Ein Narrenschiff soll nächstes Jahr am Bruchsaler Saalbach anlegen. | Foto: pr

Bruchsaler Kunstwerk

Jetzt also doch: Dem Grafen wird ein Denkmal gebaut

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Das Projekt schien schon gestorben – jetzt kann es doch verwirklicht werden: das Kunstwerk Wolfgang Thiels am Bruchsaler Otto-Oppenheimer-Platz. Voraussetzung ist, dass der Gemeinderat an diesem Dienstagabend (ab 17 Uhr) dem Vorhaben erneut zustimmt. Das notwendige Geld jedenfalls ist zusammen, und der Stuttgarter Thiel freut sich, dass sein Kunstwerk nun doch noch verwirklicht werden kann.

Hommage an Otto Oppenheimer

Als „verdammt kniffliges Ding“, bezeichnet er sein Werk, das gleich mehrere Themen Bruchsaler Stadtgeschichte umfasst. „Ich habe sehr viele Details recherchiert“, erinnert sich Thiel im Gespräch mit der Rundschau an die Arbeit am Entwurf. Insbesondere befasste er sich mit der Vita Otto Oppenheimers, des jüdischen Tuchhändlers, der gleich in mehreren Vereinen engagiert war und trotz seiner Verdienste mit dem Beginn des Dritten Reiches keine Möglichkeit mehr sah, in Bruchsal zu leben und später mit seiner Familie auswanderte. Oppenheimer, der Erfinder des „Brusler Dorscht“, kommt ebenso zu Ehren wie Skizzen Karl Hubbuchs, der als Künstler von Oppenheimer unterstützt worden war, später als „entartet“ galt und seinen Unterhalt in der Karlsruher Majolika verdiente.

Narrenschiff als Grundlage

Grundlage für mehrere mit Majolika-Fliesen gestaltete Stelen bildet eine Plattform – „ein Narrenschiff“, wie Thiel betont, in Anlehnung an die Moralsatire des Sebastian Brant von 1494 und zugleich auch Symbol für das Schiff, mit dem die Oppenheimers ins US-Exil geflohen sind.
Michael Tinz hatte 2013 die Initiative für das Werk ergriffen. Erste Spendensammlungen allerdings brachten nicht den erwünschten Erfolg. Erst die jüngste Initiative von Bürgern und Stadträten brachte den Durchbruch. Aktuell sind 69 000 Euro und weitere Sachspenden zusammengekommen. Die Kostenschätzung liegt bei 71 400 Euro. Das Werk ist nicht zuletzt deswegen günstiger geworden, weil das einst vorgesehene Kneipp-Becken nun doch nicht an dieser Stelle, sondern in der Bahnstadt realisiert werden soll.

Wolfgang Thiel aus Stuttgart arbeitet seit Jahren mit der Karlsruher Majolika. Von ihm stammt der Entwurf für das Bruchsaler Kunstwerk. | Foto: pr

Frauendarstellung wurde kritisiert

In den vergangenen Monaten hat der 67-jährige Künstler das Werk daher nochmal überarbeitet, hat laut Sitzungsunterlagen zudem zugesagt, eine kritisierte Frauendarstellung zu verändern. Stein des Anstoßes war die Darstellung einer drallen, barbusigen Frau, die Thiel als Hubbuch-Zitat verstanden wissen will. „Ich schaue mal, wie ich damit umgehe“, verspricht Thiel derweil. Dass nackte Brustwarzen den Rest der Botschaft seines Kunstwerks verdecken, sei ja auch nicht in seinem Sinne. Gebaut werden soll erst in der zweiten Hälfte 2019, weil der Otto-Oppenheimer-Platz zuvor noch mit mehreren Großveranstaltungen wie dem Landesposaunentag belegt ist.