Der Bedarf an Sozialpädagogischer Familienhilfe im Landkreis ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen: 1994 betreute das Jugendamt 38 Familien, 2016 waren die Fachkräfte der Hilfen in über 500 Familien.
Der Bedarf an Sozialpädagogischer Familienhilfe im Landkreis ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen: 1994 betreute das Jugendamt 38 Familien, 2016 waren die Fachkräfte der Hilfen in über 500 Familien.

Familienhilfe im Landkreis

KarLa feiert 10-jähriges Bestehen

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Weil es für Fachkräfte der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) grundsätzlich wenig Möglichkeiten zur Fortbildung gibt, hat sich KarLa, einer der Träger für freie Jugendhilfe im Landkreis, dazu entschieden, sein zehnjähriges Bestehen nicht wie üblich mit einem Festakt oder Ähnlichem zu feiern. Stattdessen lud der gemeinnützige Verein seine eigenen Mitarbeiter und die anderer Träger, Beratungsstellen und des Jugendamtes zu einem Fachtag ins Karlsruher Hardtwaldzentrum ein. „Denn vorauszuschauen ist immer besser als zurückzublicken“, sagte Ingrid Bethge, eine von drei KarLa-Geschäftsführerinnen.
Vorträge brachten den Teilnehmern den Stand der Forschung und die Anforderungen an die Fachkräfte in der Sozialpädagogischen Familienhilfe nahe. Anschließend wurden die Inhalte in verschiedenen Workshops vertieft.

 

Der Bedarf ist drastisch gestiegen

Klaus Wolf, Professor für Erziehungswissenschaft und Sozialpädagogik an der Universität Siegen, befasste sich mit der Frage, wann Familienhilfe erfolgreich ist. Dabei führte er auch die Auswirkungen gestiegener Fallzahlen ins Feld, die bereits Margit Freund, Leiterin des Jugendamts im Landkreis deutlich gemacht hatte: „1994 hat der soziale Dienst 38 Familien betreut, 2016 haben wir und die freien Träger über 500 Familien erreicht. Das entspricht einem Volumen von 3,5 Millionen Euro“, sagte die Amtsleiterin. KarLa betreut monatlich 70 Familien.

„Wir arbeiten alle sehr gut zusammen“

Wolf bemängelte außerdem, dass Jugendämter oftmals dazu neigten, die SPFH-Träger übermäßig zu kontrollieren – beispielsweise was die Stunden betrifft, die eine Fachkraft bei einer Familie verbringt. Im Landkreis Karlsruhe aber scheine das seiner Meinung nach nicht der Fall zu sein, so Wolf. Dem stimmten auch die Anwesenden zu: „Wir arbeiten alle sehr gut zusammen“, versicherte Gabriele Laube, ebenfalls Geschäftsführerin von KarLa.
Zu guter Letzt gab Wolf seinen Zuhörern einen Einblick, wie ihre Interventionen bei den Familien ankommen und wie sie entsprechend handeln sollten: „Es ist wichtig, sowohl die Entwicklungschancen der Kinder als auch die Bewältigungsversuche der Eltern im Blick zu behalten“, sagte der Erziehungswissenschaftler.

Fachkräfte brauchen Geduld

Wie es den SPFH-Mitarbeitern gelingt, diese elterliche Präsenz zu stärken, darüber referierte im Anschluss auch Andreas Wahlster, Sozialpädagoge und Therapeut aus Ladenburg. „Wichtig ist, die bisherigen Bemühungen der Eltern zu würdigen und sie damit ein Stück weit aufzubauen“, sagte er. Später setze die Arbeit immer an der Haltung der Eltern an, anstatt die Kinder verändern zu wollen. „Formulieren Sie gemeinsam mit den Familien Ziele. Und vor allem brauchen Sie Geduld“, sagte Wahlster, der damit bekräftigte, was schon Wolf erklärt hatte: „Eine Familie ist ein Prozess, der sich entwickelt. Die Familienmitglieder entwickeln sich unterschiedlich. Das müssen Sie bei ihrer Arbeit beachten. Passen Sie ihren Plan an den Prozess der Familien an.“