Nach der Ermittlungsarbeit nach dem Flugunglück beim Erlichsee bei Oberhausen-Rheinhausen haben die Experten der BFU einen ersten Zwischenbericht veröffentlicht.
Nach der Ermittlungsarbeit nach dem Flugunglück beim Erlichsee bei Oberhausen-Rheinhausen haben die Experten der BFU einen ersten Zwischenbericht veröffentlicht. | Foto: Heintzen

Flugunglück am Erlichsee

Kleinflugzeug wollte erst nicht nach Speyer

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Das Schweizer Kleinflugzeug, das in das Flugunglück über dem Erlichsee bei Oberhausen-Rheinhausen mit vier Toten verwickelt war, wollte zunächst gar nicht am Flughafen in Speyer landen. Das geht aus dem Bericht hervor, den die zuständige Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig nun veröffentlicht hat. Der Flugschüler und sein Lehrer hatten nach Schwäbisch Hall gewollt, jedoch während des Fluges erst Mannheim und später Speyer als Zielort angegeben.

Keine Angaben zur Unfallursache

Die Bundesstelle, kurz BFU, hat über drei Monate nach dem Zusammenstoß des Hubschraubers der deutschen Flugrettung mit einer Piper einen Zwischenbericht veröffentlicht. Darin gibt es jedoch noch keine Aussagen zur Ursache. Jedoch werden Angaben zu „Mensch, Maschine, Umwelt“ gemacht, wie es vonseiten der BFU heißt. Nach deren Angaben waren die flugmedizinischen Tauglichkeitszeugnisse aller Beteiligten gültig, die „Prüfung der Lufttüchtigkeit“ war für Sportflugzeug wie für Hubschrauber 2017 erfolgt. Der Fluglehrer aus der Schweiz verfügte über die notwendige Lizenz.

Speyerer Funkverkehr nicht aufgezeichnet

Der Sprechfunkverkehr mit dem Flugleiter in Speyer wurde nicht aufgezeichnet, dieser wurde von den BFU-Experten befragt. Er gab laut Bericht an beide Piloten informiert zu haben, dass sie sich im gleichen Luftraum befinden. Von der Helikopter-Crew sei das bestätigt worden, der Flugschüler in der Piper machte die Angabe „traffic not in sight“, also „Kein Verkehr in Sicht“. Kurz nach dem Unglück hatte es geheißen, der Pilot habe gesagt: „Habe Hubschrauber nicht in Sicht“.

Tragisches Ende zweier Trainingsflüge

In den Mittagsstunden des 23. Januar hatte sich das Flugunglück über dem Erlichsee ereignet. Augenzeugen berichteten von einem Feuerball, was auch im BFU-Bericht erwähnt wird. Der Zusammenstoß hatte einen Großeinsatz für Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte ausgelöst. Noch am Unglücksabend hatten die Experten ihre Ermittlungen aufgenommen.

Die Absturzkatastrophe am Erlichsee in Oberhausen-Rheinhausen führte im Januar zu einem Großeinsatz.
Die Absturzkatastrophe am Erlichsee in Oberhausen-Rheinhausen führte im Januar zu einem Großeinsatz. | Foto: Heintzen

Die Besatzung im Hubschrauber war vom Baden-Airpark gestartet und absolvierte Übungen. Dafür startete und landete sie mehrmals am Flughafen Speyer. Vor dem Unglück sollte der „Verlust der Heckrotorsteuerung“ simuliert werden. Auch die beiden Männer im Kleinflugzeug waren auf einem Trainingsflug, der Schweizer Flugschüler wurde zum Berufspiloten ausgebildet. Dass dabei der Zielflughafen geändert werde, könne durchaus vorkommen, heißt es von Expertenseite.

Theorie zu Unfallhergang in Arbeit

Auffällige Wetterphänomene oder ungewöhnliche Rardaraufzeichungen werden von der BFU nicht erwähnt. Detailliert wird die Lage der Wrackteile beschrieben, der Hubschrauber war komplett in Flammen aufgegangen und auseinandergerissen worden. In den Zwischenbericht wurde zudem der Start einer Cessna von Speyer kurz vor dem Unglück aufgenommen. Sie war vermutlich der Grund, warum der Hubschrauber in der Nähe des Erlichsees in der Luft wartete.

Germout Freitag von der BFU betonte, dass es sich bei dem Bericht um eine „Tatsachenermittlung“ handelt. „Eine Bewertung fehlt“, so Freitag weiter. Er teilte jedoch mit, dass der Ermittlungsführer an einer Theorie zum Unfallhergang arbeite. Darauf folgt eine Bewertungsphase, außerdem sind Stellungnahmen möglich, etwa von der Deutschen Flugrettung. Erst dann erfolgt die Freigabe. 16 BFU-Untersucher bearbeiten bis zu 250 Unfälle im Jahr, bis der Abschlussbericht vorgelegt wird, könne bis zu einem Jahr vergehen.

Staatsanwaltschaft prüft weiteres Vorgehen

Auch der Staatsanwaltschaft Karlsruhe liegt der Zwischenbericht vor und wird nun geprüft. Unter anderem überlegt man in der Behörde, ob man die Veröffentlichung des Abschlussberichtes abwartet oder bereits jetzt eine Entscheidung zum Fortgang der Ermittlungen treffen.