Rote Haare und eine samtweiche tiefe Stimme: Das sind die Markenzeichen von Liedermacherin Joana geblieben. Seit über 50 Jahren ist die Sängerin erfolgreich in Deutschland unterwegs und hat ein treues Publikum. Die nun 75-Jährige hat gerade ein neues Album mit Revolutionsliedern eingespielt. | Foto: Staak

Erfolgreiche Liedermacherin

Joana ist mit 75 ungebrochen aktiv

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Ihre Markenzeichen sind mittellange rote Haare und eine tiefe samtene Stimme. Vor 50 Jahren erschien ihre erste Platte. Seitdem ist die Liedermacherin Joana auf allen deutschen Bühnen zu Hause und von einem treuen Publikum begleitet „Und mit dir wollt ich mal nach Gretna Green“, hieß ein früher Erfolg. „Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr“, sang sie in einem Lied, das Ulrich Roski für sie schrieb. Die Kurpfälzerin aus Mannheim zeigte mit „De Hildegard ihr Yuccapalm“ wie Mundartlieder zum Hit werden können.

Konzert am Geburtstag

Seit vielen Jahrzehnten ist Joana Emetz in Bad Schönborn, am Kraichgaurand, zu Hause, wo sie die Nähe zur Natur für ihre ungebrochene Kreativität schätzt. Wenn Sie am heutigen Freitag ihren 75. Geburtstag feiert, dann wie es sich für eine große Künstlerin gehört: Auf der Bühne. Das Konzert in Rheinau-Freistett unter dem Titel „Ich staune bloß“  ist schon längst ausverkauft.

https://www.youtube.com/watch?v=3nLhjTfFaMU;

„Das Publikum geht mit mir durchs Leben und bringt immer neue Leute mit, das bewegt mich und spornt an“, sagt die frühere Deutsch- und Französischlehrerin.“ Gerade nach einem schweren Bühnenunfall 2010 in Rheinstetten, der sie zu längerer Pause zwang, genießt sie die Lust auf wohl dosierte Auftritte und neue Projekte.

Neue CD mit Revolutionsliedern

Im November erscheint die 30. Platte oder CD. Zusammen mit einem Ensemble rund um Adax Dörsam hat Joana 19 bekannte Lieder aus der Revolutionszeit 1848/49 neu arrangiert und mit Kommentaren im Textheft versehen. „Tun wir was dazu“ heißt die neue Scheibe der freiheitsliebenden Sängerin.

„Voice of Germany Senior“ fragte an

Ihre unverkennbare Stimme ist sogar den Machern der TV-Sendung „Voice of Germany Senior“ aufgefallen. „Sie wollten mich vor zwei Jahren unbedingt für die Sendung und haben mir vorgeschwärmt, ich würde noch berühmter werden und meinten, ich könnte mit dieser Stimme noch eine große Karriere machen“, verriet eine schmunzelnde Joana den BNN. „Dabei bin ich doch ganz glücklich mit dem Weg, den ich mit viel Unabhängigkeit und eigenen Liedern eingeschlagen habe. Und der noch weitergeht.“

 

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Wie erhält sich Joana diese einzigartige warme und tiefe Frauenstimme? „Ich gehe nach wie vor zu einer Gesangslehrerin. Dazu strapaziere ich die Stimme nie und schreie nicht. Und ich trinke Lindenblütentee mit Lindenhonig. Außerdem tun mir die Spaziergänge über die Wiesen oder in den Weinbergen hier gut“, erzählt die Sängerin. „Da kann ich durchschnaufen“. Die Sängerin hat für das Gespräch denn auch den Pavillon Mio im Kurpark Langenbrücken vorgeschlagen, den sie immer wieder gern aufsucht. Seit über 40 Jahren wohnt die Liedermacherin in Bad Schönborn im Grünen. Die in Mannheim-Pfingstberg aufgewachsene Künstlerin schätzt gute Luft und Ruhe zum Schreiben oder Komponieren.

Mundartlieder in Kurpfälzer Dialekt

Die Zahl der jährlichen Auftritte hat Joana dennoch reduziert – um nicht von einem Ort zum anderen jagen zu müssen. Dennoch tritt sie in Nordrhein-Westfalen, Belgien sowie Berlin auf. Und häufig in ihrer alten Kurpfälzer Heimat oder in Baden. „Ich staune bloß“ heißt ihr aktuelles Programm mit Liedern aus vier Jahrzehnten. „Ich streu’ dabei auch viele Mundartlieder, wie ,In der Heimat isses schä‘“ ein.

https://www.youtube.com/watch?v=Jw-uQjKGCLQ

An sie hab’ ich die gleichen künstlerischen Ansprüche, des is doch klar.“ Die beliebte „Yuccapalm von Hildegard“ verwandelt sich in der hochdeutschen Version in den „Gummibaum von Ursula.“

https://www.youtube.com/watch?v=X_EnJut_e3E

Erste Platte vor 50 Jahren

Joana wechselt beim Erzählen gern ins Kurpfälzische. In vielen Sprachen ist die frühere Französischlehrerin ohnehin auf der Bühne zu Hause. Im Alter von 20 trat sie außerhalb der Schule erstmals auf. Die Stimme hatte sie schon als Kind in der Pfingstberger Wohnung oder dem Treppenhaus ausprobiert und gestärkt. „Die Nachbarn machten die Türen auf und lobten meinen Gesang. Mir hat schon immer gelegen, auswendig zu singen und viele Gedichte zu kennen.“ Die Mutter von Joana Emetz war Verkäuferin, für die Betreuung der Tochter stand auch die Großmutter bereit. Denn der Vater war im Zweiten Weltkrieg gefallen.

Als Frau erfolgreich in der Liedermacher-Branche

Lehrerin am Gymnasium war die stimmgewaltige junge Frau, die Gesangs- und Schauspielunterricht nahm und im Schulkabarett am Bach-Gymnasium Gitarre gespielt hatte, nur kurz. Ihre erste Folkloreplatte erschien 1968.

https://www.youtube.com/watch?v=ChJtykC7oVA

Es begann eine gute Zeit für Liedermacher wie Reinhard May & Co, gerade in Radio und Fernsehen.Und die Frau beherrschte ihr Metier, musste aber in der männlich geprägten Branche kämpfen.
„Als ein großer Plattenchef mich und meine Stimme ganz groß rausbringen wollte, wenn ich mich nur anders anziehen und auf die Chansons verzichten würde, da war mir klar: Ich lasse mich nicht manipulieren und gehe meinen eigenen Weg. Den will ich mir leisten“, erinnert sich Joana.

Unabhängigkeit  blieb ihr immer wichtig

Sie gründete ihre Plattenfirma und einen eigenen Musikverlag. Solche Freiheit und Unabhängigkeit sind ihr in allen Lebensphasen wichtig geblieben. Dabei ist sie eine von anderen großen Künstlern zu allen Zeiten geschätzte Kollegin geblieben.
Mit dem Pianisten Peter Grabinger und dem vielfältigen Saitenvirtuosen Adax Dörsam arbeitet sie bei ihren Auftritten seit langem eng und glücklich zusammen. Die beiden gehören neben Claus Boesser-Ferrari (Gitarren), Matthias Dörsam, Maurice Kühn und Jean Pacalet zum Ensemble für die im November erscheinende CD „Tun wir was dazu“.

Mit Konzert in der Antarktis

Die Sängerin blickt am liebsten auf solche Projekte voraus und nie sentimental zurück. Eine Autobiografie schreiben? Vielleicht mit 80. Darin muss unbedingt vorkommen, dass sie sogar in der Antarktis gesungen hat. Auf einer Forschungsstation. Und zu einem Lied inspiriert wurde, das bereits 1978 vor Gefahren warnte, die dem eiskalten Land und seinen Tieren drohen.

http://joana.de/1992/09/28/antarktika/