Afd Cehf Meuthen spricht in Bruchsal
ASYL BEIM CHINESEN: AfD-Chef Jörg Meuthen bei einer Veranstaltung der "Bürgerinitiative Bruchsal" im China-Restaurant Fu Chi. Von einer deutschen Gaststätte hatten die Veranstalter zuvor eine Absage erhalten. | Foto: htz

Wirbel um Termin in Bruchsal

Jörg Meuthen: AfD-Chef bekommt Asyl beim Chinesen

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Einen leibhaftigen Bundesvorsitzenden hatte jetzt die kleine, aber rührige „Bürgerinitiative Bruchsal“ zu Gast: Jörg Meuthen, Co-Parteichef der Alternative für Deutschland, sprach im Restaurant „Fu Chi“. Der Chinese hatte dem AfD-Chef gewissermaßen Asyl gewährt. Denn eigentlich sollte der Politiker in einem deutschen Gasthaus sprechen, dort hatte man aber abgesagt.

Die „Bürgerinitiative Bruchsal“ (BiB) – im Zuge einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bruchsal von Anwohnern gegründet – hatte für die vierte Veranstaltung ihrer Reihe  „Bürger fragen Politiker“ AfD-Chef Jörg Meuthen gewonnen. Dass dieser Termin nicht wie die vorherigen im bekannten Bruchsaler Gasthaus „Graf Kuno“ (eigene Schlachtung) stattfand, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Gerüchten zufolge sollen AfD-Gegner die Kuno-Wirtsleute gebeten haben, Meuthen kein Forum zu bieten, der sich zuletzt immer wieder mit Partei-Rechtsaußen wie Björn Höcke solidarisiert hatte.

Es gehört immer noch ein gewisser Mut dazu, uns ein Lokal zur Verfügung zu stellen.

Meuthen, neben Frauke Petry Co-Chef der Partei, schien diese Gerüchte in Bruchsal zu bestätigen: Er bedankte sich vor rund 100 Besuchern „ganz ausdrücklich“ bei den chinesischen Wirtsleuten, wie Teilnehmer berichten. „Es gehört immer noch ein gewisser Mut dazu, uns ein Lokal zur Verfügung zu stellen. Ganz herzlichen Dank auch von meiner Seite, dass das geklappt hat“, so Meuthen. Und tatsächlich: In ganz Deutschland hatte es in der Vergangenheit immer wieder Probleme für die AfD auf der Suche nach Veranstaltungsorten gegeben. In Bruchsal waren derlei Probleme bislang aber nicht bekannt.

meuthen bruchsal
MULTI-KULTI: Statt deutscher Küche gab es Asia-Buffet bei einer Veranstaltung der „Bürgerinitiative Bruchsal“ mit Jörg Meuthen. | Foto: htz

AfD wegen Bedeutungsverlust besorgt

In Meuthens eher kurzen Rede und später in der Fragerunde ging es viel um überregionale Themen, auch mit Blick auf die Bundestagswahl am 24. September. Parteichef Meuthen, der zudem Fraktionschef in Stuttgart ist, gab sich überzeugt davon, dass seine Partei bald auch im Bundestag vertreten ist. In der Fragerunde offenbarte sich allerdings die Sorge um den Bedeutungsverlust der Rechtspopulisten angesichts zurückgehender Umfragewerte. Wie denn die Strategie gegen die FDP aussehe, die der AfD „bei der letzten Wahl ein bisschen das Wasser abgegraben“ habe, wollte etwa ein AfD-Mitglied von seinem Parteichef wissen.

Meuthen beklagt ausbleibende TV-Einladungen

Eine andere Zuhörerin wünschte sich Teilnehmern zufolge, die AfD möge doch offensiver werden. Meuthen beklagte sich diesbezüglich, dass „die Medien“ viele seiner Pressemitteilungen nicht aufgriffen. Auch vom Talkshows werde er ignoriert, bekomme seit einem Jahr keine Einladung mehr. „Die fahren gerade auf einer Wir-bringen-euch nicht-Strategie“, vermutete Meuthen. Weil man sich in den Medien aber  auch nicht einklagen könne, setze er inzwischen stark auf „Facebook“.

Die billigste Fraktion?

Unter den Zuhörern waren auch etliche AfD-Kritiker. Ein bekennender Achtundsechziger wollte von Meuthen wissen, welcher Schaden für den Steuerzahler durch die Spaltung der Landtagsfraktion entstanden sei. Meuthen argumentierte, man sei durch die vorrübergehende Spaltung sparsamer als die anderen gewesen, habe vor allem „kein Personal eingestellt, das wir verbeamtet haben“. Auch jetzt habe die Fraktion nur einen Mitarbeiter mit Beamtenstatus. Der AfD-Chef betonte: „Wir sind insofern die billigste Fraktion.“

Keine AfD-Veranstaltungen erwünscht

Im Anschluss an die Fragerunde konnten sich Afd-Freunde  wie -Gegner am China-Buffet gütlich tun – ein deutlicher Kontrast zur deutschen Hausmannskost („eigene Schlachtung“) im „Graf Kuno“.  Auf Nachfrage hieß es bei den Graf-Kuno-Betreibern, man habe an dem Tag ohnehin aus betrieblichen Gründen geschlossen gehabt. Allerdings räumte Kuno-Wirtin Vogt schon auch ein, dass man bis auf Weiteres keine AfD-Veranstaltungen mehr im Lokal wünsche. „Wir sind die Diskussionen mit AfD-Gegnern leid, außerdem wurden wir teilweise regelrecht angefeindet“, so die Gastronomin. Zudem habe man den Boykott mancher Gästegruppen beim Umsatz zu spüren bekommen. Dennoch stellte sie klar: Die Bürgerinitiative sei auch weiterhin grundsätzlich willkommen, selbst wenn diese wieder mal einen AfD-Politiker zu Gast habe.

Der „Brusler Dorscht“

Der Name des Traditionslokals Graf Kuno geht bekanntlich auf den trinkfesten „Grafen Kuno vom Kraichgauland“ zurück, dem der Bruchsaler Jude Otto Oppenheimer im „Brusler Dorscht“ ein bleibendes Denkmal setzte, bevor er das Land auf der Flucht vor den Nazis verlassen musste.