Den Flugzeugabsturz in Bruchsal klären Ermittler auf. Drei Insassen starben nach einer missglückten Notlandung. | Foto: dpa

Ohne Chance in Bruchsal

Kontrolle im Luftraum: Dann greift die Flugsicherung ein

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Was führte zu dem Flugzeugabsturz in Bruchsal? Nun steht das Obduktionsergebnis des 80-jährigen Piloten fest. Ein Experte der Flugsicherung erklärt zudem, wann bei unkontrolliert fliegenden Maschinen reagiert werden kann – und wann nicht.

Eine schnelle Antwort auf die Frage, wie es zu dem Absturz eines Kleinflugzeugs in Bruchsal kommen konnte, war nicht zu erwarten. Doch nach dem Unglück dreier Insassen am Samstagmittag gibt es mittlerweile erste Hinweise. Der 80-jährige Pilot wurde bereits obduziert. In einem vorläufigen Bericht wird ein Herzinfarkt des Mannes aus Bayern ausgeschlossen. „Andere akute gesundheitliche Beeinträchtigungen bleiben jedoch als Ursache möglich“, schreibt die Karlsruher Polizei.

Kontrolle? „Hätten gar nicht die Ressourcen“

Zeugen hätten den 80-Jährigen als erfahrenen Piloten beschrieben, der technisch versiert gewesen sein soll. „Demnach wurde das Kleinflugzeug vom Verstorbenen sehr gewissenhaft gewartet und gepflegt“, heißt es weiter. „Vor jedem Flug fand eine intensive Überprüfung des technischen Zustands der Maschine statt.“ Es gab keine Chance, den 80-Jährigen, dessen 60-jährige Lebensgefährtin und den 32 Jahre alten Sohn vom Boden aus zu retten.

Doch hätte die Flugsicherung bei Auffälligkeiten zuvor eingreifen können? Nein, sagt Boris Pfetzing, der in Karlsruhe für die Deutsche Flugsicherung (DFS) zuständig ist. „Wir kontrollieren diese Flugzeuge nicht, dafür hätten wir gar nicht die Ressourcen.“ Das liege unter anderem an der Vielzahl der auf Sicht fliegenden Maschinen.

Im Ernstfall wird das Militär kontaktiert

Generell sei die DFS aber nicht für den unkontrollierten Luftraum unter 1 000 Metern Höhe zuständig, sondern erst im oberen Luftraum ab etwa 7 500 Metern. Von den darunter auf Sicht fliegenden Maschinen hat die DFS keine Übersicht – auch wenn diese unkontrolliert, unsicher oder gar gefährlich fliegen würden. „Das würden wir nicht merken“, sagt Pfetzing. „Es ist vergleichbar mit dem Autoverkehr, wenn jemand entgegen einer Einbahnstraße fährt.“ Erst wenn es von Zeugen oder der Polizei beobachtet werden würde, würde man aufmerksam werden.

Auf die kontrollierten Flugzeuge könne man dagegen schnell reagieren. „Gibt es einen Kommunikationsverlust oder fehlt die Identifizierung, ist sehr schnell eine Alarmrotte hochgeschickt, die sich das Flugzeug anschaut.“ Dafür werde das Militär kontaktiert. Das geschehe aufgrund der permanenten Alarmbereitschaft teilweise binnen drei Minuten. „In den allermeisten Fällen haben die Piloten aber einfach nur die falsche Funkfrequenz eingestellt.“ Solche Vorfälle hielten sich jährlich im einstelligen Bereich.