Abschied von Karlsdorfs großem Sohn: Zur Beerdigung Edo Zankis fanden sich Hunderte auf dem kleinen Karlsdorfer Friedhof ein.
Abschied von Karlsdorfs großem Sohn: Zur Beerdigung Edo Zankis fanden sich Hunderte auf dem kleinen Karlsdorfer Friedhof ein. | Foto: Heintzen

Bewegende Worte und Klänge

Trauerfeier und Beerdigung: Abschied von Edo Zanki

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Karlsdorf-Neuthard hat Abschied von einem großen Sohn genommen: Bewegend war die Trauerfeier für Edo Zanki – die kleine Aussegnungshalle auf dem Friedhof in Karlsdorf konnte nur einen Bruchteil der vielen Gäste aufnehmen, die sich am Dienstag persönlich von dem Ausnahmemusiker verabschieden wollten.

Die Feuerwehr hatte vorgesorgt, eine extra Parkfläche ausgewiesen, und die vielen fremden Kennzeichen zeigten, dass Zanki den Namen Karlsdorf in ganz Deutschland bekannt gemacht hatte.

Trauriges „Klassentreffen“

Es hätte auch ein illustres Klassentreffen namhafter Künstler aus der Region und aus ganz Deutschland sein können – aber der Anlass war ein trauriger: Hunderte Weggefährten, Angehörige und Freunde Edo Zankis begleiteten den Ausnahmemusiker auf seinem letzten Weg. Die Musikwelt reagierte geschockt. Und dieser Schrecken stand manchem Trauergast bei der bewegenden Beerdigung auf dem kleinen Karlsdorfer Friedhof noch ins Gesicht geschrieben.

Abschiedskranz von Herbert Grönemeyer

Viele von ihnen – seien es Julia Neigel, Sandie Wollasch oder Laith Al-Deen, verlieren mit Zanki nicht nur einen guten Freund, einen wichtigen Kollegen, sondern auch einen Mentor. „In musikalischem Gedenken. Dein Herbert“ – mit diesen Zeilen auf einem Kranz hat sich etwa Herbert Grönemeyer aus der Ferne verabschiedet.
Dass sich Zanki niemals wirklich in ein musikalisches Genre einordnen ließ, bewiesen selbst auf seinem letzten Gang Trauergäste aus der Musikszene wie Jay Alexander, Freddy Sahin Scholl, Peter Freudenthaler von Fools Garden, Bernd Gnann vom Karlsruher Kammertheater, wo Zanki eine beliebte Musikreihe organisierte oder auch Starfotograf Jim Rakete und Keyboarder Florian Sitzmann (Söhne Mannheims).

Musikalischer Abschied rührte zu Tränen

Musikalisch verabschiedet haben sich Michael Koschorek (an der Gitarre, v. l.), Florian Sitzmann, Laith Al-Deen und Sandie Wollasch von ihrem Weggefährten Edo Zanki. Hunderte begleiteten den Künstler in Karlsdorf auf seinem letzten Weg.
Musikalisch verabschiedet haben sich Michael Koschorek (an der Gitarre, v. l.), Florian Sitzmann, Laith Al-Deen und Sandie Wollasch von ihrem Weggefährten Edo Zanki. Hunderte begleiteten den Künstler in Karlsdorf auf seinem letzten Weg. | Foto: Heintzen
Musikalisch verneigten sich Sandie Wollasch, Laith Al-Deen, Michael Koschorek, Joo Kraus und Florian Sitzmann vor ihrem Freund. Ergreifend interpretierten sie unter anderem Zanki-Stücke wie „Schweben“ und rührten viele Trauergäste zu Tränen.

Tonstudio trug Ortsnamen in die Welt

Ein schwerer Gang war es nicht nur für Zankis Familie, für seine Freunde und Angehörige, sondern auch für viele Karlsdorfer, für die Bürgermeister Sven Weigt das Wort ergriff. Und sichtlich ergriffen sprach Weigt auch von einem „großartigen Menschen mit dem Herzen für die Welt und die Menschen“.

Sein Tonstudio wurde zum Markenzeichen, er hat den Namen des Ortes weit in die Welt getragen und namhafte Künstler ins Badische geholt. „Er hat die große Welt der Kunst ins kleine badische Dorf gebracht“, bilanzierte Weigt. Zugleich war er aber kein abgehobener Star, kein unnahbarer Künstler, sondern der geschätzte Mitbürger von nebenan.

„Wir in Karlsdorf-Neuthard sind stolz auf diesen großen Künstler“, befand der Bürgermeister. Er erinnere sich gerne nicht nur an einzelne Begegnungen mit Zanki, sondern auch daran, einmal gemeinsam mit ihm auf der Bühne gestanden zu haben: „Zanki hat für Glanzlichter im Gemeindeleben gesorgt“, war sich Weigt sicher.

Englisch, Deutsch, Rock, Pop und viel Soul – dass sich Zanki niemals festlegen ließ, war schließlich wohl sein Erfolgsrezept. „Karlsdorf-Neuthard ist stolz auf einen großen Künstler“, verabschiedete sich Bürgermeister Sven Weigt sichtlich bewegt von dem nahbar gebliebenen Ausnahme-Mitbürger.

Musik wurde ihm in die Wiege gelegt

Edo Zanki
Der Musiker, Sänger und Produzent Edo Zanki tritt auf. | Foto: Volker Dornberger/Archivbild

Dass Zanki, der ursprünglich aus Kroatien stammt und als Kind mit seiner Familie nach Deutschland floh, zufällig in Karlsdorf landete und bis zu seinem Tod blieb, hier also nicht nur eine musikalische Heimat fand, darauf gingen Zankis Weggefährten und Pfarrer Torsten Forneck ein. Vom Großvater hatte er die starke Gesangsstimme geerbt.

Mit dem Bruder hat er das Tonstudio großgemacht – viele junge Künstler hat er gefördert und zum Erfolg gebracht – sie alle wurden zu seiner Zweitfamilie. Mit dem Hohelied der Liebe aus der Bibel verwebte Pfarrer Forneck auch Zankis Werdegang, insbesondere seine Liebe zur Musik. „Er war eine große Seele mit Tiefe und Freundlichkeit, mit Ehrlichkeit und Vertrauen und mit Humor“, bilanzierte Forneck.

Die Ausnahmekarriere eines „Menschenfischers“

Mit seinem Tonstudio habe sich Zanki in Karlsdorf früh eine eigene Welt, eine neue Heimat geschaffen, so die Einschätzung Albrechts „Ali“ Neanders von den Rodgau Monotones, der Zanki bereits in den 80er-Jahren kennenlernte.

„Edo Zanki war ein Menschenfischer, und das Studio war seine Kirche“, so Neander. „Die Türen des Planeten Edo standen weit offen“, spielte der Weggefährte darauf an, dass Zanki für viele große Künstler komponierte und produzierte, selbst aber als Solokünstler nie den ganz großen Durchbruch feierte. Neander berichtete auch von Rückschlägen, von neuen Wendungen, von einer geplatzten Tour und der neuen Perspektive beim Projekt „Afrika Afrika“.
Zuletzt arbeitete Zanki an einem Projekt, bei dem er Texte Rainer Maria Rilkes musikalisch umsetzte. Diese verschlungenen Wege seiner Ausnahmekarriere als Sänger, als Produzent, als Songwriter und Komponist brachten ihm letztlich wohl den viel nachhaltigeren Erfolg, bilanzierte Neander.

Tod nach schwerer Krankheit

Im Februar war Zanki schwer erkrankt, kurz vor seinem Tod wurde er ins Krankenhaus nach Bruchsal gebracht. Am 1. September dann die Nachricht: Im Alter von 66 Jahren starb der Ausnahmekünstler für viele völlig überraschend. Hunderte Weggefährten vor allem aus der Musikszene erwiesen ihm die letzte Ehre. Zanki hinterlässt seine Frau, einen Sohn und zwei Enkel. Die Familie will ihm mit einem Tributekonzert auch noch ein musikalisches Denkmal setzen.