Triathlet Markus Rolli – hier bei der vergangenen Auflage des „Ironman 70.3 Kraichgau“ in Bad Schönborn – versucht, in diesem Jahr ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, muss sich gegen sehr starke Konkurrenz behaupten. | Foto: Blum

„Ironman“ im Kraichgau

Knackpunkt Schindelberg

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Sonntag, 3. Juni, findet der „Sparkasse Ironman 70.3 Kraichgau“ statt. Hierzu ein Informationspaket der BNN.

Mit einem Weltmeister zusammen Sport machen – im Fußball kaum vorstellbar. Mit Thomas Müller oder Mats Hummels gemeinsam auf dem Sportplatz stehen – das bleibt ein Traum. Im Triathlon ist das anders. Die 2 000 Altersklassenathleten, die am Sonntag beim „Sparkasse Ironman 70.3 Kraichgau“ antreten, haben gleich zwei Weltmeister neben sich an der Startlinie: Jan Frodeno siegte 2015 und 2016 bei „Ironman Hawaii“, Patrik Lange entthronte ihn im vergangenen Jahr. Beim Triathlon, diesem aktuell boomenden „Dreikampf“ mit den Disziplinen Schwimmen, Rad fahren und Laufen, ist es Standard, dass Profis und Amateure gemeinsam auf der Strecke sind.

Im Land der 1000 Hügel

Die Strecke – das ist am Sonntag zunächst das Schwimmen (1 900 Meter) im Hardtsee bei Weiher, dem 90 Kraichgau-Kilometer auf dem Rad durch das „Land der 1 000 Hügel“ folgen, bevor mit drei Laufrunden zwischen Mingolsheim und Langenbrücken der abschließende Halbmarathon den Wettkampf beschließt. Insgesamt macht das 123 Kilometer – die Bezeichnung „Ironman 70.3“ ergibt sich aus der Umrechnung in Meilen. Die Triathleten sprechen von „Mittel-“ oder „Halbdistanz“. Bei der Langdistanz wie in Hawaii oder Frankfurt werden 226 Kilometer zurückgelegt.


Der Triathlonwettkampf im Kraichgau hat sich mit gut 30 000 Zuschauern als größtes Sportereignis im Landkreis Karlsruhe etabliert, seitdem Björn Steinmetz, heute Geschäftsführer bei Ironman, den Event vor über zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Deswegen hat schon vor längerem Landrat Christoph Schnaudigel die Schirmherrschaft übernommen, der auf das stetig wachsende Rahmenprogramm hinweist. In der Tat ist aus dem früheren Wettkampfsonntag ein ganzes Triathlon-Wochenende geworden, das für viele etwas bietet.

Fast immer Sonnenschein

Dazu gehört insbesondere eine offenkundige Wettergarantie – nahezu jedes Jahr erleben die Triathleten sonniges „Kraichgau-Wetter“, das manchem schon fast ein wenig zu heiß ist. Insbesondere auf der nahezu schattenlosen Laufstrecke werden sich die angekündigten knapp 30 Grad bemerkbar machen. Das gilt auch für die weit über 1 000 Helfer, die für die Sicherheit und Versorgung der Sportler sorgen. Besonders gefragt sein dürften Getränke und kühlende Schwämme auf der Laufstrecke. Die zu erwartende Nachfrage wird auch bei den dort tätigen Helfern für Schweißperlen sorgen – eine BNN-Journalistin wird am Mingolsheimer Marktplatz diesbezüglich eigene Erfahrungen machen und darüber berichten.

Der Schindelberg

Ein Knackpunkt der Radstrecke ist der Schindelberg bei Odenheim. Er ist zwar nur 270 Meter hoch, muss aber von beiden Seiten befahren werden. Oben, der bei der Schindelbergkapelle, haben die BNN einige Triathleten getroffen und zu ihren Erwartungen für den Sonntag befragt.

Straßensperrungen

Am Sonntag bedingt der Wettkampf einige Änderungen im Straßen- und Bahnverkehr. Von den Straßensperrungen besonders betroffen sind die B 292 zwischen Östringen und Mingolsheim, die L 635 zwischen Östringen und dem Schindelberg sowie die K 3575 zwischen Weiher und Kronau. Diese drei Bereiche sind an weiten Teilen des Tages betroffen, während andere nach und nach wieder freigegeben werden können. Kurzum: Wer am Sonntag in Richtung Kraichgau unterwegs ist, sollte sich anhand der Grafik über betroffene Straßen informieren und sich zudem nach den ausgewiesenen Umleitungen richten.

 

Auch Bahnen betroffen

Bei den Straßenbahnen sind es die Züge in Richtung Menzingen, die längere Zeit nur bis zum Haltepunkt Bahnbrücken verkehren. Zudem sind mehrere Buslinien betroffen, wozu es Informationen auf kvv.de gibt.
Wer den Wettkampf verfolgen möchte, hat beste Bedingungen morgens um neun Uhr beim Start am Hardtsee und ab etwa halb zwölf beim Halbmarathon in Bad Schönborn. Wenn man nicht gerade im Langenbrückener Feld steht, sieht man die Sportler sechs Mal. Ausreichend Gelegenheit also auch, um Mann, Frau, Tochter oder Sohn, Freundin oder Freund zu „supporten“.

3000 Aktive

Bei der Veranstaltung am Sonntag werden insgesamt über 3 000 Sportler unterwegs sein. Der größere Teil bestreitet – alleine oder als Staffel – den Hauptwettbewerb „Ironman 70.3“. Der Rest macht sich auf die sogenannte „olympische Distanz“ am Nachmittag.

Zusammenarbeit mit den Gemeinden

Das Gelingen des Tages hängt entscheidend an der Zusammenarbeit des Veranstalters mit den Gemeinden an der Strecke zusammen: Ubstadt-Weiher, Kronau, Östringen, Kraichtal, Bretten, Oberderdingen, Zaisenhausen und Bad Schönborn. Im Einsatz sind unter anderen Mitarbeiter der Bauhöfe, Mitglieder von Vereinen, Rettungsdienste und Polizei. Sie sichern die Strecke, versorgen die Athleten, betreuen die Wechselzonen mit den Rennrädern – oder sind anderweitig als „Rädchen“ tätig, um mit dazu beizutragen, dass der „Ironman Kraichgau“ für Sportler und Zuschauer attraktiv ist.

Zeitplan
Freitag, 1. Juni
18:00 Start „Iron Girl“ in Mingolsheim
10:00 Triathlonmarkt in Mingolsheim (bis 19:00)
Samstag, 2. Juni
16:30 Start „iron kids“
18:30 Bundesliga Frauen
20:00 Bundesliga Männer
20:00 Seefest mit Live-Musik
(alles am Hardtsee)
10:00 Triathlonmarkt in Mingolsheim (bis 19:00)
Sonntag, 3. Juni
09:00 Start „Ironman 70.3 Kraich-
gau“, Mitteldistanz, Hardtsee ab 12:30 Einlauf der Sieger, Mingolsheim
14:00 Start „Ironman Kraichgau“
olympische Kurzdistanz, Hardtsee.
10:00 Triathlonmarkt in Mingolsheim (bis 19:00)

„Heimspiel“ für Markus Rolli

Markus Rolli hat am Sonntag eine kurze Anreise zu seinem Arbeitsort. Der Triathlon-Profi startet beim „Sparkasse Ironman 70.3 Kraichgau“, dessen Auftaktdisziplin im Hardtsee bei Weiher stattfindet – vom heimischen Wiesental aus ein Katzensprung. Deutlich weiter geht es im Zweifelsfall im September. Markus Rolli will im Kraichgau Punkte sammeln, um im September bei der Weltmeisterschaft in Südafrika starten zu können. Mit unserem Redaktionsmitglied Matthias Kuld unterhielt er sich über das jetzt anstehende Rennen am Sonntag und das für ihn noch neue Leben als Profi.

Herr Rolli, was machen Sie am Sonntag etwa um ein Uhr mittags?

Rolli: Da bin ich hoffentlich im Ziel in Mingolsheim und vollkommen erschöpft, weil ich alles gegeben habe.

Und dann geht es wie im Vorjahr aufs Podium …?

Rolli: 2017 bin ich Zweiter geworden, und theoretisch muss mein Ziel sein, eine Verbesserung zu erzielen. Das wird bei dieser der Konkurrenz sehr schwer.

Sie meinen beispielsweise Jan Frodeno und Patrick Lange?

Rolli: Ja. Die beiden waren Ironman-Weltmeister auf Hawaii. Aber am Sonntag werden die Karten neu gemischt.

Haben Sie einen Plan, wie Sie gegen die Stars bestehen können?

Rolli: Man hat schon so eine Taktik im Kopf. Beim Schwimmen will ich vorne mit dabei sein. Wenn ich gute Beine habe und sich die Situation so ergibt, will ich beim Radfahren die Flucht nach vorne suchen. Beim Laufen müssen sich dann alle durch die Hitze quälen.

Sie sind als Profi im Triathlon unterwegs und haben dafür Ihren Beruf aufgegeben. Schon bereut?

Rolli: Nein. Ich habe ja auch nicht mit einem Mal aufgehört zu arbeiten, sondern meinen Job nach und nach aufgegeben. Sportlich ist mir das bislang gut bekommen. Es gibt allerdings auch mehr Druck bezüglich der Leistung.

Können Sie vom Triathlon leben?

Rolli: Auch wenn Geld nicht mein Antrieb als Profisportler ist, ist dies unumgänglich, um sich mit der Weltspitze messen zu können. Hier bin ich meinen Sponsoren sehr dankbar, dank derer ich mich voll auf den Sport konzentrieren kann.

Der „Ironman Kraichgau“ ist eine „Mitteldistanz“. Als „Königsdisziplin“ gilt die Langdistanz mit dem WM-Rennen auf Hawaii …

Rolli: … an dem ich irgendwann in der Zukunft auch teilnehmen möchte. Hawaii fasziniert mich und ist deshalb das große langfristige Ziel. Noch bremst mich mein Trainer Lubos Bilek da ein wenig, so dass es bis zu meinem ersten Start noch ein paar Jahre dauern wird.