An der Erdöl-Pumpstation von Rhein Petroleum im hessischen Riedstadt zeigte Geschäftsführer Carsten Reinhold vor einem Jahr frisch gepumptes Öl. Dies soll im Sommer auch am Bohrloch zwischen Weingarten und Untergrombach passieren. | Foto: dpa

Minimalforderungen erfüllt

Keine Probleme für Bruchsaler Grundwasser durch Erdölbohrungen

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Mitte Juni will die Rhein Petroleum GmbH an der nordöstlichen Spitze des Baggersees Weingarten mit den Erkundungsbohrungen für Erdöl beginnen. Die Bergbaubehörde beim Regierungspräsidium Freiburg hat dafür grünes Licht gegeben. Um die Bedenken der Stadt Bruchsal und der Stadtwerke zu zerstreuen, die sich um die Trinkwasserqualität im Schutzgebiet Bruchsal/Karlsdorf-Neuthard sorgen, hat das Heidelberger Unternehmen einem Grundwassermonitoring zugestimmt.

Engmaschige Proben

„Unsere Minimalforderungen sind durch die Auflagen umgesetzt worden“, heißt es in einer städtischen Mitteilung. Mitte März soll in der Unteren Wasserbehörde im Landratsamt Karlsruhe die Genehmigung für die engmaschigen Proben erteilt werden. Danach will die Firma beim Bohrloch Steig 1 die Grundwassermessstellen einrichten: In fünf bis zehn Metern sowie in 20 bis 25 Metern Tiefe sollen Wasserproben entnommen werden, so Geschäftsführer Carsten Reinhold auf BNN-Anfrage. Der Ist-Zustand des Wassers soll von einer Fachfirma erfasst werden. Sie entnimmt im weiteren Verlauf regelmäßig Proben. Analysiert werden sie in einem staatlich zugelassenen Labor.

Keine Verunreinigung befürchtet

Überwachen soll dies die Untere Wasserbehörde: „Wir rechnen nicht damit, dass im Abstrom der Bohrungen Veränderungen im Grundwasser festgestellt werden“, sagt am Mittwoch Joachim Schneider, Leiter des Umweltamtes im Landratsamt. Bereits im Vorfeld hatten Landeshydrogeologen auf Bruchsaler Bedenken hin die geologischen Verhältnisse überprüft. Bei einer planmäßigen Ausführung der Bohrarbeiten werde keine Verunreinigung des Grundwassers befürchtet, heißt es in einer Stellungnahme des Regierungspräsidiums Freiburg. Dort ist die Bergbaubehörde angesiedelt.

Juni beginnen Erkundungsbohrungen

Für die Einrichtung der Grundwassermessestellen veranschlagt Rhein-Petroleum-Geschäftsführer Reinhold zwei Wochen. Ab April soll dann die Zufahrt zum Bohrloch zwischen Weingarten und Untergrombach ertüchtigt werden: Ein asphaltierter Weg wird verbreitert und ein Schotterweg angelegt. Mitte Juni soll dann mit der eigentlichen Erkundungsbohrung begonnen werden, die etwa zwei bis drei Wochen dauern soll. Im Anschluss ist eine zweiwöchige Testphase vorgesehen, in der geprüft wird, ob Erdöl in „förderwürdigen Mengen“ vorhanden ist. Seismische Untersuchungen 2012 hatten Hinweise auf Öllagerstätten ergeben. Sollte man nicht fündig werden, werde die Bohranlage sofort verfüllt und der Bauplatz zurückgebaut, so der Geschäftsführer.

Spezialzement dichtet ab

Bei der Probebohrung mit einer mobilen Anlage und einem 39 Meter hohen Mast wird über mehrere Wochen das Bohrgestänge zuerst senkrecht und dann nach Nordosten abgelenkt bis in 900 Meter geführt, wo das erdölhaltige Gestein vermutet wird. Die Bohrung mit teleskopartig ineinander liegenden Rohren führt laut Firma nur die ersten 25 Meter durch trinkwasserführende Schichten. Die Rohre werden dabei jeweils mit „hochdichtem Spezialzement“ fest umschlossen, sodass diese Bereiche durch Stahl- und Zementschichten geschützt sind, erklärt Reinhold weiter.

Noch „zeitgemäß“?

Trotz dieser zusätzlichen Sicherheitsauflagen bezweifelt Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick in der Erklärung, ob Ölbohrungen in einem so dicht besiedelten Gebiet noch zeitgemäß seien.
Laut Reinhold gibt es im Rheintal Ölvorkommen mit „Nordseequalität“, die viel zu schade für die Verbrennung im Motor seien und eher in der Petrochemie eingesetzt werden können.

Ein Tankwagen pro Tag

Er erwarte keine Ölfördermengen wie in Saudi-Arabien: Eine Tankwagen-Ladung pro Tag wäre aber eine schöne Menge, so der Geschäftsführer. Nach der Erkundungsbohrung müsste jeder weitere Produktionsschritt bewilligt werden, sodass erst in zwei Jahren überhaupt mit einer Förderung zu rechnen sei.