß nichts.