Beate Beyerle aus Bad Schönborn (links) erläutert bei Wanderungen mit Interessenten Verwendung und Wirkung von Kräutern wie vom Spitzwegerich als Sofortmaßnahme bei Insektenstichen.
Beate Beyerle aus Bad Schönborn (links) erläutert bei Wanderungen mit Interessenten Verwendung und Wirkung von Kräutern wie vom Spitzwegerich als Sofortmaßnahme bei Insektenstichen. | Foto: Steinmann-Plücker

Workshops zu Wildpflanzen

Kräuterwanderungen in Bad Schönborn liegen im Trend

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Petersilie und Schnittlauch erfrischen den Salat, Thymian und Rosmarin sorgen beim Braten für den besonderen Geschmackskick, Dill verfeinert Fisch und Gurken. In der Küche haben Kräuter, ob getrocknet oder frisch aus dem eigenen Garten oder von der heimischen Fensterbank, längst einen Stammplatz gefunden. Aber auch das Interesse an der Wirkung und Verwendung ihrer wild wachsenden Kollegen erlebt zunehmend eine Renaissance, der beispielsweise der Wiederentdeckung des Bärlauchs einen Schub gab. Kräuterwanderungen erfreuen sich daher ziemlich großer Beliebtheit, und das Literaturangebot über verwendbare Wildpflanzen ist immens.

Von unserer Mitarbeiterin Petra Steinmann-Plücker

Schon vor 15 Jahren führte Beate Beyerle aus dem Bad-Schönborner Ortsteil Langenbrücken Touren in und um ihren Heimatort Langenbrücken, bei denen heimische Kräuter im Mittelpunkt standen. Kurz darauf schilderte die Gesundheitspädagogin mit Schwerpunkt Ernährung einen rund fünf Kilometer langen Kräuterweg aus, bei dem sie auf typische Pflanzen hinweist.

Eine Hühnersuppe mit Wurzelgemüse und Kräutern kräftigt den Menschen mehr als eine Handvoll Pillen

Auf ihren Wanderungen erläutert sie die Wirkungsweise zum Beispiel von Gänseblümchen (hervorragende Zeckenabwehr) oder Spitzwegerich (Blättersaft als Erste Hilfe bei Insektenstichen). „Eine Hühnersuppe mit Wurzelgemüse und Kräutern kräftigt den Menschen mehr als eine Handvoll Pillen“, ist ihre Überzeugung.

Sie ruft aber auch zur „gesunden Skepsis“ auf und empfiehlt, nur die Kräuter, die man kennt, einzusetzen. Und sie erklärt: „Pflanzen in Signalfarben wie Rot oder Gelb zeigen an: ‚Geh vorsichtig mit mir um‘.“

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Kräuter räuchern zum Stressabbau

Auch das Brauchtum, wie das Binden der „Werz-Wische“, der Gewürzsträuße, an Maria Himmelfahrt, wird in vielen Orten noch heute gepflegt. Mit überlieferten Kenntnissen rund um Kräuter beschäftigt sich Nicole Reder aus Odenheim.

In ihren Workshops geht es zum einen um „das alte Wissen über Jahreskreisfeste und Raunächte“ und zum anderen um das Räuchern von Kräutern, dessen energetischer Wirkung und dessen Einfluss auf das Wohlbefinden. Der aromatische Rauch, der beim Anzünden verschiedener getrockneter Pflanzen wie Salbei, Lavendel, Rosmarin, Beifuß, Schafgarbe oder Alant zusammen mit Harzen wie Myrrhe oder Weihrauch entsteht, „kann unterstützen, Stress abzubauen, sich zu konzentrieren, zu aktivieren oder zu beruhigen oder auch beispielsweise Erkältungssymptome lindern“, weiß sie.

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Natur als Gegenstück zu Technologie und Hektik

In diesem „Zurück zur Natur“, im Beschäftigen mit dem Jahresverlauf und den Wildkräutern, wie gerade im August beim Schnitterinnenfest und dem Binden des Marienbusches, spiegelt sich nach ihrer Erkenntnis der Wunsch wider, „uns wieder mit unseren Wurzeln zu verbinden“. Und: „Wir brauchen als Gegenstück zur Technologie und dem hektischen Alltag einfach die Natur und insbesondere die Kräuter als Gegenpol, um zur Ruhe zu kommen und zu heilen.“

Sowohl Beate Beyerle als auch Nicole Reder sind überzeugt: „Für alles ist ein Kraut gewachsen.“ Bei ihren Veranstaltungen hören sie immer wieder „Oh, das hab ich daheim im Garten“ oder „Das wächst bei uns hinterm Haus“. Das bestätigt Beate Beyerle, die den amerikanischen Philosophen aus dem 19. Jahrhundert, Ralph Waldo Emerson, zitiert: „Unkraut nennt man Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt sind.“